1. Becher im Pappkarton  Büste liegt in einer Schachtel  Bildrechte MDR; Bildquelle O Nenninger  2.Becher Winzerla Büste auf hellem Sockel vor Häuserblock und blauem Himmel Bildrechte MDR; Bildquelle O Nenninger
15 Jahre nach dem Diebstahl steht eine neue Johannes B. Becher-Büste in Jena Bildrechte: MDR

Texter der DDR-Hymne Jena: Neues Denkmal für Johannes R. Becher aufgestellt

Jena hat wieder ein Denkmal für den Texter der DDR-Hymne und Ehrenbürger der Stadt, den Dichter Johannes R. Becher. Die Orginal-Büste aus den 60er-Jahren war vor 15 Jahren verschwunden. Die Stadt debattierte ausgiebig darüber, ob und wie eine Kopie entstehen könnte und ob die Büste überhaupt wieder aufgestellt werden soll.

von Olaf Nenninger

1. Becher im Pappkarton  Büste liegt in einer Schachtel  Bildrechte MDR; Bildquelle O Nenninger  2.Becher Winzerla Büste auf hellem Sockel vor Häuserblock und blauem Himmel Bildrechte MDR; Bildquelle O Nenninger
15 Jahre nach dem Diebstahl steht eine neue Johannes B. Becher-Büste in Jena Bildrechte: MDR

Johannes R. Becher ist zurück in Jena. Zwei Tage zu früh und in einem Pappkarton. Zumindest seine Büste. Am äußersten Zipfel von Jena-Winzerla steht sie nun auf einem Stück Grün vor einem Plattenbau. Hier trifft die Johannes-R.-Becher-Straße auf die Oßmaritzer. Bereits zwei Tage vor den Feierlichkeiten zum 60. Todestag des Dichters und DDR-Kulturministers hat eine Jenaer Steinmetzfirma das Kunstwerk aufgestellt. Es ist ein Abguss des Originals aus der Werkstatt Fritz Cremers.

DDR-Kulturpolitiker mit Wirkung in den Westen

Das Terrain am neuen Büsten-Standort ist bergig. Wären nicht die Bäume, könnte Becher auf Jena hinabschauen. Aber der Blick auf eine Streuobstwiese muss vorerst reichen.  Der lange Weg der Becher-Büste bis hinaus nach Winzerla ist symptomatisch für den Umgang Jenas mit ihrem Ehrenbürger und dem Ehrensenator der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Becher macht es auch nicht einfach. Er hatte viele Gesichter. Er war hochproduktiver Dichter und Romancier, kommunistischer Funktionär und Stalinverehrer, aber auch weitsichtiger Kulturpolitiker. Der Literaturwissenschaftler Hans Mayer drückte es 1990 so aus:

Als Kulturminister ...ist Johannes R. Becher ein Glücksfall gewesen. Als Präsident des Kulturbundes hat er all jene Entscheidungen und Institutionen möglich gemacht, die weiterdauern sollten, auch weit hinein ins kulturelle Leben der Bundesrepublik.

Hans Mayer

Ohne Becher keine Goethe-Gesellschaft und kein umfassendes Nietzsche-Archiv in Weimar. Becher habe auch dafür gesorgt, dass die nach Moskau abtransportierten Kunstschätze aus Berlin, Dresden oder Leipzig zurückommen konnten.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

Sylvia vor 7 Wochen

Noch ein Nachsatz an erzgebirger: Alles glatt bügeln, was umstritten ist, bringt keine neue Erkenntnis. Ganz ohne Frage ist Bechers frühe Dichtung in großen Teilen von hoher Qualität. Man sollte ihn lesen und das nicht nur Literaturwissenschaftlern überlassen. Schön, daß sich die Stadt Jena wieder an ihren Ehrenbürger erinnert.

Sylvia vor 7 Wochen

An erzgebirger
"Alte Not gilt es zu zwingen und wir zwingen sie vereint, denn es muß uns doch gelingen, daß die Sonne schön wie nie über Deutschland scheint..." Heute klingt das in unseren Ohren sicher etwas pathetisch, das ist der Text "Einigkeit und Recht und Freiheit" aber auch! Als Hoffmann von Fallersleben "Deutschland, Deutschland über alles..." dichtete, gab es noch kein einiges Deutschland und damit sprach er den Patrioten seiner Zeit aus dem Herzen. Das der Text von den Nazis missbraucht und so diskreditiert wurde, finde ich jammerschade. Stellt man die Texte von Becher und Fallersleben ohne ideologische Scheuklappen nebeneinander, dann hatten beide zu ihrer Zeit volle Berechtigung. Im Übrigen: Als die Einheit nach dem Mauerbau in weite Ferne rückte, spielte in der DDR nur noch die Musik Nationalhymne.
Mein Vorschlag: 30 Jahre nach der Wende nicht alles verteufeln, was da in der DDR gemacht wurde. Die Becher-Büste gehört vor das Haus, in dem er in Jena wohnte! Finde ich.

erzgebirger vor 8 Wochen

Wenn Sie das nicht selbst erkennen, kann ich Ihnen auch nicht helfen.

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