Ausgebrannte Kellerboxen mit verbranntem Mobiliar
Die ausgebrannten Kellerboxen in der Frauengasse 20 in Jena. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Brandstiftung Brandserie in Jena: Noch keine "heiße Spur" vom Feuerteufel

In Jena treibt ein Feuerteufel sein Unwesen. Kellerbrände häuften sich in den letzten Wochen. Allein am vergangenen Samstag musste die Feuerwehr innerhalb von acht Stunden vier Kellerbrände in der Jenaer Innenstadt löschen. Alle vier Wohngebäude gehören dem kommunalen Vermieter "jenawohnen". Polizei und Feuerwehr gehen von Brandstiftung aus. Eine "heiße Spur" gibt es noch nicht.

von Anke Preller

Ausgebrannte Kellerboxen mit verbranntem Mobiliar
Die ausgebrannten Kellerboxen in der Frauengasse 20 in Jena. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Am schlimmsten betroffen ist das Haus in der Frauengasse 20 - mit drei Eingängen und 25 Wohnungen. Der beißende Geruch hängt noch im Treppenhaus, erst recht im Keller. Hier bietet sich ein Bild der Verwüstung. Schwarze Wände, verkohlte Regale, verbranntes Mobiliar in den Kellerboxen. Im Gang hängen lange Kunststofffäden an den Kabelträgern aus Metall, die unter der Decke hängen. Durch die große Hitze sind die Stromleitungen geschmolzen. Auch die Wasserleitungen sind kaputt. Ohne Strom und Wasser können die 50 Mieter, darunter Familien mit Kindern, nicht zurück. Sie wohnen noch immer bei Bekannten, Verwandten oder im Hotel.

Versicherungs-Vertreter nehmen Schäden auf

Geschmolzene Kunststofffäden an Kabelträgern aus Metall
Aus Kabelträgern hängen geschmolzene Kunststofffäden herab. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Im Wohnblock sind Vertreter von Versicherungen unterwegs, um die Schäden aufzunehmen. Auch ehemalige Bewohner sind anzutreffen, die persönliche Sachen oder Kleidung aus ihren Wohnungen holen. Unter ihnen ist eine Vietnamesin. Sie erzählt, dass sie in besagter Nacht fest schlief. Vom Feuer im Keller habe sie erst erfahren, als Feuerwehrleute ihre Wohnungstür aufbrachen und sie aus dem Haus brachten. Nun hofft sie, bald wieder zurückkehren zu können.

Gunnar Poschmann, der Sprecher der kommunalen Wohnungsgesellschaft "jenawohnen", kündigt an, dass die Reparaturarbeiten in den nächsten Tagen beginnen. Für den Mieter in der Erdgeschoss-Wohnung direkt über dem Brandherd werde nach einer neuen Bleibe gesucht. Nicht auszudenken, was ohne das schnelle Handeln der Feuerwehrleute passiert wäre, so Poschmann.

Auch Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche ist noch immer fassungslos angesichts der Tatsache, dass der oder die Brandstifter den Tod auch von Kindern in Kauf genommen haben. Das sei kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechen.

Brandserie traf vor allem Wohngebäude von "jenawohnen" - Zufall?

Die Serie der Kellerbrände in den letzten Wochen sowie dutzende Kellereinbrüche trafen vor allem Wohngebäude von "jenawohnen". Zufall oder nicht? In Jena wird derzeit heftig um die Mietpreise auch bei der kommunalen Wohnungsgesellschaft gestritten. Auf Spekulationen, ob es da einen Zusammenhang gibt und der oder die Täter gezielt vorgehen, will sich der OB nicht einlassen. Er hofft, wie alle in Jena, auf einen schnellen Ermittlungserfolg der Polizei. Danach sieht es aber nicht aus.

Die Kriminaltechniker konnten brauchbare Spuren an den Brandorten sichern. Die werden im Landeskriminalamt ausgewertet. Mit einem schnellen Ergebnis sei nicht zu rechnen, so eine Polizeisprecherin. Die erhofften Hinweise von Zeugen sind bislang ausgeblieben. "Jenawohnen" hat inzwischen seinen Sicherheitsdienst personell aufgestockt. Das Wohnungsunternehmen und die Polizei appellieren an die Mieter, Keller- und Hauseingangstüren immer geschlossen zu halten und zu schauen, wer im Haus ein- und ausgeht.

Ausgebrannter Keller in der Frauengasse 20 in Jena
Der ausgebrannte Keller in der Frauengasse 20 in Jena eine Woche nach dem Brand. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit | 17. März 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2019, 11:35 Uhr

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