Das Justizzentrum in Gera (Thüringen)
Landgericht Gera - Verhandlungsort für die in Tonna und Hohenleuben einsitzenden Angeklagten Bildrechte: dpa

Festnahmen nach Verfolgungsjagd und Fotos in Radarfalle Mutmaßliche Autoknacker in Gera vor Gericht

Der Prozess wegen Autodiebstahls und Hehlerei vor dem Landgericht Gera ist mit Verzögerungen gestartet. Unter anderem hatten die Rechtsanwälte mit ihren Mandanten noch Gesprächsbedarf. Angeklagt sind vier Männer. Sie sollen zwischen Januar 2016 und Juni 2017 vor allem in Thüringen teure Autos entwendet und ins Ausland gebracht haben.

von Uli Braumann

Das Justizzentrum in Gera (Thüringen)
Landgericht Gera - Verhandlungsort für die in Tonna und Hohenleuben einsitzenden Angeklagten Bildrechte: dpa

Arbeitsteilung mit hoher krimineller Energie - so sieht es die Anklage, die die Vorwürfe auf 92 Seiten auflistet. Das vor Gericht stehende Männer-Quartett im Alter zwischen 25 und 38 Jahren soll dabei aber nur Teil einer insgesamt 14-köpfigen Bande sein. So sollen die Autodiebe unter anderem in Jena und Erfurt chromblitzende und superteure Audis entwendet und im Ganzen oder in Teilen weiterverkauft haben. Zuvor sollen die Verdächtigen jeweils mindestens zu dritt mit einem sogenannten Pilotfahrzeug nach Deutschland eingereist sein und in einer Tatnacht gleich mehrere Fahrzeuge entwendet haben.

Autoknacken - rigoros und hochprofessionell

Das Quartett brach nach Angaben der Staatsanwaltschaft normalerweise in Garagen ein. Die Angeklagten hätten dann an den Autos Lenkradschlösser und elektronische Wegfahrsperren außer Betrieb gesetzt. Mittels eines speziellen Software-Tools sei die Bordelektronik ausgetrickst, ein neuer Transponder angelernt und mit dessen Hilfe das jeweilige Fahrzeug gestartet worden. Das Gericht legt den Angeklagten einen Schaden von fast 650.000 Euro zur Last.

Auf der Flucht gestellt

Gefasst wurde einer der Männer nach einem gescheiterten Fluchtversuch bei Hof. Nachdem er am 1. Juni 2017 einen Audi im Bereich Wunsiedel entwendet hatte, wurde er durch Zivilbeamte der Polizei gestoppt. Beim Versuch dem Polizeiwagen zu entkommen, soll er mit einer Geschwindigkeit von 180 Stundenkilometern über die Landstraße gefahren und dann in den Straßengraben gerutscht sein. Beim Zurücksetzen auf die Fahrbahn soll er den ihn verfolgenden und den Weg versperrenden Zivilstreifenwagen gerammt haben - mit einem Schaden von rund 7.000 Euro. Nach weiterer Verfolgung wurde der Verdächtige schließlich im Bereich Hauenreuth (Kreis Wunsiedel) gestellt und festgenommen.

Andere Verdächtige wurden bei Hochgeschwindigkeitsfahrten im Jagdberg-Tunnel bei Jena und am Hermsdorfer Kreuz geblitzt und später in Autos mit Tatwerkzeug auf frischer Tat gestellt.

Der Prozess wird sich hinziehen

Bisher haben die Angeklagten zur Sache geschwiegen. Gerichtssprecherin Kerstin Böttcher-Grewe sagte MDR THÜRINGEN, dass sich der Prozess wahrscheinlich bis Juni oder Juli hinziehen werde. Es könnten bis zu 100 Zeugen - darunter Autobesitzer und Polizisten - geladen werden. Für einen Tatnachweis müssen demnach umfangreiche Indizien, DNA-Spuren, ausgelesene Handy-Dateien und auch Daten aus anderen elektronischen Geräten bewertet werden. Die vier Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft in Tonna und Hohenleuben. Drei der Männer sind bereits wegen Diebstahls oder Hehlerei einschlägig vorbestraft. Ein Angeklagter wurde zudem in Polen mehrfach unter anderem wegen Eigentumsdelikten verurteilt.

Thüringen gehört zu den Ländern, in denen in den vergangenen Jahren die Zahl der Autodiebstähle besonders deutlich zulegte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 13. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 20:42 Uhr

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