Restaurierungsarbeiten im Haeckel-Haus
Während der Sanierung im Februar 2019 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Statik und Schwamm Bauarbeiten am Haeckel-Haus dauern länger

Die Bauarbeiten am Museum "Ernst Haeckel Haus" in Jena werden sich bis ins nächste Jahr ziehen. Ursprünglich war geplant, das sanierte Haus anlässlich von Haeckels 100. Todestag am 9. August wieder zu öffnen. Doch Statikprobleme und Hausschwammbefall verzögern und verteuern die Sanierung: Die Kosten sollen auf über 2,5 Millionen Euro steigen.

von Anke Preller

Restaurierungsarbeiten im Haeckel-Haus
Während der Sanierung im Februar 2019 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In den Jahren 1882/83 hat Ernst Haeckel für sich und seine Familie ein Wohnhaus im italienischen Landhausstil errichten lassen. Die "Villa Medusa" erinnert an seine Lieblingstiere, die Medusen oder auch Quallen. Das Haus in der Berggasse 7 befindet sich ganz in der Nähe des von ihm aufgebauten Zoologischen Instituts. Nach seinem Tod wurde es Museum, so wie er es verfügt hatte.

Archiv und Teil der Universität

Zeichnung von Haeckel
Eine von Haeckel gezeichnete Scheibenqualle Bildrechte: imago/Artokoloro

Es beherbergt auch das umfangreiche Haeckel-Archiv, seine Sammlungen und es ist eine Forschungseinrichtung der Universität. Seit Anfang 2018 allerdings ist das Haus für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich, weil es denkmalgerecht und grundhaft saniert wird. Die Arbeiten sollten eigentlich schon abgeschlossen sein, doch bis zur Wiedereröffnung wird es noch dauern. Die hinter Büschen und Bäumen verborgene Villa ist noch immer eine Großbaustelle - mit Gerüsten innen und außen. Inzwischen ist das Dach neu eingedeckt und gedämmt. Es musste auch mit Stahlträgern statisch nachertüchtigt werden, sagt Thomas Bach, der Leiter des Ernst-Haeckel-Hauses. Für einen größeren Ausstellungsraum waren in den 1930iger Jahren tragende Wände herausgenommen worden, ohne die Statik des Hauses genügend zu berücksichtigen.

Kosten gestiegen

Auch Hausschwamm an mehreren Stellen im Haus sorgt für Verzögerungen bei der Sanierung. Am schlimmsten ist der Befall in Haeckels prächtigem Arbeitszimmer, einem der beiden original erhaltenen Räume. In einer Ecke des Arbeitszimmer ist der Fußboden aufgebrochen - noch ist nicht entschieden, ob auch ein Teil der Außenwand geöffnet werden muss. Das alles kostet Zeit und Geld. Die Sanierungskosten für das Haus sind schon auf weit über 2,5 Millionen Euro gestiegen.
Doch auch Positives kam ans Licht, wie Reste der einstigen Wandbemalung im Arbeitszimmer. Sie fanden sich hinter großen schweren Schränken, die wohl in den letzten 100 Jahren nicht mehr verrückt wurden, vermutet Thomas Bach.

Aufgerissener Dielenboden
Mehr Arbeit als gedacht im Haeckel-Haus Bildrechte: MDR/Anke Preller

Restaurierung der Räume nach Vorlagen Haeckels

In vier Räumen hatte Haeckel die Dielen so bemalen lassen, dass sie Parkett vortäuschen. Laut Bach war das nicht unüblich seinerzeit. Es zeige auch, dass Haeckel ein preisbewusster Bauherr war.

Mit Fliesenmuster bemalte Holzdielen
Anscheins-Parkett nach der Mode der Zeit Bildrechte: MDR/Anke Preller

Zwei kleinere Räume in der ersten Etage, die früheren Kinderzimmer, gestaltet der Camburger Restaurator Michael Bruckschlegel derzeit zu Musterräumen. An fünf Stellen im Haus gefundene originale Farbgebungen, Ornamente und Linierungen fügt er zu einem Gesamtbild zusammen, um so einen authentischen Eindruck zu bekommen. Stolz zeigt er auch zwei Probebögen von extra angefertigten Tapeten. Die Rekonstruktion orientiert sich an den Musterbüchern aus Haeckels Archiv. Die Räume spiegeln den Geschmack der damaligen Zeit wider, so Bruckschlegel, zeugen aber auch von Haeckels besonderem ästhetischen Anspruch. Aufgemalte Medusen an den Decken finden heute vielleicht nicht bei jedem Gefallen. Doch alles soll wieder so originalgetreu wie möglich erscheinen. Einen Termin für die Wiedereröffnung gibt es noch nicht. Spätestens bis zum 20. Oktober nächsten Jahres soll alles geschafft sein.

Haeckel - berühmt und umstriten Der Zoologe, Evolutionsbiologe, Freidenker und Künstler Ernst Haeckel gehört zu den bedeutendsten, aber auch umstrittensten Naturwissenschaftlern des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Geboren 1834 in Potsdam verbrachte er den Großteil seines Lebens in Jena. 1861 kam Haeckel an die Universität, die eigens für ihn einen Lehrstuhl für Zoologie eingerichtet hatte. 82 Semester lehrte der überzeugte Darwinist in Jena, lockte Studenten in Scharen an. Der Stadt blieb er treu bis zu seinem Tod vor 100 Jahren, am 9. August 1919. Umstritten ist er wegen seiner Beteiligung an Diskussionen über Eugenik und Rassetheorien.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR Thüringen Journal | 09. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. August 2019, 18:59 Uhr

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1 Kommentar

11.08.2019 17:29 pkeszler 1

Ich war zu DDR-Zeiten mal mit einer Schulklasse im Haeckel-Haus in Jena im Rahmen einer mehrtägigen Klassenfahrt. Von den enormen Schäden des Hauses hat man damals noch nichts bemerkt. Solche Gebäude wurden in der DDR auch nie richtig geprüft und saniert.

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