Wie stehen die Chancen? Gera buhlt um neues Mobilitätszentrum des Bundes

500 Millionen Euro will Verkehrsminister Andreas Scheuer in ein Forschungszentrum für Verkehr stecken. Ansiedeln will er es in München, was auf Widerstand stößt. Auch Gera bekundet Interesse. Wie stehen die Chancen?

500 Millionen Euro will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in die Forschung stecken. Genauer gesagt in ein Forschungszentrum für Verkehr. In München soll das sogenannte Mobilitätszentrum entstehen. Der Plan sorgte bundesweit für Aufsehen und Diskussionen. Denn Potential für ein solches Zentrum liegt nicht nur in Bayern.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund hat nun Gera als möglichen Standort ins Spiel gebracht und hat gemeinsam mit Oberbürgermeister Julian Vonarb eine Interessensbekundung abgegeben. In einem Brief an den Bundesverkehrsminister listeten sie all die Vorteile auf, die Gera zu bieten hat - und das sind einige.

Selbstfahrender Bus in Gera

Ganz besonders punkten kann Ostthüringen im Bereich mobile Zukunft. 2018 haben die Duale Hochschule Gera-Eisenach, die Stadt Gera und die Fischer Academy ein Kompetenzzentrum für Autonomes Fahren gegründet. Ein erster Meilenstein: der selbstfahrende Bus. Im vorigen Jahr wurde er in Gera vorgestellt. Wo und wie der Einsatz solcher kleiner Selbst-Fahrzeuge Sinn macht, das erforscht aktuell die Duale Hochschule.

Julian Vonarb (parteilos), Oberbürgermeister von Gera, gibt bei einem Pressetermin ein Interview.
Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb. Bildrechte: dpa

Das Land hat dafür 80.000 Euro zur Verfügung gestellt - für Routenplanung, Streckenzulassung, Inbetriebnahme, Nutzerbefragung. Zum Jahresende wird in Gera die erste Pilotstrecke des Busses in Betrieb genommen - voraussichtlich im Stadtteil Gera-Lusan. Er soll zum Beispiel die Lücke schließen zwischen Straßenbahnhaltestelle und Wohnblock. Eine Strecke, die vor allem für ältere Menschen beschwerlich sein kann - und sie so mobiler hält. Hier arbeiten die Akteure mit der Wohnungsgesellschaft TAG zusammen.

Roboter bringen Einkäufe zur Haustür

Professor Jürgen Müller von der Dualen Hochschule Gera-Eisenach denkt weiter: Was wäre, wenn mit selbstfahrender Liefertechnik auch Einkäufe zur Haustür gebracht werden könnten? "Bei moderner Logistik geht's darum, dass nicht mehr die Fahrer Dinge vor Ort bringen. Sondern gesteuerte Roboter." Diese Idee will er mit seinen Studenten im nächsten Semester hier in Gera realisieren.

Professor Jürgen Müller nimmt an eine Videokonferenz teil
Jürgen Müller während einer digitalen Lehrveranstaltung Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Immerhin gibt es an der Hochschule Gera-Eisenach einen der größten Informatikstudiengänge Thüringens. Programmier-Kompetenz, die es zu nutzen gilt. Ähnliche Roboter werden aktuell zum Beispiel auch schon in Hamburg getestet - dort vorerst für das Ausliefern von Pizza. Sofort fällt Professor Müller der Begriff "Lieblingsladen. Gera" ein - eine neue Internet-Plattform der Stadt, auf der sich Läden der Region präsentieren. Online dort bestellt, die Roboter bringen die Ware zu mir nach Hause.

Gebündelt werden könnten Ideen im neuen Projekt "SmartCity" Gera - einem bundesweiten Projekt, dem Gera seit 2020 angehört. In Arbeitsgemeinschaften werden unter anderem smarte Ideen rund um Verkehrsanbindung, nachhaltiges Wohnen, innovative Arbeitsformen entwickelt.

Ganz wichtig ist, dass wir die Menschen mitnehmen, dass mit Mobilitätszentrum nicht nur die Mobilität im Fahren gemeint ist, sondern auch digitale Mobilität, also alle Facetten, die Mobilität heute widerspiegeln.

Julian Vonarb (pl), Oberbürgermeister Gera

Keramische Batterien aus Hermsdorf

 Natrium-Nickel-Chlorid-Batterie
In Hermsdorf wird an innovativen Batterien gearbeitet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Reihe von Transferprojekten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind hier in Ostthüringen möglich. So arbeitet das Fraunhofer Institut Hermsdorf an umweltfreundlichen keramischen Batterien: auch für Elektromotoren. Die Bahn will schon bald auf der Strecke der Schwarzatalbahn Züge einsetzen, die mit Wasserstoff-Brennzellen angetrieben werden.

An zwei Orten im Altenburger Land soll demnächst die Zeitung per Drohne zugestellt werden. Das VW-Werk im benachbarten Westsachsen ist seit November die erste E-Autofabrik Deutschlands. Wissenschaft lebensnah für die Menschen nutzbar machen - ob in der Warenzustellung, digitaler Mobilität oder neuen Transportmitteln; die Macher und Forscher in Ostthüringen sind schon lange in der mobilen Zukunft unterwegs.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. Juni 2020 | 19:00 Uhr

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