Lupe und Rotstift über der Zeitungsrubrik Wohnraumvermietungen
Für viele Mieter ist längst nicht nur der Preis entscheidend. Bildrechte: IMAGO

Mieterservice gegen Wohnungsleerstand?

Leerstehende Wohnungen sind vor allem in den ländlichen Gebieten Thüringens inzwischen leider ein normales Bild. Die Mieter können sich dort aussuchen, wo und wie sie wohnen wollen. Und nicht immer ist für sie der Preis entscheidend.

von Kathleen Bernhard

Lupe und Rotstift über der Zeitungsrubrik Wohnraumvermietungen
Für viele Mieter ist längst nicht nur der Preis entscheidend. Bildrechte: IMAGO

Familie Tröger aus Greiz wohnt in einem Wohnungsneubau und zahlt dort über acht Euro warm pro Quadratmeter. Was in Städten wie Jena oder Erfurt fast normal ist, gilt hier schon als hochpreisig. Doch das nehmen die Trögers gern in Kauf. Fahrstuhl, großer Balkon, Fußbodenheizung und ein geräumiges Bad mit ebenerdiger Dusche. All das bedeutet für sie Komfort und Barrierefreiheit. Deshalb die Entscheidung für diese Wohnung in der Greizer Neustadt.

Service und Komfort für Mieter

Schon vor dem Bau hatten sie sich bei der GWG Greiz dafür beworben - ganz bewusst. Denn die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Greiz, kurz GWG, setzt auf Service und Komfort für ihre Mieter und ist damit sehr erfolgreich. Die Mieter können vor dem Bezug weitgehend mitbestimmen: Wohnungszuschnitte, Anzahl und Anordnung der Steckdosen und Ausstattung der Bäder und Böden. Zudem werden die Wohnungen mit mehreren Multimedia-Anschlüssen ausgestattet; gerade für junge Familien ein wichtiger Punkt.

Leerstandsquote in Thüringen

540 Wohnungen gehören der Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Greiz. Gerade mal 3,8 Prozent Leerstand verzeichnet die Genossenschaft. Thüringenweit liegt der Leerstand aller Wohnungsunternehmen bei 8,3 Prozent, so der Verband der Thüringer Wohnungswirtschaft (VTW). Lediglich in Erfurt, Jena und Weimar sank die Leerstandsquote geringfügig von 3,7 Prozent im Jahr 2015 auf 3,6 Prozent im Jahr 2016.

Flexibilität ist wichtig

GWG-Geschäftsführer Uwe Schneider hat zudem die Erfahrung gemacht, dass die sogenannten "Best Ager", also Menschen ab 50 Jahren, lieber etwas mehr bezahlen und dafür mehr Komfort in ihren Wohnungen haben. In ihren Neubauten verwendet die GWG ganz bewusst Trockenbau. "In höchstens zwei Tagen können wir so eine Wohnung rollstuhlgerecht umbauen, Türen und Gänge noch breiter machen", so Schneider.

Förderung für Wohnungsbau

Doch auch bei der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft Greiz wird derzeit langsamer saniert. Der Grund ist - wie überall im Land - steigende Bau- und Handwerkerkosten. Wurden in 2016 in die Wohnungssanierung in Thüringen noch rund 375 Millionen Euro investiert, waren es in 2017 nur noch rund 297 Millionen Euro. Uwe Schneider fordert hier auch die Politik. Gerade im ländlichen Raum müsse Wohnungssanierung und Wohnungsneubau anders gefördert werden als in den großen Zentren wie Jena, Weimar und Erfurt.

Dennoch: "Der Thüringer Wohnungswirtschaft geht es gut", sagt Timo Schwanke von der AWG Wohnungsgenossenschaft eG Altenburg.

Den demografischen Wandel gibt es spürbar schon seit mehr als 20 Jahren in allen Bereichen.

Timo Schwanke

Gästewohnungen oder Begegnungsstätten mit Veranstaltungen für Mieter gehören bei vielen Genossenschaften dazu. In Altenburg werden Schulanfänger der AWG-Mieter mit Zuckertüten beschenkt und Wohngebietsfeste gefeiert. Die Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften müssen sich strecken - ein Balkon zum Beispiel ist inzwischen für die meisten Mieter eine Grundvoraussetzung. Zumindest in ländlichen Gebieten Thüringens können die Mieter Ansprüche haben. Sonst bleiben die Vermieter weiter auf leeren Wohnungen sitzen.

Rotes Aushängeschild "Wohnung zu vermieten" vor einem Mietshaus.
Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Von den rund 1,17 Mio. Wohnungen in Thüringen werden rund 600.000 zu Wohnzwecken vermietet. Darunter sind 267.000 Wohnungen der Verbandsmitglieder des Verbandes der Thüringer Wohnungswirtschaft. Nahezu jeder zweite Mieter wohnt also bei einem Mitgliedsunternehmen dieses Verbandes.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | THÜRINGEN JOURNAL | 13. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2019, 11:05 Uhr

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3 Kommentare

15.01.2019 00:20 Thüringer Original 3

@Mekalar: Ich glaube nicht, dass es so viel Leerstand in Thüringen gibt.

Was mich traurig macht ist, dass von meinem Steuergeld Abriss von Wohnblocks und anderer Wohnhäuser bezahlt wird. Gerade wo der Wohnraum in Deutschland knapp ist. Evtl. sollte man den ein oder anderen Renter in frisch sanierte Blocks locken, so wie es in Greiz gerade versucht wird.

13.01.2019 18:47 Mekalar 2

@1 Thüringer Original: "Und was passiert mit 570.000 Wohnungen, die nicht zu wohnzwecken vermietet werden? Sind Eigentumswohnungen?"

Das sind nur zum Teil Eigentumswohnungen. Ein Großteil der unvermieteten Wohungen wird leer stehen, weil sie sich nicht mehr vermieten lassen.

Entweder, weil die Wohnung baufällig oder nicht saniert ist. Oder weil sie in einem Gebiet liegt, wo viele zu Leute weggezogen sind - und ein Überangebot an Wohnraum besteht. Das ist in vielen ländlichen Gegenden so.

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