Ein Mann schaut in einen Computerbildschirm und telefoniert via Video mit einem anderen Mann
Insasse Kevin probiert das Skypen schon mal aus - und hofft fest auf die langfristige Erlaubnis. Bildrechte: MDR/Jörg Pezold

Videotelefonieren Gefängnis Hohenleuben erlaubt Skype für Insassen

Gefangen, aber nicht abgeschnitten: Die Justizvollzugsanstalt Hohenleuben will ihren Insassen den Anschluss ermöglichen - und nutzt zur Resozialisierung jetzt das Videotelefonieren.

von Jörg Pezold

Ein Mann schaut in einen Computerbildschirm und telefoniert via Video mit einem anderen Mann
Insasse Kevin probiert das Skypen schon mal aus - und hofft fest auf die langfristige Erlaubnis. Bildrechte: MDR/Jörg Pezold

Für Andreas Budan ist es ein Stück Resozialisierung. Seit Kurzem erlaubt er seinen Strafgefangenen, aus der JVA Hohenleuben heraus zu Videotelefonieren. Das sei Teil der Vorbereitung auf das Leben nach der Haft, sagt der stellvertretende Anstaltsleiter, und ein weiterer "Baustein der Digitalisierung des Strafvollzugs". Seine Aufsichtsbehörde habe das Vorhaben sehr unterstützt, betont Budan, die Nachfrage der Gefangenen sei allerdings noch verhalten.

Dabei gestattet die Justizvollzugsanstalt ihren Insassen als erste in Thüringen, das Microsoft-Programm "Skype" zu benutzen, den Quasi-Standard für Video-Chats und -konferenzen. Damit ist es ihnen in guter technischer Qualität möglich, sich mit Ton und Bild zu unterhalten. Gefangene dürfen zehn Anschlüsse nennen, unter denen ihre Wunsch-Gesprächspartner zu erreichen sind. Dann werden diese schriftlich informiert, ihre Namen behördlich überprüft und per Skype zum Termin angerufen. So behält die Anstalt die Kontrolle, spielt quasi das "Fräulein vom Amt" und verbindet beide Partner, ohne dass der Gefangene dabei einwirken kann.

Grundsätzlich gilt Vertraulichkeit

Mitgehört werden die Videogespräche grundsätzlich nicht, sagt Budan. Er räumt aber ein, dass seine Beamten "aus Sicherheitsgründen" auch akustisch überwachen können, wenn es notwendig wird. Ansonsten gelte wie bei den normalen Begegnungen im Besucherraum der Haftanstalt Vertraulichkeit, man habe nur stets ein Auge auf den Monitoren, damit sich nicht unbekannte Personen unangemeldet in das Gespräch einmischen.

Ein Mann schaut in einen Computerbildschirm und Videotelefoniert via Skype mit einem anderen Mann
Die Gefängnis-Mitarbeiter haben stets ein Auge drauf. Bildrechte: MDR/Jörg Pezold

Vorerst dürfen "Skype" in Hohenleuben von rund 300 Insassen nur die Gefangenen im geschlossenen und offenen Vollzug nutzen. Untersuchungshäftlinge sind außen vor. Erst nach einer Testphase wird man über eine mögliche Ausweitung entscheiden - und Kollegen in anderen JVAs gerne über die eigenen Erfahrungen berichten, wenn es sie denn gibt. Denn obwohl das Videotelefonieren seit vier Wochen technisch möglich ist, halten sich die Anträge in Grenzen.

Ohnehin gilt das Angebot nur für Gefangene, deren Partner, Freunde und Verwandte nicht selbst nach Hohenleuben zu Besuch kommen können. Sei es, weil ihnen das Geld dafür fehlt, sie krank oder gebrechlich sind, oder weil sie entfernt im Ausland leben. Dann aber sind insgesamt zwei Stunden Gespräch pro Monat möglich, sagt Anstaltsleiter Budan.

Gefängnis musste erst umrüsten

Auch technisch war das Projekt "Skype im Gefängnis" für die JVA-Mitarbeiter eine Herausforderung. Bestehende Datenleitungen durften aus Sicherheits- und Datenschutzgründen nicht genutzt werden, selbst das existierende Mediensystem kam dafür nicht in Frage. So musste eine zusätzliche Leitung gelegt werden, zusätzlich wurden ein Computer, eine Kamera und mehrere Bildschirme angeschafft.

Ein Mann schaut in einen Computerbildschirm und Videotelefoniert via Skype mit einem anderen Mann
Kevin ist momentan einer der wenigen in der JVA, die das Angebot nutzen. Bildrechte: MDR/Jörg Pezold

Technisch außen vor sind die Gefangenen von Hohenleuben ohnehin nicht. Seit einiger Zeit schon können sie über ein "Mediensystem" in allen Hafträumen fernsehen, telefonieren, unter Überwachung E-Mails versenden und auf ausgewählten Internetseiten surfen. Dazu gehören Seiten von Bildungsträgern und der Agentur für Arbeit, aber auch der Onlinekatalog der Stadt- und Kreisbibliothek Greiz. So kommen sie auch an Bücher, mit denen sie sich die Zeit bis zum nächsten Videotelefonat verkürzen können.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 13. November 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2018, 21:00 Uhr

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2 Kommentare

14.11.2018 16:06 martin 2

@1 dmehl: In der Tat - im Vergleich zu Zuchthaus und Steinbruch hat sich das Leben im Knast irgendwie verändert. Vom Hotel (wie manche gern behaupten) ist auch modernen Strafvollzug weit weg.

14.11.2018 07:41 dmehl 1

Heute fragt man sich:
warum heißt es denn eigentlich Haft-Strafe,
müsste es nicht besser Haft-Aufenthalt heißen ?

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