Am Donnerstag hat der Prozess in Gera begonnen, derzeit geht die Kammer von fast 30 Verhandlungstagen aus. Bildrechte: THJ

Staatsschutzkammer

"Jungsturm"-Prozess beleuchtet Hooligan-Szene - Angeklagte schweigen

Stand: 12. November 2020, 20:03 Uhr

Telefonüberwachung, Durchsuchungen, Observationen: Zum Auftakt des sogenannten "Jungsturm"-Prozesses in Gera wurde schon am Donnerstag deutlich, mit welchem Aufwand die Ermittler Beweise gegen die vier Angeklagten sammelten.

Die 21, 26, 28 und 29 Jahre alten Männer schwiegen vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts zu den Vorwürfen. Der Verteidiger des 26 Jahre alten Angeklagten sagte, sein Mandant wolle sich "zum heutigen Zeitpunkt"» nicht zu den Vorwürfen äußern.

Mehrere schwerwiegende Anklagepunkte

Die Staatsanwaltschaft Gera wirft den vier Männern eine ganze Reihe von Straftaten vor: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Raub und gefährliche Körperverletzungen. Die Beschuldigten sollen Mitglieder des "Jungsturms" sein - einer Gruppierung aus dem Umfeld des Fußballclubs Rot-Weiß Erfurt, in der sich nach Einschätzung der Ermittler nicht nur gewaltbereite, sondern auch rechtsgerichtete Fußballfans gesammelt haben.

Verbindungen innerhalb der Fußballszene

Die Angeklagten hätten bei dieser Gelegenheit immer wieder auch gegen die Köpfe von Anhängern der anderen Clubs geschlagen und getreten - selbst wenn diese schon am Boden lagen. Die Details deuten auf enge Verbindungen innerhalb der gewaltbereiten deutschen Fußball-Szene hin. So sollen sich die Angeklagten bei diesen Auseinandersetzungen mit Anhängern von Fußballvereinen aus Essen, Babelsberg, Frankfurt und Bielefeld getroffen haben, um gegenseitig aufeinander einzuschlagen.

Prozess soll bis März 2021 dauern

Schon jetzt hat die Kammer fast 30 Verhandlungstage für das Verfahren festgelegt. Der letzte davon soll Anfang März 2021 stattfinden. Zum Prozessauftakt beschrieb der Ermittlungsführer der Polizei in dem Verfahren ausführlich, mit welchem Aufwand die Beamten gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft in den vergangenen Monaten gegen die Angeklagten ermittelt haben.

Bericht über Ermittlungsarbeit

Bei ihnen und weiteren Beschuldigten hatte es umfangreiche Durchsuchungen gegeben. Auch Telefone wurden dem Beamten zufolge abgehört. Zudem hätten die Thüringer Polizisten in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt Nachrichten mitgelesen, die die Angeklagten über Messenger-Dienste geschrieben hatten. Obendrein seien sie observiert worden.

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Prozessauftakt: Mutmaßliches "Jungsturm"-Quartett vor Gericht

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/gh

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. November 2020 | 18:00 Uhr

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