Corona-Pandemie Stadt Jena kritisiert Pläne des Landes und fordert große Impfzentren

Jenas Sozialdezernent Eberhard Hertzsch wie auch Oberbürgermeister Thomas Nitzsche seien sauer, dass es bislang keine offiziellen Informationen über die Impfstrategie des Landes gegeben habe, sagte Hertzsch MDR THÜRINGEN. Deshalb werde die Stadt nun selbst aktiv. Es brauche große Hallen, so der Sozialdezernent.

Ein Patient bekommt eine Spritze
Noch im Dezember könnten die Corona-Impfungen in Thüringen beginnen. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Die Stadt Jena hofft auf den schnellen Aufbau von zwei bis drei Corona-Impfzentren. Dabei sollte es sich um große Hallen und nicht um eine Arztpraxis mit drei Räumen handeln, sagte Sozialdezernent Eberhard Hertzsch (parteilos) MDR THÜRINGEN.

Er habe nur auf indirektem Weg erfahren, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) für Jena nur ein Impfzentrum in einer angemieteten Praxis in Lobeda plane. Es müsse sehr viel größer gedacht werden, um in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Menschen impfen zu können, sagte Hertzsch weiter.

Forderung zu Corona-Impfung: Kulturzentren oder große Hallen nutzen

Er wie auch Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) seien sauer, dass es bislang keine offiziellen Informationen über die Impfstrategie des Landes gegeben habe.

Deshalb werde die Stadt nun selbst aktiv. In einer Telefonkonferenz am Donnerstag soll laut Hertzsch abgeklärt werden, welche größeren Hallen oder Kulturzentren für die Impfaktion zur Verfügung stehen. Als Beispiele nannte der Sozialdezernent die Sparkassen-Arena oder die leer stehende POM-Arena in Jena.

Auch das Universitätsklinikum, das im Corona-Krisenstab der Stadt mitarbeitet, wurde von der KV nicht angefragt. Nach eigenen Angaben könnten dort täglich bis zu 2.000 Menschen geimpft werden. Seine Hilfe hat auch der DRK-Kreisverband angeboten.

Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes, simulieren im Messezentrum den Ablauf zur Impfung eines Corona-Impfstoffs
Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes simulieren im Messezentrum Ulm den Ablauf zur Impfung eines Corona-Impfstoffs. Bildrechte: dpa

Ministerium weist Kritik zurück

Kritik aus Jena, dass dort eine geplante Arztpraxis als Impfzentrum zu klein sei, wies das Ministerium zurück. Die Pandemiebekämpfung sei eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Land und Kommunen, wie die Sprecherin mitteile. Bisher habe das sehr gut funktioniert.

In den geplanten Impfzentren in Thüringen sollen nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums bis zu 29.000 Impfungen pro Woche möglich sein. Dafür müssten die Bedingungen aber optimal sein, teilte eine Sprecherin am Mittwoch mit. Pro Impfstelle werde derzeit mit vier Mitarbeitern kalkuliert.

29 Impfzentren im Freistaat geplant

Eine Anfrage unter Ärzten zur Unterstützung erlebt einen guten Rücklauf, wie es hieß. Da nicht klar sei, wann genau und wie viel Impfstoff in Thüringen zur Verfügung steht, könnten noch keine präzisen Aussagen getroffen werden, so die Sprecherin weiter. Derzeit arbeite man gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) an der Feinabstimmung. Details sollen kommende Woche vorgestellt werden.

Thüringenweit sind 29 Impfzentren geplant, um flächendeckend impfen zu können. Den Angaben zufolge ist man auf diese Zentren angewiesen, da die aktuellen Impfstoffe stark gekühlt werden müssen und Arztpraxen dafür nicht ausgestattet sind.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. November 2020 | 13:00 Uhr

9 Kommentare

Lobedaer vor 8 Wochen

Irgendwie hat das Ganze ein Geschmäckle. Schon bei der Neufassung des Rettungsdienstgesetzes gab es keinen sachlichen Grund, den öffentlich-rechtlichen Abrechnungsservice der niedergelassenen Ärzteschaft als Träger einzusetzen. Nun soll die KV auch die Impfaktion durchführen, in kleinen Praxen, wo niemals Massen durchgeschleust werden können. Wenn in 29 "Impfzentren" unter idealen Bedingungen wöchentlich 29.000 Impfungen durchgeführt werden können, dauert es unter optimalen Bedingungen 47,5 Wochen, also knapp 1 Jahr, bis 60 % der Bevölkerung geimpft sind, die herbeigesehnte Herdenimmunität beginnt, zu greifen. Das ist Inkompetenz in Reinkultur. Da hat die Stadt Jena bessere Pläne, wenn allein die Uniklinik 2.000 täglich impfen will, also 10.000 pro Woche, die 10fache Kapazität, sodass die Impfaktion in vernünftiger Zeit bewältigt werden kann. Die anderen Gebietskörperschaften müssten auch leistungsfähigere Lösungen entwickeln als dieses Mauschellösung mit der KV.

Ritter Runkel vor 8 Wochen

Jena und die Masken, die Frage ist immer noch nicht geklärt, wieso die Infiziertenzahlen in die Höhe geschossen sind, vom 13.03.2020 von 0 Infizierten auf 147 Infizierte am 07.04.2020.
Eine solche Steigerung der Infizierten ist in diesem Zeitraum in Thüringen einzigartig!

Ritter Runkel vor 8 Wochen

Es wäre eine Journalistische Meisterleistung zu klären, wie zum Beispiel folgende Zahlindifferenz zustande kommt.
Stand: 20.11.2020
Die Stadt Jena meldet selbst folgende Zahlen
Neuinfektionen letzte 7 Tage/100.000 Einwohner: 62,8
Gesamtzahl der Infizierten: 496
Neuinfektionen (letzte 24 h): 17
:Die Stadt Jena meldet an das Land Thüringen folgende Zahlen;
Neuinfektionen letzte 7 Tage/100.000 Einwohner: 54,8
Gesamtzahl der Infizierten: 482
Neuinfektionen (letzte 24 h): 15
Dies ist in Jena nicht erst seit gestern so. Sondern es ist schon seit Monaten so das die Zahlen die, die Stadt Jena veröffentlicht, nicht mit denen des Landes Thüringen übereinstimmen.
Wie ist die erhebliche Differenz der Zahlen zu erklären?

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