Waldklinikum Gera Wegen Corona-Pandemie: Adipositas-Patienten mussten auf Behandlungen warten

Sie möchten die Gesundmacher sein, können heute auch vielen Menschen helfen, für die das früher undenkbar war. Und doch mussten die Ärzte in Gera ausgerechnet im 100. Jahre ihrer erfolgreichen Krankenhaus-Geschichte Hunderten Patienten sagen: Wir können Ihnen jetzt nicht helfen…

Prof. Dr. Christine Stroh sieht noch einmal ihren Kalender durch: Von Januar 2020 bis weit ins Jahr hinein drängen sich Termine. Kongresse mit Forschern sind eingetragen. Weiterbildungen. Patientengespräche. OP-Termine. Aber alle diese Vormerkungen sind plötzlich nicht mehr zu halten. Seit Mitte März musste die Chefärztin immer wieder Patienten klar machen: Wir können Ihnen jetzt nicht helfen!

Jüngste Fachklinik verhilft krankhaft Übergewichtigen zu mehr Lebensfreude

So etwas hat die gestandene und auch international bekannte Professorin noch nicht erlebt. Mit ihrem Team hilft sie Menschen, die an krankhaftem Übergewicht leiden, an Adipositas - einer oft noch unterschätzten Krankheit. An die 2.000 solcher Patienten im Jahr behandelt die jüngste Fachklinik in Gera normalerweise. Jeder Zehnte wird gegen das Übergewicht operiert. Bevor es soweit ist, haben die Patienten schon einen langen Leidens- und Behandlungsweg hinter sich.

Chefärztin Prof. Dr. Christine Stroh und Patientin Simone Neidel
Chefärztin Prof. Dr. Christine Stroh und ihre Patientin Simone Neidel Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Simone Neidel, eine Patientin aus Sachsen, hat erlebt, wie Adipositas weitere Krankheiten auslöst und an der Lebenslust nagt. 30 Jahre lang hat sie dagegen angekämpft, immer wieder zuzunehmen. Dann hat sie sich in Gera am Magen operieren lassen. Doch die Behandlung ist damit nicht zu Ende. "Adipositas-Patienten brauchen Nachsorge, so wie Patienten nach Herzinfarkten oder Schlaganfall", sagt Christine Stroh.

Corona-Pandemie verändert Alltag wie nie zuvor in 100 Krankenhaus-Jahren

Mit extremen Situationen umzugehen, das gehörte immer zum Alltag für die Mitarbeiter des Krankenhauses, an dem im April 1920 die ersten Patienten behandelt wurden. Doch das Virus SARS-CoV-2 löste aus, was es zuvor noch nie gab: Alle planbaren Operationen mussten abgesagt werden. Der Ärztliche Direktor - ein Unfall- und Handchirurg - wurde über Nacht zum Leiter eines Krisenstabes, der die Notfallversorgung von Patienten genauso organisieren musste wie die pandemiegerechte Organisation im Krankenhausbetrieb. Zwei komplette Stationen wurden geschlossen und umfunktioniert für die Behandlung von Corona-Patienten. Und recht schnell merkten die Mediziner, dass aus Verunsicherung auch Patienten das Krankenhaus mieden, die eine Akutbehandlung nötig hatten.

Prof. Dr. Christine Stroh und ihr Team im OP
Prof. Dr. Christine Stroh und ihr Team im OP Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Krankenhaus kehrt mit Vorsicht in den Normalbetrieb zurück

Noch immer gibt es Beschränkungen für Patienten und ihre Besucher auf den Stationen. Doch die Fachabteilungen bieten schrittweise ihr volles Spektrum an Untersuchungen und Behandlungen wieder an. Auch die Adipositas-Klinik. In der Corona-Krise konnte das Geraer Krankenhaus mit der Krankenkasse AOK plus vereinbaren, dass ein Langzeit-Programm zur Behandlung von Adipositas-Patienten fortgeführt wird.

Davon profitiert auch Patientin Simone Neidel. Für sie hat die Chefärztin jetzt einen nächsten Kontrolltermin ansetzen können - im September, ein Jahr nach ihrer Adipositas-OP.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 11. August 2020 | 21:00 Uhr

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