Kundgebung FDJ marschiert in Jena - und erntet Kopfschütteln und Protest

Rote Halstücher, blaue Hemden, Fahnen und Arbeiterlieder: Mitglieder der FDJ sind am Samstag durch Jena gezogen. Protest gab es aus verschiedenen politischen Lagern.

FDJ marschiert durch Jena
Mit einem auf dem Dach liegenden Trabant zogen die FDJ-Mitglieder am Samstag durch Jena. Bildrechte: MDR/Uwe Kelm

Rund 30 Anhänger der Freien Deutschen Jugend sind am Samstag mit blauen Hemden und roten Fahnen durch Jena gezogen. Die Organisation tourt gerade durch mehrere ostdeutsche Städte Deutschlands, um für ihre revolutionären Ziele zu werben. Vor einigen Wochen hielt sie in Zwickau eine ähnliche Veranstaltung ab. Zu Ausschreitungen kam es nach Angaben der Polizei in Jena nicht. Die Demonstranten hatten für 20 Minuten die Kreuzung am Lutherplatz besetzt, die Polizei musste den Verkehr regeln.

Bei einigen Zuschauern sorgte die Veranstaltung für Unmut und Kopfschütteln. Im Vorfeld hatten Parteien und Gruppen zu Gegenprotesten aufgerufen. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU Thüringen, Christian Hirte, teilte mit, "es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass wir uns im 30. Jahr der Wiedervereinigung einer Demonstration entgegenstellen, welche die DDR in einer unerträglichen Art und Weise verherrlicht". Er rief alle im Landtag vertretenden Parteien zum Gegenprotest auf.

FDJ marschiert durch Jena
Gegen den FDJ-Aufmarsch gab es breiten Protest. Bildrechte: MDR/Uwe Kelm

Auch Mitglieder der Linken verurteilten die Demonstration. Linke Gruppen hatten im Vorfeld zu Protesten aufgerufen. Ihrer Ansicht nach setzten die Anhänger der FDJ auf Autoritarismus und Stalinismus, was mit den Zielen einer "emanzipatorischen Linken" nicht vereinbar sei.

Geschichte der FDJ

Die meisten Mitglieder der FDJ stammen aus den westlichen Bundesländern. Aus dem eigenen Erleben kennt kaum jemand die DDR. Gegründet wurde die Freie Deutsche Jugend 1936 im Pariser Exil als Widerstandsorganisation gegen die Nationalsozialisten. Nach dem Krieg wurde die Freie Deutsche Jugend 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone als kommunistische Kadertruppe wiederbelebt. Erster Vorsitzender war Erich Honecker.

In der Bundesrepublik wurde die FDJ 1951 verboten. In der DDR hingegen avancierte sie zur Stütze des Staates. Wer die Mitgliedschaft verweigerte, erfuhr Benachteiligungen. Als die DDR verschwand, schien es auch mit der FDJ vorbei. Im Osten darf sie weiter auftreten. Im Westen wurde das Verbot nie aufgehoben. Eine Strafverfolgung findet trotzdem kaum statt.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 04. Juli 2020 | 18:00 Uhr

128 Kommentare

martin vor 5 Wochen

@matthias: Ich persönlich sehe die Rolle von Ebert und anderen führenden SPD-Genossen im Kontext des sog. Kapp-Putsches und der Kämpfe im Ruhrgebiet sehr kritisch. Meiner Meinung nach wurde (vermutlich aus Angst vor dem Bolschewismus) den Putschisten viel zu wenig entgegen gesetzt und sie wurden - entgegen geltendem Recht - auch faktisch nicht zur Verantwortung gezogen. Damit konnten sich Strukturen verfestigen, die dem Aufstieg des Faschismus zumindest hilfreich zur Seite standen ....

martin vor 5 Wochen

@kritiker: Zum einen hängt die Radikalität einer Gruppierung für mich zunächst einmal nicht mit deren Größe zusammen. Zum zweiten habe ich die Truppe voriges Jahr als Teil einer Demonstration bemerkt und das Auftreten zunächst für Satire gehalten - dann aber gemerkt, dass sie das ernst meinen. Die dort geäußerten Vorstellungen zu einer zukünftigen (nach deren Meinung: besseren) Gesellschaft und dem revolutionären Weg dorthin passen meiner Meinung nach nicht so richtig zu unserer Verfassung.

Der Matthias vor 5 Wochen

@ Kritiker

"doch den Gesamteindruck überlassen Sie bitte den Menschen, die ebenfalls Ihrer oder entsprechender anderer Meinungen sind."

Jetzt, wo Sie mich noch einmal explizit darauf hinweisen, fehlt es Ihrem Satz sogar an innerer Logik (fällt mir erst jetzt so richtig auf): Wieso soll ich denjenigen gefälligst den Gesamteindruck überlassen, die meine Meinung sowieso teilen? Wo ist denn da die innere Logik des Satzes???

"Nur eine Begründung dazu: Sie meinen Ihre Meinung sei die einzig richtige."

Im Gegenteil, diesen Anspruch erheben Sie doch für sich bzw. andere mit der expliziten Aufforderung an mich: "doch den Gesamteindruck überlassen Sie bitte den Menschen. . ."

Lassen Sie mir bitte doch einfach meine Meinung und mein gutes Recht auf eine Gesamtbeurteilung der Geschichte und gut is! So, wie ich Ihnen dasselbe Recht gleichermaßen zugestehe bzw. Ihnen gegenüber nie absprechen würde!

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