Eine Straße, an der mehrere Häuser stehen wird gebaut. Anwohner in Mildenfurth haben den Zweckverband Wasser/Abwasser Mittleres Elstertal verklagt. Er baut hier neue Pumpen.
Blick in die Weidaer Straße in Mildenfurth: Dort werden gerade Abwasserleitungen verlegt. Jedes Haus soll eine eigene Abwasserpumpstation bekommen. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Zweckverband vor Gericht Anwohner wehren sich gegen Pumpenirrsinn in Mildenfurth

Der Zweckverband Wasser/Abwasser Mittleres Elstertal will im Wünschendorfer Ortsteil Mildenfurth die Wasseranschlüsse erneuern. Grundsätzlich dagegen hat keiner der Hauseigentümer etwas - nur die Art und Weise ruft sie auf die Barrikaden. Denn statt zwei zentraler Pumpenstationen am oberen und unteren Ende der Weidaer Straße soll auf jedem Grundstück eine Abwasserpumpe aufgestellt werden. Insgesamt 42 Stück. Am Mittwoch wird der Fall vor dem Verwaltungsgericht in Gera verhandelt.

von Franziska Heymann

Eine Straße, an der mehrere Häuser stehen wird gebaut. Anwohner in Mildenfurth haben den Zweckverband Wasser/Abwasser Mittleres Elstertal verklagt. Er baut hier neue Pumpen.
Blick in die Weidaer Straße in Mildenfurth: Dort werden gerade Abwasserleitungen verlegt. Jedes Haus soll eine eigene Abwasserpumpstation bekommen. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Die Bagger schaufeln unbeirrt Erde von links nach rechts, Stück für Stück versinkt die Wasserleitung im Erdreich. Lothar Pfennig, René Liebold und Peter Richter marschieren die Straße entlang und können über die Pläne des Zweckverbandes Mittleres Elstertal nur den Kopf schütteln. 42 Abwasserpumpstationen, eine auf jedem Grundstück, das klingt für sie und die restlichen Anwohner nach Irrsinn. Als Bürgerinitiative wehren sie sich gegen die Bauarbeiten. Am Mittwoch beschäftigt sich sogar das Verwaltungsgericht in Gera mit dem Fall.

Seit Mitte Mai verlegt der Zweckverband Wasser/Abwasser Mittleres Elstertal eine sogenannte Druckentwässerungsleitung. Über die soll das Abwasser von der zentralen Pumpstation im Wünschendorfer Zentrum in die Kläranlage Weida laufen. Im Ortsteil Mildenfurth steigt die Straße an. Damit die Abwässer aus Klospülung, Geschirrspüler und Waschmaschine die 20 bis 30 Höhenmeter schaffen, ist eben Druck nötig. Weil die Hauptleitung unterwegs nicht angezapft werden soll, verlegt der Zweckverband in Mildenfurth eine zweite schmalere Leitung. Die soll in der Weidaer Straße und rund ums Kloster Mildenfurth insgesamt 42 Mal angebohrt werden: Über die Nebenleitung landen dann auch die Abwässer aus den 42 Grundstücken in der Druckentwässerungsleitung und machen sich auf den Weg Richtung Klärwerk. Damit das alles mit dem entsprechenden Druck geschieht, braucht jedes Haus eine eigene Pumpstation.

Bürger sollen zahlen

Mehrere Abwasserkanäle liegen nebeneinander auf einer Wiese.
Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Der Zweckverband baut in Mildenfurth für gut 1,3 Millionen Euro. Allein die Abwasserleitungen kosten laut Bürgerinitiative mehr als 300.000 Euro - den Großteil davon tragen aber die Anwohner. Denn sie müssen privat für die Pumpstationen aufkommen. Pro Grundstück kommen da mit Pumpe, Anschlüssen und Erdarbeiten schnell 10.000 Euro zusammen. Aktuell werden die Abwässer aus den Kläranlagen der Häuser bergab in die Weiße Elster geleitet. Dass die Anlagen zum Großteil nicht mehr modern sind und dass etwas passieren müsse, das leuchte den Anwohnern ein, sagt René Liebold. Die komplizierte Bauweise des Zweckverbandes stößt bei ihm wie auch seinen Mitstreitern auf Unverständnis. Sie schlagen vor, die Abwässer über eine Freispiegelentwässerung künftig bergab zu leiten und dort zu sammeln. Der Zweckverband soll am unteren und oberen Ende der Straße eine zentrale Pumpstation bauen und das Abwasser mit nur EINER größeren Pumpe über die Druckentwässerungsleitung nach oben pumpen. So war es ursprünglich auch mal geplant, der Zweckverband will davon aber nichts mehr wissen.

Zweckverband rechnet mit Zuspruch vor Gericht

Laut Zweckverband wurden vier technische Alternativen untersucht. Im Ergebnis hebt sich das Errichten einer Druckentwässerung mit Zuführung des Abwassers über private Hebeanlagen als wirtschaftlichste Investitionsvariante deutlich ab, teilte der Verband MDR THÜRINGEN mit. Er rechnet damit, dass seine Entscheidung auch vor Gericht besteht. Die Anwältin der Bürgerinitiative, Annette Steuber, befürchtet das auch - kann sich der Zweckverband doch häufig auf das sogenannte "Planungsermessen" berufen. Allerdings hat sie eigenen Angaben zufolge noch ein paar Trümpfe in der Hand. Steuber hat sich das Abwasserbeseitigungskonzept des Zweckverbandes genau angeschaut: "In diesem Abwasserbeseitigungskonzept mit Stand 2015 steht nach wie vor drin, dass sich nicht etwa jeder einzelne Bürger über eine einzelne Pumpstation auf seinem Grundstück anschließen lassen muss. Sondern im Konzept stehen zwei zentrale Pumpstationen für diese beiden Straßen." Ihrer Ansicht nach hat sich die Verwaltung des Zweckverbandes über die Verbandsversammlung hinweggesetzt, die das Konzept verabschiedet hatte. Dazu kommt ein Schreiben von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Greiz. "Das hat dem Zweckverband schon 2015 mitgeteilt, er möge doch bitte endlich seine Aufgabe der Abwasserentsorgung im Ortsteil Mildenfurth wahrnehmen und das nicht immer den Bürgern überlassen", zitiert die Anwältin.

Laut Steubner macht der Verband nun genau das Gegenteil und das belegt auch ein Gutachten: Durch die Pumpstationen übernehmen die Hauseigentümer die Verantwortung für die Abwasserentsorgung zum großen Teil selbst. Sie müssen die Pumpen selbst bauen lassen und jährlich warten, haben neben den zu entrichtenden Anschlusskosten hohe Baukosten; darüber hinaus sind die vielen Einzelsysteme störanfällig. Der Gutachter der Bürgerinitiative stellte außerdem fest, dass der Zweckverband die Alternativen gar nicht ausreichend geprüft hat. Die Bewohner von Mildenfurth hoffen nun, dass am Mittwoch das Verwaltungsgericht Gera dem Zweckverband Einhalt gebietet. Während sie sich am Vormittag im Gerichtssaal versammeln, werden vor ihren Häusern fleißig weiter die Leitungen verlegt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 11. Juli 2018 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2018, 10:57 Uhr

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6 Kommentare

13.07.2018 08:08 Möwe 6

Wann werden dieses "Zweckverbände" endlich an die Leine gelegt? Kalte Enteignung nennt man das. Wurden günstigere Alternativen geprüft?

12.07.2018 22:24 Thüringer Original 5

Sehr geehrter Herr Kleindienst,
den bereits im Landtag diskutierten Entwurf des neuen Thüringer Wassergesetz können Sie auch online einsehen. Drucksache 6/5692 parldok Thüringen. Darin ist es nicht vorgesehen, dass die Zweckverbände die Kleinkläranlagen errichten und betreiben müssen.

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