Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
Bis Anfang Juni hat die Micon M 1500-600 24 Jahre lang Strom produziert. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Handeln und recyceln Gebrauchte Einzelteile aus alten Windrädern sind international gefragt

In Pölzig wurden in diesem Frühjahr zwei kleine Anlagen vom Typ Micon aus dem Jahr 1995 abgebaut. Jede davon hatte eine Leistung von 600 kW. An ihrer Stelle ging Ende Juni ein modernes Windrad ans Netz, das dreimal so viel Strom produzieren kann wie die beiden alten zusammen. Repowering heißt dieses Vorgehen.

von Loréne Gensel

Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
Bis Anfang Juni hat die Micon M 1500-600 24 Jahre lang Strom produziert. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Weiterlaufen lassen oder abbauen - diese Frage müssen sich immer mehr Betreiber älterer Windräder stellen. Ende 2020 läuft für viele die Förderung aus. Im Windpark Pölzig II nördlich von Gera hat sich zum Beispiel die Firma VSB aus Dresden für Repowering entschieden. So heißt es in der Fachsprache der Windenergie-Branche, wenn größere Windräder am gleichen Standort die alten, kleinen ersetzen. Auf diese Weise kann an den Standorten der alten Windräder mit neuen, modernen Anlagen viel mehr Strom produziert werden.

In Pölzig wurden in diesem Frühjahr zwei kleine Anlagen vom Typ Micon aus dem Jahr 1995 abgebaut. Jede davon hatte eine Leistung von 600 kW. An ihrer Stelle ging Ende Juni ein modernes Windrad ans Netz, das dreimal so viel Strom produzieren kann wie die beiden alten zusammen. Doch was passiert mit den alten Windrädern? In Pölzig hat die Firma Wind Nielsen aus Süderlügum (in Schleswig-Holstein) nahe der deutsch-dänischen Grenze die beiden Anlagen der ersten Generation in ihre Einzelteile zerlegt und abtransportiert. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert.

Der Zeitpunkt, an dem die Förderung ausläuft, rückt immer näher. Und damit steigt die Zahl der Anfragen an uns.

Dirk Nielsen Geschäftsführer Wind Nielsen

Der Abbau eines 65 Meter hohen Windrades wie in Pölzig dauert knapp einen Tag. Der Rotorstern wird dabei im Ganzen an den Kran angehängt und dann am Boden zerlegt. Anschließend nimmt das Kran-Team das Maschinenhaus von der Turmspitze herunter und verlädt es auf einen Lkw. Die Turmteile sind dann schnell demontiert.

Interessenten gibt es bis nach Kasachstan

"Teile aus der Anlagensteuerung, Generatoren, Getriebe und Hauptwellen von alten Windrädern lassen sich ganz gut weiterverkaufen. Ins Ausland schon seit Längerem, inzwischen aber auch innerhalb von Deutschland." sagt der Geschäftsführer von Wind Nielsen. "Viele Betreiber älterer Anlagen wissen nicht, wie lange die Windräder noch laufen können. Da investieren sie lieber in günstige gebrauchte Ersatzteile als in nagelneue." Außerdem, so Nielsen, seien von einigen Anlagentypen fabrikneue Ersatzteile gar nicht mehr im Angebot oder die Lieferzeiten ziemlich lang. Der Markt für gebrauchte Teile von Windrädern ist international. Nielsen verkauft sie regelmäßig zum Beispiel nach Polen, Bulgarien, Italien und sogar bis nach Kasachstan. Die Teile, die gehandelt werden, kennt Nielsen bis ins kleinste Detail. Seine Firma hat die Windräder, die jetzt in Pölzig abgebaut wurden, 1995 auch aufgebaut.

Rotorblätter werden recycelt

Auch einzelne Rotorblätter könne er hin und wieder weiterverkaufen, so Nielsen. Etwa dann, wenn irgendwo durch einen Blitzschlag ein Schaden entstanden sei. Die meisten allerdings würden recycelt. Nielsen arbeitet dafür mit einem Betonhersteller zusammen. "Die Rotorblätter, die ja aus Glasfasern bestehen, werden geschreddert und anschließend mit Papier vermengt. Dieses Gemisch wird im Betonwerk verbrannt. Die Abwärme aus diesem Prozess wird im Betonwerk für die Produktion genutzt. Und die Schlacke, die dann entsteht, wird als Recycling-Material mit in den Beton eingearbeitet." sagt der Firmenchef.

Fundamente müssen komplett entfernt werden

Die Turmteile und andere Komponenten aus Stahl, auf die kein zweites Leben wartet, werden eingeschmolzen. Und dann ist ja da noch das Fundament. Andrea Aschemeyer, Bauleiterin beim einstigen Betreiber VSB, versichert: Das Fundament wird vollständig aus dem Boden entfernt. In Pölzig ging der Auftrag dafür an eine Firma aus der Region. "Und danach wird die Fundament-Grube wieder gefüllt mit dem Material, was da auf dem Fundament ausgelagert worden ist. Anschließend wird Mutterboden aufgedeckt. Das Ziel ist, dass hier anschließend alles so aussieht, als ob hier nie irgendwas gestanden hat. Und das wird es auch." versichert Andrea Aschemeyer. Dazu sind die einstigen Betreiber der Windräder in der Regel vertraglich verpflichtet.

Thüringen

Alternative Energien Großer Umbau im Windpark Pölzig

Im Windpark Pölzig II nördlich von Gera werden zwei kleinere Windräder durch eine größere, leistungsstärkere Anlage ersetzt. In der Galerie sehen Sie den kompletten Abbau.

Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
Im Windpark Pölzig II nördlich von Gera ersetzt ein 234 Meter hohes Windrad künftig zwei kleine Anlagen der ersten Generation aus den 90er-Jahren. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
Im Windpark Pölzig II nördlich von Gera ersetzt ein 234 Meter hohes Windrad künftig zwei kleine Anlagen der ersten Generation aus den 90er-Jahren. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
Hat die gesamte Aktion im Blick: Andrea Aschemeyer, Bauleiterin der Firma VSB im Windpark Pölzig. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
Die letzten Minuten sind gezählt: Bis zum Abbau Anfang Juni hat die Micon M 1500-600 24 Jahre lang Strom produziert. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
In 46 Metern Höhe schraubt das Kran-Team von "Wind Nielsen" den Rotorstern ab. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
Der Rotorstern schwebt am Haken. Mitarbeiter stabilisieren ihn mit Seilen, sodass er nicht hin- und herschwingen kann. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
Der Abbau ist einfacher als der Aufbau: Bei kleinen Windrädern kann der Rotorstern in einem Stück abgenommen werden. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
Fast wie bei den Heimwerkern: Am Boden wird der Rotorstern mit Hilfe eines Spezial-Winkelschleifers in seine Einzelteile zerlegt. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
Das Maschinenhaus mit dem Generator und dem Getriebe wird nach Norddeutschland transportiert. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
Der Abbau des Turms ist vergleichsweise unkompliziert. Die Stahlröhren werden anschließend verschrottet. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Abbau von Windrädern im Windpark Pölzig.
In einer Lagerhalle der Firma "Wind Nielsen" in Süderlügum in Schleswig-Holstein warten die Maschinenhäuser der beiden in Pölzig abgebauten Anlagen auf Käufer. Bildrechte: Dirk Prahl/Wind Nielsen GmbH
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 10. Juli 2019 | 20:45 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 10. Juli 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2019, 18:45 Uhr

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2 Kommentare

11.07.2019 12:57 martin 2

@1 part: Bauen die Japaner in nennenswertem Umfang Vertikalrotoren (auch in größeren Leistungsklassen) - oder welcher Weg wird dort beschritten? Mir ist nur die Steigerung im Bereich der Offshore-Parks bekannt.

Da keine Links gesetzt werden dürfen, wäre ich für geeignete Suchmaschinenstichworte zu dem Thema dankbar.

10.07.2019 23:02 part 1

Was bei Flugzeug- und Autoersatzteilen seit Jahren schon Usus ist gilt natürlich auch für Modelle von WKA mit schlechtem Wirkungsgrad aber mit Standartisierung. Am Bedenklichsten halte ich die Rotoren aus Glasfaserkunststoff, der nicht gerade für eine Dauerbelastung ausgelegt ist aber eben im Formenbau die billigste Variante darstellt. In Japan geht man andere Wege, wegen der vielen Taifune, die dortigen Anlagen sind kleiner, anders konstruiert und sie arbeiten noch bei extremen Windstärken, die auch uns irgenwann ereilen können. Konzerne, auch Kleinkonzerne denken aber manchmal nicht rational sondern nur für schnelle Renditererhöhung am Casinomarkt der Wettgeschäfte, Nachhaltigkeit, auch zum Nutzen für das eigene Unternehmen, wird dabei gern vernachlässigt.

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