Anonymer Brief Streit um Turmbläser in Ronneburg

Kunst und Trost in den schwierigen Zeiten der Corona-Krise: Diesem Gedanken fühlte sich auch der Posaunenchor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde von Ronneburg verpflichtet. Über sechs Wochen gab er allabendlich ein kostenloses 20-minütigen Konzert auf dem Turm der Marienkirche im Stadtzentrum. Doch dann gab es ein jähes Ende. Nach einem anonymen Brief aus der Nachbarschaft der musikalische Stillstand. Doch seit Donnerstag spielen die Bläser wieder!

Menschen sitzen auf Bänken und Stühlen
Der Himmelfahrts-Gottesdienst im Ronneburger Pfarrgarten wird traditionell vom Posaunenchor begleitet. Bildrechte: MDR/Ullrich Braumann

Gottesdienst am Himmelfahrtstag im Ronneburger Pfarrgarten der evangelisch-lutherischen Kirche. Ganz traditionell wird er begleitet vom Posaunen-Chor. "Freiluft-Gottesdienste gehen fast nur mit einem Posaunen-Chor. Alles andere verschwindet in der Weite", sagte Pastorin Gabriele Schaller MDR THÜRINGEN. Es sei eine große Tradition. Und sie sei froh, dass die vierköpfige Musikergruppe spielte. In der grünen Oase am Kirchplatz 3 lauschten viele Menschen ganz andächtig den Klängen. Tolle Musik, fanden sie.

Proteste gegen "charakterlosen Wisch"

Erleichterung bei den Musikern. Denn ihnen steckt noch der Ärger über einen Brief tief in den Gliedern. Er wurde vor ein paar Tagen in ihren Briefkasten gesteckt und sorgte seitdem für Ärger: Der Brief wurde anonym von Bürgern aus der Nachbarschaft verfasst. "Auf so einen charakterlosen Wisch von Unbekannten reagieren wir nicht", sagte Ronneburgs Bürgermeisterin Krimhild Leutloff (CDU) MDR THÜRINGEN. Das Schreiben sei ein Affront, so Pastorin Schaller. Es richte sich auch gegen die Kultur dieser Stadt, wenn ehrenamtliches Engagement so diskreditiert werde.

Die Textzeilen über die Qualität unseres Spiels ist ehrverletzend, sagte der Chef der Bläsergruppe, Thomas Kuttig. Denn da steht, "dass der Posaunenchor falsch spiele und das Dargebotene Säure für das Trommelfell und quasi Körperverletzung sei". Und in dem anonymen Brief gehe es auch um die Musikstücke, so der Frontmann der Turmbläser gegenüber MDR THÜRINGEN. "Sie wären unpassend."

Vier Personen mit Blasinsturmenten
Den Musikern steckt der Ärger über einen anonymen Brief noch in den Gliedern. Bildrechte: MDR/Ullrich Braumann

Großer Trost in Zeiten der Corona-Krise

Doch die bei den kostenlosen Konzerten dargebotenen Choräle und Volkslieder passen genau in die Zeit. Das findet die Mehrheit der über 5.200 Einwohner von Ronneburg. Sie spendeten großen Tost in der Corona-Krise. Die Bläser würden den Menschen viel Freude bereiten. Und für die Kinder seien die allabendlichen Konzerte ein schöner Abschluss vor dem Zubettgehen gewesen.

Musiker packen wieder ihre Instrumente aus

Und weil der Zuspruch in der Bevölkerung so außerordentlich groß ist, geht es nach der kurzen Unterbrechnung weiter. "Wir werden wieder jeden Mittwochabend unsere Instrumente auspacken", so der Bläserchef Kuttig, "um vom Balkon der St. Marienkirche aus ein Konzert zu geben. Zumal das ja bereits eine 33-jährige Tradition hat!"

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 21. Mai 2020 | 16:30 Uhr

2 Kommentare

kc85 vor 22 Wochen

Haben sie den Artikel überhaupt gelesen? Darin geht es kein Stück weit um Corona, oder wenigstens nur ganz am Rand.

Es geht darum, dass sich offensichtlich ein paar Anwohner von der Musik "belästigt" fühlen und das in anonymen Briefen reklamieren, was eine kurze Pause der Konzerte zur Folge hatte. Allerdings sieht das die Mehrheit der Ronneburger wohl doch anders, weshalb die Konzerte nun wieder aufgenommen werden.

Kein Grund also für sie, den Corona-Wutwichtel zu geben.

sorglos vor 22 Wochen

Es reicht! Die Hysterie und die Panik haben ein Ausmaß erreicht, das krank ist. Es gibt keinen Lebensbereich mehr, der nicht reguliert, verboten, eingeschränkt ist. Was ist an einem Bläserkonzert zu beanstanden? Warum darf in Kirchen nicht gesungen werden? Wann hört dieser "Corona Wahn" auf, der mittlerweile die Gesellschaft spaltet? Wir können so nicht weiter leben. Wir brauchen Musik, Kultur, ein normales Leben. Seit Wochen geht es nur noch um Masken, Abstand, Regeln, Verbote, Bußgelder... Welcher "Wissenschaftler" hat diesen Quatsch mit Aerosolen verbreitet? In Zeiten der Influenza gab es auch Bläserkonzerte, Musik, Kultur (auch ohne 3 Plätze Abstand). Wie lange soll das noch gehen? Medien und Politik haben erreicht, dass unse Leben aus den Fugen ist. Wer hat eigentlich untersucht, ob ein Bläserkonzert die Bläser gegenseitig ansteckt? Ich warte auf die Rücknahme aller Kultur -Beschränkungen, denn Musik, Theater und Kunst sind das Einzige, was die Menschen wieder normalisiert.

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