Eltern und Kinder demonstrieren mit Plakaten vor dem Schulamt in Gera
Kinder und Eltern demonstrierten am Freitag vor dem Geraer Schulamt. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Unterrichtsausfall Meuselwitzer Grundschüler machen Radau vor Schulamt

An Thüringer Schulen fehlen Lehrer, Stunden fallen aus. Besonders prekär ist es in Ostthüringen, wo der Lehrerverband zuletzt einen Unterrichtsnotstand ausrief. Eine Meuselwitzer Grundschule verschaffte sich jetzt Luft.

Eltern und Kinder demonstrieren mit Plakaten vor dem Schulamt in Gera
Kinder und Eltern demonstrierten am Freitag vor dem Geraer Schulamt. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Vor dem Staatlichen Schulamt Ostthüringen in Gera haben am Freitagvormittag rund 60 Eltern und Grundschüler demonstriert. Sie protestieren gegen Unterrichtsausfall und unbesetzte Lehrerstellen an der Staatlichen Grundschule Meuselwitz im Altenburger Land. Dem Amtsleiter Berthold Rader übergaben die Eltern eine entsprechende Petition mit 925 Unterschriften.

Laut Petition gestaltet sich die wirtschaftliche Lage der Ostthüringer Schulen als äußerst prekär. Das Schulamt bearbeite die Einstellung von Lehrern zu spät oder verhindere sie durch unattraktive Konditionen. Rader sagte, es fehle an Bewerbern. Dem Schulamt Ostthüringen gelinge es nicht, die derzeit 18 unbefristeten Grundschullehrerstellen in seinem Bereich zu besetzen.

Eine Klasse ohne Lehrer

An der Staatlichen Grundschule lernen knapp 190 Kinder. Aktuell müsse eine Klasse ohne Klassenlehrer auskommen, beklagen die Eltern. Außerdem sei es nicht gelungen, eine Referendarin zügig einzustellen, stattdessen sei diese von Sachsen-Anhalt abgeworben worden. Das Schulamt hat eine Quereinsteigerin sowie eine Pensionärin als Klassenleiterin angekündigt, um die Situation zu verbessern.

Helmut Holter
Bildungsminister Helmut Holter Bildrechte: dpa

Das Thüringer Bildungsministerium bezeichnete die Lage an der Meuselwitzer Grundschule als "sehr angespannt". Der Protest der Schüler und Eltern sei aus Sicht des Schulamts und des Ministeriums absolut verständlich.

Mit der Quereinsteigerin sowie der Pensionärin stünden spätestens ab 2. Dezember wieder neun Lehrkräfte für die acht Klassen an der Grundschule Meuselwitz zur Verfügung. Hinzu kämen sieben Erzieherinnen. Die Eltern kritisieren dies als lediglich kurzfristige Hilfe.

Unterricht nicht in jeder Schule abgesichert

Das Bildungsministerium räumte ein, dass trotz der Neueinstellungen in diesem Jahr der Unterricht nicht in jeder Schule abgesichert sein wird. Der bundesweite Lehrermangel mache auch um Thüringen keinen Bogen. Der Thüringer Lehrerverband beklagte zuletzt sogar einen Unterrichtsnotstand in Ostthüringen. Das Ministerium erklärte, "Bildungsminister Helmut Holter zieht alle Register zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs in Thüringen".

Bei einer Erhebung im Frühjahr 2019 betrug der Unterrichtsausfall in Thüringen 6,6 Prozent. In Ostthüringen waren es 7,2 Prozent. Die Anzahl von Schulen, Schülern und Lehrern ist seit 1991 in Thüringen deutlich gesunken. Am stärksten ist der Rückgang bei den Lehrern.

Das sind die aktuellen Unterrichtsausfall-Zahlen für Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 22. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2019, 14:23 Uhr

11 Kommentare

mummelfiez vor 2 Wochen

Genau, Herr Leistner, SPD Finanzministerin Heike Taubert, die sollte man mal fragen, warum sie nicht endlich reagiert, oder ist es ihr Zentralabteilungsleiter, der ehemals im Kultusministerium die Fäden zog und 2009 ins Finanzministerium abgeschoben wurde und nun die notwendigen Aktivitäten konterkariert

mummelfiez vor 2 Wochen

Ich finde es richtig, das Schulamt Mittelthüringen muss beaufsichtigt werden, da läuft vieles schief. Leider hat die Kolumne vom ehemaligen Innenminister Geibert zu dem dortigen Schualmtsleiter- Lauinger Affäre- noch nicht alle Leser erreicht... Selbtstbedienungsmentalität der Grünen Ministers Lauiinger, der seine Kinder auf einer privaten Schule lernen lässt...

mummelfiez vor 2 Wochen

Schade, dass Sie trotz ständiger Berichterstattung über Lehrermangel in Thüringen immer noch nicht wissen oder verstanden haben, dass RGG lediglich und ausschließlich die Stellen unbefristet besetzen lässt, wo die Lehrer und SPF DAUERHAFT durch Rente/Pension ausscheiden. Sind in Südthüringen im Schulamtsbereich 40 Lehrer*inen, die ausscheiden, werden auch nur 40 Stellen besetzt. Der Bedarf liegt aber in heutigen Zeiten höher durch gestiegene Schülerzahlen (höhere Geburtenraten und Migrationsschüler), dass macht die Situation prekär. Dazu kommt, dass Grundschullehrer nicht wie in Sachsen in E 13 bezahlt werden und so, da in Thüringen nur E 11 möglich ist, nicht in Altenburg Lehrer werden, sondern im benachbarten Sachsen. Die rote SPD-Finanzministerin Heike Taubert, deren ehemaliger Parteichef Christoph Matschie, längst im Bundestag Hinterbänkler geworden ist, müsste endlich kapieren, dass beim bundesweiten Lehrermangel auch die Grundschullehrer angemessen bezahlt werden müssen....

Mehr aus der Region Gera - Altenburg - Zwickau

Mehr aus Thüringen

Fontäne nach einem Wasserrrohrbruch auf dem Weihnachtsmarkt in Weimar nahe des Deutschen National-Theaters 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK