Baumfällungen im Drackendorfer Park in Jena sorgen für Proteste bei Bürgern. Bei einer Begehung wurden die Pläne für den Umbau erläutert.
Die Leiterin des Denkmalamtes in Jena, Elke Zimmermann (r.), stellte am Montag die Pläne für den Drackendorfer Park vor. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Goethe-Park Bürgerprotest in Jena: Baumfällungen erhitzen die Gemüter

Von einem regelrechten "Baumschlachten" ist die Rede. Bei Anwohnern in Jena-Drackendorf herrscht Unmut über die Umgestaltung des Goethe-Parks und die damit einhergehenden Baumfällungen. Am Montag wollte die Leiterin des Denkmalamtes über das Vorhaben informieren - und die Wogen glätten.

von Anke Preller

Baumfällungen im Drackendorfer Park in Jena sorgen für Proteste bei Bürgern. Bei einer Begehung wurden die Pläne für den Umbau erläutert.
Die Leiterin des Denkmalamtes in Jena, Elke Zimmermann (r.), stellte am Montag die Pläne für den Drackendorfer Park vor. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Seit Monaten herrscht Aufregung im Jenaer Ortsteil Drackendorf. Der Grund dafür sind zu Jahresbeginn gefällte Bäume im denkmalgeschützten Drackendorfer Goethe-Park - und die Ankündigung der Stadt, dass noch weitere Bäume fallen sollen. So sieht es das Sanierungskonzept für den Park vor. Bei einem Vor-Ort-Termin am Montag wollte Elke Zimmermann, die Leiterin des Denkmalamtes in Jena, die Wogen glätten. Gelungen ist ihr das nur zum Teil. Wieder schlagen die Emotionen hoch.

Baumfällungen in Jena-Drackendorf sorgen für Unmut

Baumfällungen im Drackendorfer Park in Jena sorgen für Proteste bei Bürgern. Bei einer Begehung wurden die Pläne für den Umbau erläutert.
Etwa 60 Bäume wurden im Park in Drackendorf bisher gefällt. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Etwa 50 Drackendorfer sind gekommen. Darunter auch einige, die an der Alten Dorfstraße, dem etwa drei Hektar großen Park direkt gegenüber, wohnen. Sie klagen über wegfallenden Lärmschutz. Wilde Zahlen kursieren. 200 bis 300 Bäume sollen noch der Säge zum Opfer fallen. Von einem regelrechten "Baumschlachten" ist die Rede. Elke Zimmermann hat Mühe, sich Gehör zu verschaffen und sachlich zu erklären, was die Planungen für das nächste Jahr vorsehen. Sie steht den teils aufgebrachten Bürgern allein gegenüber, hat sich keine "Verstärkung" aus der Stadtverwaltung mitgebracht.

Etwa 60 Bäume und Gehölze seien bislang gefällt worden, sagt sie. Weitere 24 Bäume sollen im Januar 2020 folgen. Darunter auch kranke Bäume, die vom Brandkrustenpilz befallen sind. Der führe dazu, dass der Baum im Inneren wie ein Zwieback wird, erläutert die Denkmalschützerin. Von außen sei das dem Gewächs nicht anzusehen. Deshalb gebe es auch die vierteljährlichen Prüfungen durch einen Experten.

Areal soll englischem Landschaftspark gleichen

Einige Drackendorfer zeigen Verständnis, andere lassen sich nur schwer besänftigen. Vor allem die wieder freigelegten Sichtachsen, die zu einem Landschaftspark im englischen Stil gehören, erregen die Gemüter. Sibylle Brendel will nicht hinnehmen, dass dafür weiter abgeholzt wird. "Das soll ein Park bleiben, die Bäumen sollen Schatten spenden", sagt sie. In Zeiten des Klimawandels könne man nicht einfach große alte Bäume aus ästhetischen Gründen opfern. Zimmermanns Argument, dass so ein Landschaftspark wie ein Bild sei, das "gemalt werde mit Gehölzen", die aufeinander abgestimmt würden, überzeugt nicht alle.

Auch um künftig neu zu pflanzende Baumarten wird gestritten. Keine Eschen mehr, dafür wieder Buchen, Ahorn und Linden. Neu hinzu kommen Douglasien. 47 Großgehölze sollen im nächsten Frühjahr gepflanzt werden.

Baumfällungen im Drackendorfer Park in Jena sorgen für Proteste bei Bürgern. Bei einer Begehung wurden die Pläne für den Umbau erläutert.
In dem Jenaer Park sollen alte Sichtachsen wieder freigelegt werden. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Anwohner melden sich erst nach den Planungen

Rainer Raithel, der Ortsteilbürgermeister in Drackendorf, steht am Rand, hört aufmerksam zu. Er wundert sich nicht über die Aufregung. Nun, wo Tatsachen geschaffen wurden. Als die anstehende Parksanierung in den vergangenen beiden Jahren im Ortsteilrat und in Bürgerversammlungen diskutiert wurde, habe sich das Interesse der Drackendorfer noch in Grenzen gehalten. Raithel spricht von einem Glücksfall, dass rund 900.000 Euro für den Park aus Fördertöpfen und dem Stadthaushalt endlich bewilligt sind und die Arbeiten begonnen haben. Seit vielen Jahren schon war das Projekt geplant, aber immer wieder verschoben worden. Er verstehe aber auch, dass die Bürger gerade jetzt besonders sensibel auf Baumfällungen reagieren, quasi um jeden Baum kämpfen.

Neue Bäume sollen alte Riesen im Drackendorfer Park ergänzen

Nicht zuletzt wegen der anhaltenden Trockenheit musste erst vor zwei Wochen eine mehr als 100 Jahre alte Buche gefällt werden, die Äste abgeworfen hatte. Der prächtigen Blutbuche - einem Blickfang inmitten des Parks - wünscht Raithel noch ein langes Leben. Mit ihren 180 bis 200 Jahren gehört sie zu den ältesten Baumriesen im Park.

Baumfällungen im Drackendorfer Park in Jena sorgen für Proteste bei Bürgern. Bei einer Begehung wurden die Pläne für den Umbau erläutert.
Der 1854 errichtete Pavillon nach italienischem Vorbild, das sogenannte Teehäuschen, wurde saniert. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Dringend müssten neue Bäume nachgepflanzt werden, so Raithel. Er mahnt an, die Parkbäume auch regelmäßig zu pflegen. Ein über fünf Jahre abgeschlossener Pflegevertrag - Bewässerung der Bäume inklusive - sichere das zu, beruhigt Elke Zimmermann. Auch die Wege sollen wieder hergestellt, der Springbrunnen vor dem Pavillon rekonstruiert und die kleine Brücke fertiggestellt werden. Alles im nächsten Jahr. Vielleicht hätte Goethe, der den Park seinerzeit gern besuchte, dann hier doch wieder seinen Spaß...

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 21:10 Uhr

7 Kommentare

W.Merseburger vor 7 Wochen

Zum oben beschriebenen Fall kann ich fachlich sachlich nichts sagen, besonders , ob das positiv oder negativ zu bewerten ist. Eines macht mir aber Sorgen. Der Kampf um den Erhalt eines jeden Baumes führt zwangläufig dazu, dass Naturereignisse, wie Stürme oder große Mengen Nasschnee im Winter dann den Baumbestand, besonders die kranken Bäume, dezimieren mit oft großen Schäden an Gebäuden, Eisenbahnlinien und Straßen. Dabei müssen die Unwetter gar nicht mehr so stark sein, wenn die Bäume bereits sehr instabil sind. Deshalb ist mehr Sachverstand und Vernunft angezeigt und vordergründiger politischer Aktionismus oft auch schädlich.

Leachim-21 vor 7 Wochen

interessanter Artikel genau auf zeigt was hier in Deutschland Land auf Land runter falsch läuft, auf der einen Seite beschweren sich diese Politiker in Landes- und Bundesverantwortung über die Länder am Amazonas die den regenwalt immer mehr abholzen und was machen unsere Politiker vor Ort also hier das gleiche . was für eine Heuchelei ist das den und der Bürger soll einmal mehr wider die Zeche zahlen . wacht auf und wählt richtig die grünen sitzen mit in der Thüringer Regierung und lassen Bäume fällen was kommt als nächstes auf den Bürger zu .

Sharis vor 7 Wochen

@Durchblick: Der Binnenmarkt für Bau- & Brennholz ist derzeit völlig übersättigt, da würde es gar keinen Sinn machen, Parkbäume fürs Geld zu fällen.
Die Fällung "aus ästehtischen Gründen" wie im Fall hier sollte natürlich unterbleiben, aus Sicherheitsgründen müssen kranke Bäume aber durchaus gefällt werden.

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