GVB Umstrittener Kauf: Neue Straßenbahnen für Gera

Die Stadt Gera bekommt sechs neue Straßenbahnen. Nach monatelangem Streit entschied sich der Stadtrat am Donnerstagabend für den Kauf durch die Geraer Verkehrsbetriebe (GVB). Damit setzte sich eine Mehrheit um AfD und CDU gegen einen Vorschlag von Linken, SPD und Grünen durch. Diese wollten gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe, Torsten Rühle, doppelt so viele neue Bahnen anschaffen, um die 40 Jahre alten maroden Tatrabahnen zu ersetzen.

Menschen vor einer Straßenbahn
Die alten Tatrabahnen in Gera sollen durch neue Straßenbahnen ersetzt werden. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

GVB wollten mehr neue Straßenbahnen für Gera

Die Anschaffung zwölf neuer Straßenbahnen wäre nach Ansicht von Rühle langfristig billiger gewesen. Für die Reparaturen der alten Bahnen müsse die Stadt aufkommen, der Neukauf wäre dagegen vom Land gefördert worden.

Der GVB-Aufsichtsratsvorsitzende Nils Fröhlich bezeichnete den gefassten Beschluss als rechtswidrig und nicht finanzierbar. Der Grünen-Stadtrat verwies auf das Landesverwaltungsamt, das bereits im März eine fehlende Wirtschaftlichkeitsprüfung bemängelt hatte. Laut GVB-Geschäftsführer Rühle müssten nun bereits geplante Investitionen beispielsweise beim Großprojekt Wiesestraße oder im Stadtteil Lusan entfallen, weil die Reparatur der alten Tatrabahnen auf Dauer teurer werde als der Kauf neuer Bahnen. Den Stadtratsbeschluss bezeichnete er als "die teuerste Variante" für Stadt und GVB.

Weniger Bahnen - höherer Stückpreis

Eine Straßenbahn kostet zwischen 2,9 und vier Millionen Euro. Je weniger Bahnen Gera anschafft, desto höher wird der Stückpreis. Das Land Thüringen fördert den Kauf neuer Straßenbahnen zu 50 Prozent mit EU-Mitteln. Die Frist für den Fördermittelantrag endet nach mehrmaliger Verlängerung an diesem Freitag. Das städtische Verkehrsamt hatte einen Bedarf von maximal zehn neuen Bahnen gesehen.

Gera stimmt Leitstelle zu

Bei seiner Sitzung am Donnerstagabend hat der Stadtrat auch grünes Licht für eine Zentrale Leitstelle in Gera gegeben. Mit einer Enthaltung stimmte das Gremium einer entsprechenden Vereinbarung des Landes mit den Landkreisen Altenburger Land, Greiz und dem Saale-Orla-Kreis sowie den Städten Gera und Jena zu. In Ostthüringen soll es künftig nur noch zwei Leitstellen in Jena und Gera geben.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 05. Juni 2020 | 07:30 Uhr

10 Kommentare

emlo vor 4 Wochen

Die 6 Straßenbahnen entsprechen keineswegs dem Nahverkehrsplan bzw. nur dann, wenn man unterschlägt, dass auch mal eine Bahn in der Werkstatt ist und den Unterschied zwischen Straßenbahnwagen und -zug nicht kennt. Und was Sie Herrn Vonarb vorwerfen, spottet wirklich jeder Beschreibung. Wenn Investoren um Gera einen Bogen machen, dann liegt das gewiss nicht an ihm, sondern eher an beratungsresistenten Stadträten, die nicht wissen wo oben und unten ist. Schließlich wird wohl Herr Rühle (Geschäftsführer der GVB) am besten wissen, wieviel Bahnen für einen stabilen Betrieb notwendig sind.

Willy November vor 4 Wochen

Im nächsten Winter (wenn es mal wieder schneien sollte), werden wir dankbar sein, dass die gute alte Tatrabhahn fährt. Die neumodischen Kutschen haben ja schon mal bewiesen, dass sie bei nassem Schnee auf der Oberleitung nicht mehr fahren. Aber vielleicht hat deer GVB auch den Klimawandel eingepreist und glaubt, dass es in unseren Breiten nicht mehr schneit.

Willy November vor 4 Wochen

Das Gersche Kasperletheater geht weiter. Hauptdarsteller: der amtierende Oberbürgermeister. Was ist Schlimmes im Stadtrat passiert? Beschlossen wurden 6 Straßenbahnen, und das entspricht dem gültigen Nahverkehrsplan. Weshalb Herr OB Vonarb gegen seine eigene Stadtratsvorlage votiert hat und sich den Populisten von R2G angeschlossen hat, wird sein Geheimnis bleiben. Seine Glaubwürdigkeit für potenzielle Investoren erhöht dieser wankelmütige Mann jedenfalls nicht. Er verspielt zusehends den Kredit, den er vor 2 Jahren von den Bürgern erhielt.

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