Die Innenstadt von Greiz (Thüringen) mit der Friedensbrücke ist am 03.06.2013 überflutet.
Damit Greiz nicht mehr überflutet wird, wie im Jahr 2013, soll ein Kanal gebaut werden. Bildrechte: dpa

Jahrhundertprojekt Flutkanal soll Innenstadt von Greiz schützen

Es ist genau fünf Jahre her, da hatten die Menschen in Greiz den Kampf gegen das Wasser verloren. Die Altstadt und die Neustadt, der Historische Greizer Park, Unteres Schloss und Sommerpalais - alles stand unter Wasser. Um ein Hochwasser wie 2013 künftig zu verhindern, wird seit einem Jahr an einem Flutkanal geplant - mitten durch die Stadt.

von Franziska Heymann

Die Innenstadt von Greiz (Thüringen) mit der Friedensbrücke ist am 03.06.2013 überflutet.
Damit Greiz nicht mehr überflutet wird, wie im Jahr 2013, soll ein Kanal gebaut werden. Bildrechte: dpa

Es ist ein Projekt, das die Greizer Innenstadt verändern wird. So viel steht fest. Etwa zwei Kilometer lang, bis zu zehn Meter breit und fünf Meter tief soll der Flutkanal werden, an dem sich Planer und Ingenieure derzeit den Kopf zerbrechen. Der Flutkanal soll von der Fußgängerbrücke am Elsterplatz durch die Greizer Neustadt parallel zu den Bahnschienen führen und auf Höhe des Greizer Parkes wieder in die Weiße Elster münden.

Berechnungen haben ergeben, dass so etwa ein Drittel des Hochwassers von 2013 aus der Greizer Innenstadt herausgehalten werden könnte. Doch bis es soweit ist, müssen die Greizer auf niedrige Pegelstände hoffen. "Wir rechnen nicht damit, dass wir vor 2024 oder 2025 den ersten Spatenstich machen", sagte Frank Schirmer von der Thüringer Landgesellschaft MDR THÜRINGEN.

Grafik: Flutkanal in Greiz
Der geplante Flutgraben (dunkelblau) durch Greiz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Grund für die lange Vorlaufzeit sind die umfangreichen Planungen. Laut Schirmer stellte sich 2015 heraus, dass die damaligen Pläne zum Hochwasserschutz für Greiz nicht ausreichen würden. Eine Herausforderung dabei sind die zahlreichen denkmalgeschützten Gebäude wie das Sommerpalais oder das Untere Schloss, aber auch der Historische Greizer Park. "Der Kanal ist die wirksamste Lösung, die Eingriffe in die Stadt zu minimieren", so Schirmer. Und trotz der derzeit veranschlagten 25 Millionen Euro Baukosten wirtschaftlich vertretbar.

Kleingartenanlage muss weichen

Die Alternative, eine mannshohe Mauer entlang der Weißen Elster, wurde in einer früheren Planungsphase verworfen. Seit einem Jahr wird an dem Projekt Flutkanal intensiv gearbeitet. Die Thüringer Landgesellschaft als Bauherr muss sich mit Behörden abstimmen, es wurden Böden untersucht und das Stadtgebiet vermessen. Laut Schirmer wurden 14 Messstellen eingerichtet, um den Grundwasserspiegel zu überwachen. In dem geplanten Korridor für den Flutkanal darf derzeit nichts ohne Rücksprache mit der Landgesellschaft verändert werden.

Grafik: Kanal-Querschnitt
Bis zu zehn Meter tief wird der Kanal sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Herausforderung ist der Trassenverlauf der Bahngleise. "Die Bahn hat sich gewünscht, dass an Höhe und Lage der Gleise nichts verändert wird. Nach aktuellem Stand kriegen wir das hin", erklärt Schirmer. Allerdings müsste es auch mit der Deutschen Bahn weitere Abstimmungen geben. Weniger Glück haben die Kleingärtner am Elsterplatz. Dort soll der Flutkanal von der Weißen Elster abzweigen. Mit ihnen wurde bereits gesprochen: Sie werden entschädigt und müssen zum Ende dieses Jahres ihre Gärten aufgeben.

Neben dem Flutkanal werden laut Schirmer für rund fünf Millionen Euro bestehende Hochwasserschutzanlagen modernisiert. Bereits abgeschlossen sind in Greiz die Hochwasserschutz-Arbeiten am Aubach und am Quirlabach. Die Bäche hatten sich beim Hochwasser 2013 in reißende Ströme verwandelt und erheblichen Schaden angerichtet.

Luftbilder vom Hochwasser in Ostthüringen 2013

In Ostthüringen waren im Juni 2013 große Flächen vom Hochwasser überflutet, vor allem entlang der Saale und der Weißen Elster. Sehen Sie hier Luftaufnahmen u.a. von Jena, Gera, Greiz und dem Altenburger Land.

Blick auf die vom Hochwasser überschwemmte Stadt Jena. Zu sehen sind unter anderem das Ernst-Abbe-Sportfeld, das völlig unter Wasser steht.
Blick auf Jena. Das Areal des Ernst-Abbe-Sportfeldes ist überflutet. Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Blick auf die vom Hochwasser überschwemmte Stadt Jena. Zu sehen sind unter anderem das Ernst-Abbe-Sportfeld, das völlig unter Wasser steht.
Blick auf Jena. Das Areal des Ernst-Abbe-Sportfeldes ist überflutet. Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Blick auf den Norden von Jena. Weite Teile des Areals sind von Hochwasser überschwemmt.
Im Norden von Jena Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Blick auf das vom Hochwasser der Weißen Elster überschwemmte Elstertal in Ostthüringen.
Das Tal der Weißen Elster Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Luftbild des Ortes Caaschwitz bei Bad Köstritz. Die am Ort entlang fließende Weiße Elster ist deutlich über die Ufer getreten.
Caaschwitz an der Weißen Elster Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Luftbild des von Hochwasser überschwemmten Ortes Caaschwitz in Thüringen. Ein Wohngebiet und ein einzeln stehender Wohnblock sind völlig vom Wasser eingeschlossen.
Caaschwitz an der Weißen Elster Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Luftbild des von Hochwasser überschwemmten Ortes Caaschwitz in Thüringen. Der Ort ist nahezu vollständig von Wasser umschlossen.
Die Hochwasser führende Weiße Elster Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Luftbild einer von Hochwasser überschwemmten Betriebsanlage in Caaschwitz in Thüringen.
Caaschwitz an der Weißen Elster Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Blick auf den von Hochwasser überschwemmten Hofwiesenpark in Gera. Eine Sportanlage und weitere Anlagen sind vom Wasser überschwemmt.
Der Hofwiesenpark in Gera Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Blick auf Gera und den Hochwasser führenden Fluss Weiße Elster. Zu sehen sind mehrere schlossähnliche Bauten, darunter das Otto-Dix-Museum.
Am Hofwiesenpark in Gera Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Blick auf Gera und den Hochwasser führenden Fluss Weiße Elster.
Gera Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Luftbild einer von Hochwasser großflächig überschwemmten Landschaft im Altenburger Land
Im Altenburger Land Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Luftbild eines großen Sees, der durch Hochwasser entstanden ist. Am rechten Rand ist ein Wehr, durch das Wasser in großen Mengen in einen Fluss abfließt.
Im Altenburger Land Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Blick von oben auf eine von Hochwasser überschwemmte Landschaft. In der Bildmitte ist eine überschwemmte Ortschaft.
Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Blick auf die von Hochwasser heimgesuchte Stadt Greiz in Thüringen.
Greiz Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Der Hochwasser führende Fluss Weiße Elster fließt durch die Greizer Innenstadt.
Die Hochwasser führende Weiße Elster in Greiz Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Ein Teil der Greizer Innenstadt ist von Hochwasser der Weißen Elster überschwemmt.
Innenstadt von Greiz Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach
Alle (19) Bilder anzeigen

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 03. Juni 2018 | 18:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2018, 15:07 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Mehr aus der Region Gera - Altenburg - Greiz

Mehr aus Thüringen