Symbolfoto Missbrauch: eine Frau sitzt verängstigt auf dem Boden
Das Opfer leide noch heute, so der Richter (Symbolfoto). Bildrechte: Colourbox.de

Landgericht Gera Missbrauch der Enkelin: Mann zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt

Über 100 Mal soll ein Mann seine eigene Enkelin sexuell missbraucht haben. Das Landgericht Gera glaubt den Aussagen des Opfers - und verurteilt den Großvater zu fast zehn Jahren Haft.

Symbolfoto Missbrauch: eine Frau sitzt verängstigt auf dem Boden
Das Opfer leide noch heute, so der Richter (Symbolfoto). Bildrechte: Colourbox.de

Ein 56-jähriger Mann ist wegen sexuellen Missbrauchs seiner Enkelin zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilte worden. Der zuständige Richter am Landgericht Gera, Berndt Neidhardt, sagte, nach der Aussage des Opfers bei der Polizei habe die Kammer keinen Zweifel daran, dass es die Wahrheit gesagt hat.

Der Angeklagte soll seine Enkelin in weit über 100 Fällen sexuell missbraucht haben. Die heute 16-Jährige hatte ihre Aussage vor Gericht unter Tränen abgebrochen, daraufhin hatte sich das Gericht das Video der Befragung angesehen. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten eine Freiheitsstrafe von elf Jahren gefordert, der Verteidiger sechs bis sieben Jahre.

Gericht geht von 73 Übergriffen aus

Das Gebäude des Justizzentrums in Gera.
Justizzentrum in Gera Bildrechte: dpa

Insgesamt sah das Gericht den Missbrauch in 73 Fällen als erwiesen an. In der Anklage war ursprünglich von 161 Fällen ausgegangen worden. Staatsanwältin Sylvia Reuter nannte in ihrem Plädoyer 147 Fälle, weil sie Zweifel daran hatte, dass sich das Mädchen an den Zeitpunkt der ersten Taten richtig erinnerte.

Der Missbrauch soll sich vom April 2010 bis zum Oktober 2016 zugetragen haben. In diesem Zeitraum habe sich das Mädchen etwa alle zwei Wochen bei seinem Großvater aufgehalten. Da die Kammer nicht davon ausgehen konnte, dass es tatsächlich bei jedem Besuch zu Übergriffen kam, seien die 73 Taten übrig geblieben, sagte der Richter.

Richter: Angeklagter nicht glaubwürdig

Die Angaben des Angeklagten, wonach die Enkelin ihn zu sexuellen Handlungen aufgefordert habe, seien nicht glaubwürdig, so Richter Neidhardt. Der Deutsche habe sich über lange Zeit an dem Kind vergangen, worunter das Opfer noch heute leide.

Die Tatsache, dass es zunächst gern bei ihm zu Besuch war, später aber die Fahrten zu ihm vermeiden wollte, sei ein Hinweis darauf, dass tatsächlich etwas geschehen sei. Die Angaben des Angeklagten, er sei selbst Opfer sexueller Übergriffe des Mädchens gewesen, seien "hanebüchen". Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. Februar 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 19:11 Uhr

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