Gesundheitswesen Ministerium drohte mit Bußgeld: Notaufnahme in Schleiz wieder geöffnet

Weil der einzige Fachmann im Urlaub ist, hatte das Krankenhaus Schleiz am Freitag seine Notaufnahme vorübergehend teilweise geschlossen. So geht das aber nicht, hieß es daraufhin aus dem Thüringer Gesundheitsministerium.

Ein Wegweiser mit der Aufschrift Radiologie etc zeigt auf ein helles Gebäude mit vielen Fenstern
Das Krankenhaus in Schleiz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Notaufnahme im Krankenhaus in Schleiz ist seit Mittwochmorgen wieder ohne Einschränkungen geöffnet. Das teilte das Landratsamt in Greiz mit. Den Regelbetrieb würden ab sofort zwei andere Ärzte sicherstellen. Der langjährige Chefarzt des Krankenhauses werde außerdem vom 17. bis 24. August die chirurgische Abteilung übernehmen.

Das Thüringer Gesundheitsministerium hatte am Dienstag vom Krankenhaus zur vorübergehenden Schließung der Stationen eine Stellungnahme gefordert und mit bis zu 100.000 Euro Bußgeld gedroht.

Krankenhaus zur Versorgung verpflichtet

Laut Ministerium ist das Krankenhaus verpflichtet, Notfallpatienten zu versorgen, auch wenn es an Mitarbeitern und medizinischer Ausstattung fehlt. Das lege Paragraf 18 des Thüringer Krankenhausgesetzes fest. In jedem Fall müssten Patienten in dem Krankenhaus erstversorgt und zu anderen Kliniken weitertransportiert werden können. Würden Notfallpatienten nicht versorgt oder abgewiesen, sei das ein Gesetzesverstoß.

Die Geschäftsführung des Krankenhauses in Schleiz hatte den Rettungsdienst am Freitagnachmittag kurzfristig informiert, dass Teile der Notaufnahme zeitweise geschlossen werden müssten, weil die Unfallchirurgie nicht besetzt sei. Der einzige Arzt der Station sei für drei Wochen in Urlaub. Darufhin mussten Notfallpatienten bis nach Gera transportiert werden.

Klinik Schleiz spricht von üblichem Vorgehen

Geschäftsführer Ralf Delker sagte MDR THÜRINGEN am Mittwoch, die Notaufnahme in Schleiz zweitweise für die Rettungsdienste abzumelden, sei nicht leichtfertig oder fahrlässig erfolgt. Das sei ein übliches Vorgehen, wenn durch personelle Engpässe keine adäquate Versorgung für bestimmte Notfälle garantiert werden könne, sagt Delker. In diesem Fall wäre es fahrlässig gewesen, die Notaufnahme nicht abzumelden, so Delker. Die Patienten hätten nicht entsprechend versorgt werden können.

Laut Ralf Delker wurden schwerverletzte Patienten schon jetzt nicht mehr in die Notaufnahme nach Schleiz gebracht. Die Versorgungsstufe der Klinik entspreche lediglich der Grund- und Regelversorgung. Sie genüge nicht den Anforderungen der Schwerverletzten-Behandlung, so Delker. In solchen Fällen bringe der Rettungsdienst die Verletzten in andere Kliniken, die eine höhere Versorgungsstufe aufweisen.

Rettungsdienst übt weiter Kritik

Trotz wieder geöffneter Notaufnahme im Krankenhaus in Schleiz gibt es Kritik von Seiten des Rettungsdienstes. Wie Hartmut Jacobi vom Deutschen Roten Kreuz in Schleiz sagte, sind Notaufnahme und Chirurgie trotzdem zu dünn besetzt, um Unfallopfern mit mittelschweren Verletzungen zu helfen. Nach Ansicht der Sanitäter sind dafür zwei Ärzte pro Schicht nötig.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. August 2020 | 16:00 Uhr

14 Kommentare

Willy November vor 23 Wochen

Die Linksgrüne Landesregierung hat uns die ganze Scheiße eingebrockt und will sich jetzt als Retter inszenieren. Wer kann dieser Sülze noch glauben? Lasst Euch nicht einlullen von dne Ideologen. Ideologie hat noch keinem Kranken geholfen.

Steffen1978 vor 23 Wochen

OB ist parteilos - vllt. sollten nur noch parteilose Verantwortung übernehmen damit das gegenseitig Herumgehacke wegfällt. Rechnen sollten sie schon beherrschen, denn ohne Moos nichts los. Auch wenn es manche nicht begreifen wollen oder können sind heutige GF durch Studium qualifizierte mit solider Ausbildung. Medizinische Grundversorgung ist in Deutschland gesichert. Bei Mehrbedarf, darf [logisch], mehr gezahlt werden.

pepe79 vor 23 Wochen

In Thüringen gab es vor einigen Jahren einmal den Fall eines Kindes mit Meningitis, was überall "abgewimmelt" wurde da keine Betten oder keine Kinderklinik im Haus. Das Kind ist letztendlich verstorben und alle Involvierten Personen wurden richtigerweise verurteilt!
Vlt. sollte man aber auch mal überlegen ob es für Rettungsdienste nicht möglich sein sollte leicht Verletzte ( Armbruch, Fingerbrüche, einfache Schnittwunden, kelinere Tierbisse ect.) den Tag über bei niedergelassenen Kollegen bzw. einem MVZ und nicht nur in einer Notaufnahme vorzustellen.
Notfallpatienten brauchen nicht unbedingt ein freies Bett in einer Klinik, sondern ersteinmal eine Notfallversorgung. Bei dem Kind

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