Prozessbeginn Sexueller Missbrauch: Mädchen gezielt im Internet angesprochen

Am Landgericht Gera muss sich seit Donnerstag ein 55-jähriger wegen schweren sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verantworten. Dafür soll der Mann vor ein paar Jahren zuerst ein 14-jähriges und später auch ein 13-jähriges Mädchen in seine Wohnung gelockt haben.

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger im Gerichtssaal.
Frank Z. (links) war bereits 2017 zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt worden, ging allerdings in Revision. Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Im Internet gab er sich als väterlicher Freund aus. Gezielt suchte Frank Z. in Chatforen nach jungen Mädchen oder Familien mit Mädchen. Wenn er ein Mädchen an der Angel hatte, nahm er sich Zeit, versuchte eine scheinbar vertrauensvolle Beziehung zu dem Mädchen aufzubauen. Ziel war es, sie in seine Geraer Wohnung einzuladen.

So lief es im Dezember 2009 auch bei einem damals gerade 14-jährigen Mädchen ab. In der Nacht war es bei Frank Z. zu Besuch. Dabei kam es nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gera zu folgender Situation: Täter und Opfer lagen nebeneinander auf dem Bett. Als das Mädchen die erste Berührung durch Z. wahrnahm, fiel es in einer Schockstarre. Er nutzte das aus und hatte mit dem Mädchen Geschlechtsverkehr.

Tatvorwurf: Sexueller Missbrauch

Genau das wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Er habe das Mädchen sexuell missbraucht, weil es nicht in der Lage war, sich zu wehren. Sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen heißt das im Juristendeutsch. Doch das bestreitet der Angeklagte. Er behauptet, es wäre ein einvernehmlicher Geschlechtsverkehr mit dem 14-jährigen Mädchen gewesen.

Einvernehmlich oder nicht: Das muss das Gericht jetzt noch einmal prüfen. Denn es hatte Frank Z. bereits 2017 unter anderem dafür zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt. Aber Z. ging in Revision und bekam vom Bundesgerichtshof teilweise recht.

Noch einmal verhandelt werden muss auch der Besitz kinderpornographischer Schriften. Bei seiner Festnahme hatte Z. die Fotos zum Teil gelöscht. Damit waren sie nicht mehr in seinem Besitz und gehörten damit auch nicht mehr zum Tatbestand, argumentierte der BGH. Die Fotos hatte Z. zum Teil selber von seinen Opfern angefertigt.

Kontakt über Facebook

Teil des Prozesses, aber bereits 2017 mit einem rechtskräftigen Urteil versehen, ist der Fall eines 13-jährigen Mädchens aus dem bayrischen Hof, an dem sich Frank Z. vergehen wollte. Die Ausgangssituation war hier ähnlich. Im Jahr 2013 schickte das Mädchen Textnachrichten über Facebook an Z. Sie habe Probleme mit ihren Eltern, schieb sie. Z. lud sie in seine Wohnung nach Gera ein. Die Eltern des Mädchens wussten von nichts. Als er sich am Abend beim gemeinsamen Fernsehen dem Kind in sexueller Absicht nähern wollte, machte ihm das Mädchen allerdings klar, das es keinen Sex mit Z. wolle. Er ließ darauf von ihm ab.

Vor Gericht zeigte sich Frank Z. uneinsichtig. Mehr noch. Richter Harald Tscherner warf er vor, dass er 163 Tage unschuldig in Untersuchungshaft gesessen habe. Er erwarte dafür eine Haftentschädigung. Doch Tscherner gab zurück: Das Urteil, dass Z. zu erwarten habe, werde sicher deutlich über die 163 Tage U-Haft hinausgehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. März 2020 | 18:00 Uhr

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