Friedrich-Schiller-Universität Jena Uni-Aktion: Gebrauchte Laptops für Studierende

MDR THÜRINGEN-Reporter Olaf Nenninger
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Laptops umsonst? Gibt's seit einiger Zeit an der Uni Jena. Nachdem die Uni Jena bereits einen Corona-Hilfsfonds für Studierende aufgelegt hatte, sammelt sie nun gebrauchte Laptops. Die werden dann generalüberholt und kostenfrei an die Studierenden abgegeben. Die Nachfrage ist hoch. Die Uni freut sich über Laptop-Nachschub.

Eine Studentin sitzt am Schreibtisch, vor ihr ein Laptop und Unterlagen.
Das aktuelle Semester vieler Studierender findet an heimischen Tischen statt. Die Uni Jena sucht zu deren Unterstützung Laptop-Spenden. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lars Neumann* ist jetzt endlich wieder arbeitsfähig. Am Morgen konnte der Jenaer Psychologiestudent einen neuen Laptop in der Uni-Bibliothek abholen. Okay, ganz neu ist der Klapprechner nicht, aber generalüberholt und mit neuem Betriebssystem versehen. Das Display lässt sich sogar als Tablet ausklicken. Neumanns alter Laptop hatte vor ein paar Wochen den Geist aufgegeben. So etwas ist natürlich grundsätzlich ärgerlich - für den Studenten umso mehr, weil die Uni so gut wie alle Kurse nur online anbietet.

Ein junger Mann mit Atemschutzmaske bedient einen Laptop
Glücklicher Nutzer: Psychologiestudent Lars Neumann hat den 50. Laptop aus der Spendenaktion ergattert. Er kommt von einem großen Versicherer Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Nachfrage nach Laptops nicht gedeckt

Lars Neumann hat - übrigens als 50. - von einer Spendenaktion der Friedrich-Schiller-Universität profitiert. Seit nunmehr fünf Wochen sammelt sie gebrauchte Laptops. Denn nur mit dem richtigen Equipment können die Studierenden sinnvoll an der Online-Lehre teilnehmen oder Programmierkurse besuchen. Viele haben keine Geräte oder sie sind so alt, dass Videokonferenzen damit nicht machbar sind. Gut 130 gebrauchte Laptops hat die Uni schon bekommen - 50 davon sind bereits an Studierende als Dauerleihgabe rausgegangen. Weitere 115 Anfragen von potenziellen Nutzern laufen noch. Die Uni könnte also noch deutlich mehr Geräte gebrauchen. Auch Unternehmen beteiligen sich mit Großspenden an der Aktion. Lars Neumanns Laptop kommt aus einer Charge von insgesamt 15 Geräten eines großen Versicherers.

Datensicherheit für Spender wird gewährleistet

Spender müssen sich indes keine Sorgen um ihre alten Daten machen. "Die Festplatten der Geräte nach den Richtlinien des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik unwiederbringlich gelöscht. Dann spielen wir ein freies Betriebssystem auf sowie alle Programme, die die Studierenden für ihre Arbeit brauchen", erklärt Karsten Leydolph das Prozedere. Als stellvertretender Leiter der IT-Abteilung der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek überwacht er alle technischen Vorgänge, die mit den Laptop-Spenden zu tun haben. In einer kleinen Werkstatt sitzen zwei studentische Hilfskräfte und machen die gebrauchten Geräte wieder fit. Sogar eine telefonische Hotline bei technischen Fragen haben sie eingerichtet.

Ein junger Mann mit Atemschutzmaske bedient einen Laptop
In der IT-Abteilung der Uni-Bibliothek werden die gebrauchten Laptops wieder fit gemacht.  Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Nachfrage nach Geräten wird bleiben

Leydolph hat sich die ungewöhnliche Spendenaktion gemeinsam mit Astrid Urban, Referentin im Präsidialamt, und Frederik Schulz, Leiter der Stabsstelle "Digitale Universität", ausgedacht. Als klar wurde, dass der Fernunterricht in der kommenden Zeit zur Regel wird, hätten Sie sofort die Bedarfe bei den Studierenden gesehen. "Wir haben dann alle unsere Verteiler und Kanäle genutzt und um Spendengeräte gebeten. Vor allem von unseren Ehemaligen kam ein tolles Feedback. Einige Geräte kamen sogar mit der Post bei uns an. Aber wir freuen uns über jeden weiteren Laptop, denn die Nachfrage unserer Studierenden wird bleiben. Auch im kommenden Semester wird die Online-Lehre eine große Rolle spielen", glaubt Astrid Urban.

Lars Neumann kann mit seinem Laptop beruhigt einem Programmierkurs entgegensehen: "Die Aktion ist total gut und kam gerade zur rechten Zeit. Vor allem ist das Prinzip extrem nachhaltig. Hätte ich einen Laptop übrig, würde ich ihn auch spenden."

* Name von der Redaktion geändert

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 05. Juni 2020 | 17:30 Uhr

3 Kommentare

Nawienn vor 9 Wochen

Wenn in Jena ein Studium auch ohne Laptop möglich ist
warum dann die ganze UNI -Aktion ???
Bleistifte gibt es bei IKEA reichlich
und ein bischen Papier läßt sich sicher auch auftreiben
also hurtig ab ins nächste Semester
und nicht vergessen die allabendlichen Schwafelrunden !!!
(bitte mich nicht belehren,ich kenne das aus meinem Studium)
Einen schönen Abend noch...

sweeney2507 vor 9 Wochen

Wer heutzutage immer noch nicht verstanden hat, dass auch heute Studieren ein Privileg ist, der/die hat offenbar etwas 'versäumt' oder den Charakter seiner Zeit 'nicht erkannt'. Ein solch unkonstruktiver Kommentar wie Ihrer ist an dieser Stelle mehr als unangebracht zumal der Inhalt des Artikels eine rein positive Message sendet - Menschen, die sich um andere Menschen kümmern, Menschen, die sich Gedanken machen, andere zu unterstützen! Ein Studium in Jena ist im Normalbetrieb sehr wohl auch ohne Laptop möglich, da die Universität genügend Arbeitsmittel zur freien Verfügung stellt. Vielen Studierenden ist es seit der Schließung der Landesbibliothek und der danach folgenden verkürzten Öffnungszeiten jedoch leider nicht mehr möglich, den ganzen Tag einen (nun zeitlich begrenzten) Computerplatz der Universität zu nutzen. Auch eine Neuanschaffung technischer Geräte ist für viele nicht finanzierbar, da eine Vielzahl der Studierenden ihre Nebenverdienste nicht mehr beziehen können.

Nawienn vor 9 Wochen

Wer heutzutage ohne einen Laptop
zum Studium antritt,hat entweder was versäumt
oder die Zeichen der Zeit nicht erkannt
um es noch extremer auszudrücken, besser zu Hause bleiben.
Schönes Wochenend noch...

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