Masken für jeden Corona: Jena und Nordhausen führen Mundschutz-Pflicht ein

Im Kampf gegen das Coronavirus preschen die Stadt Jena und der Kreis Nordhausen voran: Das Tragen von Schutzmasken im öffentlichen Raum soll zur Pflicht werden. Andere Kommunen sind zurückhaltender - schließen den Schritt aber nicht aus.

Die Stadt Jena und der Landkreis Nordhausen wollen das Tragen einer Schutzmaske in vielen öffentlichen Bereichen ab kommender Woche zur Pflicht machen. Wie die Stadtverwaltung Jena mitteilte, betrifft das alle Verkaufsstellen, den öffentlichen Nahverkehr und Gebäude mit Publikumsverkehr. Die Maßnahme sei vom Fachdienst Gesundheit angemahnt worden. Ziel sei es, die Sicherheit des Personals im öffentlichen Leben zu erhöhen.

Weil der Mangel an Masken trotz vieler Initiativen weiterhin bestehe, seien auch Tücher oder Schals möglich, die Nase und Mund bedecken, heißt es seitens der Stadt. An die Bevölkerung richtete das Rathaus wiederholt die "eindringliche Bitte", sich selbst und wenn möglich auch anderen eine Schutzmaske zu nähen. Am Montag hatte die Stadt bereits die Freiwilligen-Initiative "Jena zeigt Maske" gestartet.

Die Stadt hat nach eigenen Angaben eine Grundausstattung an Masken. Damit wolle man Pflegekräfte, Ärzte, Fahrer im öffentlichen Nahverkehr und andere Menschen in systemrelevanter Infrastruktur versorgen. Nach Jena kündigte auch der Kreis Nordhausen am Dienstag eine entsprechende Verfügung an. Weitere Details werden gegenwärtig noch erarbeitet.

Andere Kommunen sind skeptischer

Andere Thüringer Städte und Landkreise planen momentan keine Mundschutz-Pflicht. Das ergab eine Umfrage von MDR THÜRINGEN. Allerdings würden Rathäuser und Landratsämter die Situation jeden Tag aufs Neue bewerten. Eine künftige Pflicht sei nicht gänzlich ausgeschlossen.

Ein Kritikpunkt ist die spärliche Versorgungslage. Eine derartige Maske sei zwar grundsätzlich wünschenswert, allerdings herrsche derzeit eine große Knappheit, sodass selbst die medizinischen Einrichtungen und Rettungsdienste große Probleme haben, ausreichend Mundschutz zu bekommen, sagte ein Sprecher in Weimar.

Ähnlich äußerte sich Onno Eckert (SPD), Landrat im Kreis Gotha. Er plädierte für eine landesweit einheitliche Lösung und warte auf eine Entscheidung der Landesregierung.  Laut einem Bericht der Rheinischen Post lehnt diese eine Mundschutz-Pflicht derzeit ab. Die Landesregierung setze auf Einhaltung des Abstandsgebotes und die Reduzierung von Kontakten, so ein Regierungssprecher. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) sagte, Mundschutz-Pflicht "vermittelt ein falsches Gefühl von Sicherheit". Die Stadt Suhl rief gemeinsam mit dem SRH-Zentralklinikum die Einwohner zum Nähen von Masken auf. Diese sollten beim Einkaufen und Spazierengehen verwendet werden. Auch wenn es in Suhl noch keine Pflicht zum Tragen von Schutzmasken gebe, könne sich das jederzeit ändern, hieß es von der Stadt.

Nutzen von Mundschutz umstritten

Eine Mundschutzpflicht unter anderem für Einkäufe in Supermärkten hatte auch bereits die österreichische Regierung am Montag angekündigt. Dabei ist der Nutzen der Masken umstritten: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutz-Tragen.

Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan am Montag in Genf. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnähmen und sich dabei womöglich infizierten. Die Bundesärztekammer rät dagegen zur Maske. Zwar könne ein einfacher Mundschutz kaum vor Infektionen schützen. Doch lasse sich dadurch eine Ansteckung anderer verhindern.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 31. März 2020 | 12:00 Uhr

85 Kommentare

hajo vor 29 Wochen

Bevor man meckert sollte man sich durch lesen bilden. Die Stadt Jena hat drei Allgemeinverfügungen aufgehoben, soweit richtig. Diese wurden in ihrer Art aufgehoben. Doch sollte man die öffentliche Bekanntmachung der Stadt vom 31.03.2020 (s. Internetseite der Stadt Jena) bis zu Ende lesen. So gibt es fortgeltendes Recht und eine Anlehnung an die Thür SARS-CoV-2 EindmaßnVO vom 26.03.2020. Lesen Sie einfach auf der Internetseite der Stadt Jena die entsprechende Bekanntmachung. Da werden Sie schnell feststellen, das Ihr Aktionismus in dieser Frage schon in die Richtung Fake einzuordnen ist. Wissen zur Schau stellen ist gut, aber Fragen der „Machtbefugnisse“ stellen, erübrigt sich, wenn das Grundgesetz im Vorfeld gelesen wurde.

Grosser Klaus vor 29 Wochen

Übertriebener Aktionismus vom Jenaer Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP).
Sowohl unser Bundesgesundheitsminister als auch unsere Landesgesundheitsministerin lehnen diese geplante Maßnahme ab.
Wäre schön wenn man eine einheitliche Linie fährt, zumindest in Thüringen.
Wer hat denn jetzt Recht und wer nicht?
Steht Herr Spahn, in Fragen was gesundheitliche Fragen und Bestimmungen angeht, über Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) oder nicht, wem haben wir in solchen Dingen Folge zu leisten?!
Alle halten sich an die Vorgaben des RKI, außer die Stadt Jena.
Wer hat denn noch den Durchblick?

Grosser Klaus vor 29 Wochen

Die schnelle Abfolge von Änderung und neuen Verfügungen scheint zu erheblicher Verwirrung zu führen. Das RKI weist innerhalb Deutschlands keine Risikogebiete mehr aus. Jena definiert ebenfalls keine mehr.
Personen in Quarantäne sind bis Do zu entlassen. Reisende und Pendler haben sich bei Anzeichen von Symptomen zu melden.
Das Konzept der häuslichen präventiven Quarantäne ist damit also beendet?
Auch Reisende und Pendler (ggf. aus dem gesamten Bundesgebiet) sind hier nur noch dazu verpflichtet eine Maske zu tragen?
Infizierte Personen der genannten Kategorie ohne jegliche Symptome können sich also unmittelbar frei jedoch unter Beachtung der noch gültigen Verfügungen bewegen?
Aber präventive und zeitlich begrenzte Quarantäne (mit nachweislicher Wirkung) gegen eine Verpflichtung zu unter anderem selbst hergestelltem Mundschutz einzutauschen das fällt schwer zu verstehen.

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