Nahverkehr Die ersten drei E-Busse: Jena rüstet Flotte um

Seit fast 120 Jahren fährt in Jena ganz umweltfreundlich die Straßenbahn. Nun sind auch die Linienbusse dran. Die ersten drei Elektrobusse sind seit Donnerstag unterwegs. 2,2 Millionen Euro kostet das Projekt - 300 Tonnen Kohlendioxid lassen sich dadurch einsparen. In den nächsten Jahren will die Stadt auch die verbleibenden 41 herkömmlichen Busse ersetzen.

von Olaf Nenninger

Jena hat neue E-Busse angeschafft.
Die ersten drei Elektrobusse für den Linienverkehr in einer Thüringer Großstadt: Jena will noch mehr von ihnen anschaffen. Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Nur ein leises Summen ist zu hören, als Andreas Möller den neuen Mercedes eCitaro in Bewegung setzt. Der Geschäftsführer des Jenaer Nahverkehrs lässt es sich nicht nehmen, seine Gäste persönlich auf der Jungfernfahrt des neuen Elektrobusses zu chauffieren. Drei dieser umweltfreundlichen Großgefährte hat das Unternehmen angeschafft. Sie sollen künftig auf der Linie 5 zwischen Westbahnhof und Rautal verkehren. Jena ist die erste Thüringer Großstadt, die Elektrobusse im Linienverkehr einsetzt. In Bad Langensalza fahren schon E-Busse.

Auch wenn die neuen Busse bereits zahlreiche Testfahrten im Jenaer Stadtverkehr hinter sich haben, ist Möller immer noch begeistert von den Fahreigenschaften: "Der Bus fährt sich sehr komfortabel. Die Beschleunigung ist sehr gut. Der Fahrkomfort ist für die Fahrgäste hoffentlich genauso gut wie für die Fahrer selbst. Natürlich müssen alle unsere Mitarbeiter das Fahrzeug kennenlernen, wie man in Havariesituationen reagiert und wie die Busse nachgeladen werden. Das braucht noch eine ganze Weile, aber mit der Hälfte der Fahrerinnen und Fahrer sind wir schon durch."

80 Prozent Förderung für Jenas E-Busse

Im Jenaer Straßenverkehr soll es bald leiser und umweltfreundlicher zugehen. Und das haben sich Land und Stadt einiges kosten lassen. Den Gesamtwert der drei Busse plus Ladestationen und Umbauten in den Werkstätten beziffert das Unternehmen auf 2,2 Millionen Euro. 80 Prozent davon wurden vom Freistaat gefördert. Gute zwei Jahre hat es gedauert von der Entscheidung, die Busse anzuschaffen, bis sie endlich auf dem Betriebshof standen.

Das klingt nach einer langen Zeit, aber die ist ja bekanntlich relativ. Aus Sicht von Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Zaremba haben die Beteiligten mit Hochdruck gearbeitet. "Alle haben so schnell agiert, wie es möglich war. Wir waren schnell mit unserem Fördermittelantrag, und das Land war auch schnell da. Aber es ist natürlich immer noch ein 'Leuchtturmprojekt'. Die Busse mussten schließlich für den Standort Jena gebaut werden. Parallel dazu hatten wir die Infrastruktur umzubauen: Ladestationen und Werkstätten. Das alles hat Zeit gekostet."

Jena hat neue E-Busse angeschafft.
Auf Jenas Straßen werden künftig immer mehr E-Busse zu sehen sein. Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Bus mit USB-Dosen und Sensoren

Denn Jena hat sich so einiges vom Hersteller gewünscht: Dazu gehören unter anderem eine Sicherheitskabine für den Fahrer, Dutzende USB-Steckdosen für die Fahrgäste, Sensoren, die die Passagiere automatisch beim Einsteigen zählen, und ganz besonders wichtig: ein Sensor, der Fahrradfahrer neben dem Bus erkennt. Dieses Side Assist genannte System macht den Fahrer beim Rechtsabbiegen sofort darauf aufmerksam, wenn ein Pedalist im toten Winkel radelt.

Sieben Minuten an der Schnell-Ladestation

Aber ganz oben auf der Wunschliste der Jenaer stand etwas, das den Einsatz im Linienverkehr überhaupt erst möglich machte: Auf dem Dach des Busses wurde ein Pantograf eingebaut. Der fährt dann unter der Ladestation am Westbahnhof aus und gibt den zehn riesigen Akku-Packs frischen Saft. Sieben Minuten Zwischenladezeit müssen reichen - dann geht es für die Linie 15 auf in die nächste Runde. Das reicht, beruhigt Andreas Möller. 150 Kilometer Reichweite seien vom Hersteller garantiert. "Wir werden auch in Extremsituationen Klimaanlage oder Heizung weiterhin mit Diesel oder Heizöl betreiben, um diese Fahrzeuge wirklich ganz stabil einsetzen zu können."

Jena hat neue E-Busse angeschafft.
Der sogenannte Pantograf verbindet den Bus mit der Schnellladestation. Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Sechsstellige Kosten für einen E-Bus

690.000 Euro kostet so ein Elektro-Bus. Mit drei von ihnen ließen sich nach Berechnungen des Unternehmens rund 300 Tonnen CO2 jährlich einsparen. Das entspräche dem Ausstoß von 180 Dieselautos. Deshalb tragen die neuen Busse auch das Signet des Blauen Umweltengels. Langfristig will das Unternehmen alle 44 Busse durch E-Varianten ersetzen. Doch das wird noch Jahre und Jahrzehnte dauern. Denn momentan ist keine neue Förderung vom Umweltministerium in Sicht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20. Februar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2020, 20:21 Uhr

16 Kommentare

EnergieWende - jetzt... vor 6 Wochen

"300 Tonnen CO2 lassen sich dadurch einsparen"
entspricht ≈ 113.000 Liter Diesel-Verbrennung (2,65kg CO2/Liter) ≈ 300.000km Fahrleistung jährlich (pro Bus tgl. ≈275km).
➯ Dafür verfahren E-Busse ≈ 450.000kWh Akku-Ladung (Verbrauch 1,5kWh/km) und benötigen bei max. 90% Akku-Effizienz über 500.000kWh Elektrizität.

So lange regenerativer Ausbau im weiten Umkreis weiterhin stagniert und Windkraft-Abregelung auf Netzsegmente nördlich Berlin beschränkt bleibt, wird zumindest Schnell-Ladung überwiegend mit zusätzlich erzeugtem Kohle-Strom aus Tschechien + Lausitzer Revier erfolgen.
➯ was also nützt lokale Einsparung von 300t CO2 dem Klima, wenn dafür woanders 500t aus Kohle-Kraftwerken geblasen werden? 
➯ damit E-Mobilität effektiv CO2 sparen kann, muss zuerst regenerative Elektrizitätsversorgung als Basis geschaffen werden, die bislang nur in Küstenregionen genügend Reserven bietet.

Wer diesem Pferd hinterher rennt, zäumt es mit E-Mobilität vom Schwanz her auf: die Sache stinkt gewaltig!

Jena vor 6 Wochen

Die neuen Elektrobusse sind super schick und mitfahren ist echt beeindruckend. Fährt fast ohne Geräusche aber mit unglaublichen Schub. Ich bin definitiv begeistert und hoffe auf weitere Entwicklung der Technik. Diese anti elektro Hysterie einger gestrigen ist für mich nun noch unverständlicher. Grüße aus Jena

Marko vor 6 Wochen

230 km ist zu wenig für dresden . Auf einigen Linien kommen am Tag 200 bis 300 zusammen. Und dann wäre da noch die Heizung und die Beleuchtung. Im laufenden Betrieb ist es schlich unmöglich das Ding lange laden zu lassen.

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