Zeitschriften Nacktheit subjektiv inszeniert: Erotik-Magazin "Flut" aus Jena

Erotik ist subjektiv. Das stellen die Herausgeberinnen des Magazins "Flut" aus Jena in der ersten Ausgabe unter Beweis: Sie zeigen erotische Fotos, die sich der Mainstream-Pornographie verweigern.

Eines der Motive aus der alternativen Erotikmagazin 'Flut': 'Ulla, 2019' von FangSheng Chou.
Eines der Motive aus "Flut": "Ulla, 2019" von FangSheng Chou. Bildrechte: FangSheng Chou

Mit einem Erotikmagazin vom Zeitschriftenstand hat "Flut - Magazin für gegenwärtige Erotik" nichts zu tun. Denn das sind, zu denken wäre da an die üblichen Verdächtigen wie "Playboy" oder "Penthouse", "Männermagazine für Heteros". "'Flut' ist anders", erklärt Franziska Schaden, eine der Herausgeberinnen des Magazins:

Mainstream-Erotik orientiert sich zumeist an der Lust heterosexueller Männer. Da geht es um Schönheitsideale wie große Brüste und Pos. Diese Publikationen lassen nur eine Betrachtungsweise zu. Echte Sinnlichkeit geht da verloren. Es muss ja nicht immer alles straff und glattrasiert sein.

Franziska Schaden, Co-Herausgeberin des Magazins "Flut"

Anfang des Jahres kamen drei Studentinnen aus Jena auf die Idee, ein alternatives Erotikmagazin herauszugeben. Inspiriert wurden sie von einer Publikation von Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Die gaben bereits erfolgreich "Das Erotik Magazin" heraus. Schnell infizierten die Jenaer Studentinnen Kommilitoninnen mit ihrer Idee. In dem Begriff "Flut" fanden sie einen starken Titel.

Was sich hinter dem Namen verbirgt

"Mit Flut verbindet sich so viel. Man denkt an Fülle, Ströme, die Gezeiten, ein Auf- und Abschwellen, etwas Ungeordnetes und doch Mitreißendes", rekapituliert Mitherausgeberin Anna Ebert die Titelfindung. Das Team ist komplett weiblich. Das war nicht beabsichtigt, es ergab sich einfach. Sie hätten sich auch über männliche oder diverse Kollegen gefreut. Kann ja noch werden.

Franziska Schaden, Lena Schwaab, Laura Theimer und Paula Willert
Franziska Schaden, Lena Schwaab, Laura Theimer und Paula Willert (v.l.n.r.) gehören zu den Herausgeberinnen des alternativen Erotik-Magazins "Flut". Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Auch die Autoren und Fotografen sind überwiegend Autorinnen und Fotografinnen. Auch das keine Absicht: "Es geht bei 'Flut' nicht darum, nur Frauen zum Zug kommen zu lassen. Aber es haben eben fast nur Frauen ihre Arbeiten eingereicht", erklärt Lena Schwaab, ebenfalls Mitherausgeberin.

Keine perfekt ausgeleuchteten Hochglanzfotos

Auf knapp 70 Seiten stellt die erste Ausgabe von "Flut" alle Gewissheiten über die Darstellung von Erotik und bisweilen Pornographie in Frage. Keine perfekt ausgeleuchteten Hochglanzfotos, die um Lifestyle-Texte herumgruppiert werden. Das Magazin aus Jena setzt auf Fotokunst, mal farbig, mal schwarz-weiß: Junge, Ältere, Männer, Frauen, Transsexuelle. Sie stellen weniger Erotik dar, vielmehr werden die Auseinandersetzungen von Fotografinnen und Fotografen mit dem Thema präsentiert. Die Fotos zeigen viel, ohne anzüglich oder vulgär zu wirken.

Cover und Innenseite des alternativen Erotikmagazins "Flut" aus Jena.
Cover und Innenseite der ersten Ausgabe von "Flut". Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Unterbrochen werden die Fotoreihen von Gedichten und Essays zum Thema Erotik und Zwischenmenschlichkeit. In dieser Kombination aus Les- und Schaubarem folgt "Flut" der klassischen Erzähllogik etablierter Magazine - in der Ausführung aber gegen alle Konventionen. Franziska Schaden: "Erotik ist für uns ein subjektiver Eindruck."

Abgelehnt, weil zu nah am Mainstream

Die Flut-Erotik ist eine Collage aus den Einreichungen, die das Team bekommen hat. Also ein Überblick über das, was junge Autorinnen, Autoren, Fotografinnen und Fotografen bewegt. Fast. Denn so manche Einreichung fand den Weg nicht ins Heft. Sie waren den Herausgeberinnen zu nah am Mainstream.

Feste Redaktionsräume haben sie nicht. Entstanden ist das Team bei zahllosen Treffen in den Wohnungen der Herausgeberinnen. Und die kommen alle ursprünglich aus dem Umfeld der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie studieren Kunstgeschichte, Filmwissenschaft oder Psychologie. Eine Mitstreiterin ist kürzlich zum Studium an die Bauhaus-Universität nach Weimar gewechselt.

150 Exemplare ihres zeitgenössischen Erotik-Magazins hatte das Flut-Team für die Veröffentlichungsfeier im November drucken lassen. Alle Hefte wurden ihnen noch am Abend aus den Händen gerissen. Nachschub kommt Ende dieser Woche. Und über die nächste Ausgabe denken die jungen Herausgeberinnen auch schon nach. Im Zeitschriftenhandel gibt es "Flut" nicht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Marlene | 13. Dezember 2019 | 21:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2019, 12:47 Uhr

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