Altenburg | Jena Per Gericht Zugang ins Pflegeheim erreicht

Das Amtsgericht Altenburg hat einem evangelischen Theologen den Zugang zu einem Pflegeheim in Jena verschafft. Gegen Androhung einer Strafe von maximal 250.000 Euro haben die Richter den privaten Träger verpflichtet, dem Seelsorger die Besuche bei einer 89-Jährigen zu gewähren.

Blick auf das Amtsgericht Jena (Thüringen)
Das Amtsgericht Jena wurde in dem Fall von Altenburger Richtern vertreten. Bildrechte: Dehli News

Die schwer Erkrankte hatte sich den Beistand des Theologen ausdrücklich gewünscht. Sie ist seit Mitte März in Palliativ-Behandlung. Nach der Entscheidung des Gerichts muss dem Theologen der Zugang "zu jeder Zeit" ermöglicht werden, unter Berücksichtigung des Corona-Schutzes.

Betreuung durch therapeutische Fachkraft

Das Heim hatte dem Theologen mit Verweis auf die Corona-Schutzauflagen der Stadt Jena bereits seit Anfang April eine Begegnung mit der Frau verwehrt. In Aussicht gestellt wurde ihm lediglich ein Besuchsrecht von maximal sechs bis zehn Stunden für den Sterbeprozess. Eine kontinuierliche theologische Betreuung wies der Träger wegen der im Haus tätigen therapeutischen Fachkraft zurück.

Anrecht auf Theologen

Das Gericht erklärte dagegen, die Frau habe ein Anrecht auf Seelsorge durch einen Theologen. Die Frau ist seit über 30 Jahren Mitglied in der Kirchengemeinde des Pfarrers, der den Gerichtsbeschluss angestrebt hatte.

Das Amtsgericht Altenburg war in dem Fall als Bereitschaftsgerichts für das Amtsgericht Jena tätig. Gegen den Beschluss kann Beschwerde eingelegt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN, mis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. April 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

jackblack vor 16 Wochen

Wollen wir wirklich alte Leute vor ihrem möglichen Lebensende wegsperren wie Schwerverbrecher, meine Mutter ist 99, bei guter Gesundheit und würde im Frühling gern mal an die frische Luft, WAS spricht dagegen- das GESETZ.

pepe79 vor 16 Wochen

Leider zeigt diese negative Beispiel wozu die einseitige Konzentration auf das Coronavirus und das isolieren führt.
Ein Pastor oder Pfarrer hat absolut immer einen uneingeschränkten Zugang zu Kranken, Sterbenden oder Inhaftierten! Genauso gilt dies für Ärzte.
Auch wenn dieser Fall hier auf der Fehleinschätzung der Pflegekraft beruht tut die Stadt Jena ihr übriges indem die Aufklärung über solche Sachverhalte einfach nicht Stattfindet. Auch Angehörige dürfen selbstverständlich ihre im sterben liegenden Lieben im Pflegeheim besuchen!

part vor 16 Wochen

Pflegeheimbetreiber und übergeordnete Behörden haben auch eine besondere Verpflichtung zum Gesundheitsschutz von Mitarbeitern und Heiminsassen, besonders bei den häufig auftretenden Fällen in Altenheimen. Für HWG- Personen, mit häufig wechselnder Gesellschaft, sollten deshalb besonders strengere Maßregeln gelten auch wenn wie hier wiederum auch ein Grundrecht eingeschränkt wurde.

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