Roland Duchâtelet
Roland Duchâtelet Bildrechte: IMAGO

FC Carl Zeiss Jena Stiller Investor: Seit fünf Jahren engagiert sich Roland Duchâtelet in Jena

Anfang 2014 stieg der belgische Millionär beim FC Carl Zeiss Jena als Investor ein. Seither hat er viel Geld in den Verein investiert, aber mit öffentlichen Auftritten hält er sich zurück. Doch das könnte sich ändern.

von Jörg Thiem

Roland Duchâtelet
Roland Duchâtelet Bildrechte: IMAGO

Professioneller Fußball im 21. Jahrhundert geht nicht ohne Geld. Zu dieser Erkenntnis gelangten die Verantwortlichen des FC Carl Zeiss Jena schon Anfang dieses Jahrtausends. Und nachdem sich herausstellte, dass der Namensgeber des Vereins, der Konzern Carl Zeiss, auch auf absehbare Zeit kein Geld für den Profifußball ausgeben wird und die vielen kleinen und mittleren Sponsoren auf Dauer nicht ausreichen werden, war es nur eine Frage der Zeit, einen finanzkräftigen Geldgeber zu suchen. Der heutige Geschäftsführer Chris Förster arbeitete zu diesem Zeitpunkt in der Chefetage von X-Fab in Erfurt und hatte seinen großen Boss und Firmenmitgründer Roland Duchâtelet schon mehrfach wegen einer Zusammenarbeit mit dem Jenaer Verein angesprochen. Dann signalisierte der Belgier, der seine Millionen u.a. in der Mikroelektronik verdient, Interesse und kam mit dem damaligen Präsidenten Rainer Zipfel in Kontakt. Doch der belgische Multimillionär wollte nicht als Sponsor einsteigen. Duchâtelet wollte sein Geld als Investor einsetzen. Immer mit der Maßgabe, wenn der Verein talentierte Spieler ausbildet und gewinnbringend verkaufen kann, bekommt er seinen Anteil vom Verkauf.

"Den Einstieg illusionslos betrachten"

Vor fünf Jahren war es so weit. Am 22. Januar 2014 unterzeichneten Zipfel und der belgische Multimillionär Duchâtelet einen Vertrag. Damit hatte der damalige Fußball-Regionalligist einen Investor ins Boot geholt, der zunächst für viele Wirbel - vor allem bei einer Reihe von Ultras - sorgte. Denn sowohl der Vertrag an sich als auch der Mann aus Belgien mit seinen Unternehmungen waren nicht unumstritten. Mit der Unterschrift unter den Vertrag erhielt die FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH zwei Millionen Euro. Duchatelets Firma Staprix NV hatte sich durch den Vertrag 49,98 Prozent der Stimmrechte an der FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH gesichert. Allerdings war damit auch verankert, dass der FC Carl Zeiss Jena e.V. immer die Stimmenmehrheit in der Gesellschaft hat. Gleichwohl erhält der Investor die Mehrzahl der Anteile, nämlich 95 Prozent. Nach der Vertragsunterzeichnung kommentierte ein Teil der Ultrafanszene dass so: "Natürlich muss man den Einstieg auch illusionslos betrachten: Es geht um Kohle und Gewinne, Kontakte und Synergien für das Netzwerk. Der Jenaer Fußball an sich ist da ein brauchbares Glied, welches günstiger denn je zu bekommen war." Jena ist nicht der einzige Verein, den der Belgier unterstützt bzw. als Investor betreibt. Duchatelet und seine Familie sind bei vier weiteren Fußballvereinen engagiert: VV Sint-Truiden (Belgien), Charlton Athletic (England), AD Alcorcon (Spanien) und Ujpest Budapest (Ungarn).

Geschäftsführer Chris Förster und Investor Roland Duchatelet.
Geschäftsführer Chris Förster und Investor Roland Duchâtelet im Stadion in Jena Bildrechte: IMAGO

Nach nunmehr fünf Jahren räumt Vereins-Geschäftsführer Chris Förster ein, dass seither mehr als sechs Millionen Euro in die Spielbetriebs GmbH geflossen sind. Damit nicht genug: Der belgische Investor hat ein Vier-Millionen-Euro-Darlehen an Fußball-Drittligist FC Carl Zeiss Jena vollständig in eine wirtschaftliche Erfolgsbeteiligung umgewandelt. Förster bestätigte im Sommer 2017, der Investor habe über den noch ausstehenden Darlehens-Betrag von zwei Millionen Euro einen Besserungsschein, also einen Schuldenerlass, akzeptiert. Für zwei Millionen Euro hatte Duchâtelet einen solchen Schein schon 2017 akzeptiert. Aber es gibt die Bedingung: Bessert sich die wirtschaftliche Lage des FC Carl Zeiss Jena, sind die Schulden wieder da. Im Fall des Duchâtelet-Darlehens gilt diese Regelung ab dem Jahr 2023. Überschreitet der Jahresgewinn der Vereinsgesellschaft im jeweiligen Bilanzjahr die Summe von zwei Millionen Euro, fließt vom Jahresüberschuss des Folgejahrs ein Drittel als Tilgung des Darlehens an den Investor. Duchâtelet würde sein Geld nach dieser Regelung also nur wiederbekommen, wenn der FC Carl Zeiss kontinuierlich hohe Gewinne erwirtschaftet.

Im Laufe der Zeit hatte es auch ab und zu Unstimmigkeiten zwischen dem millionenschweren Investor aus Belgien und den Thüringern gegeben. So war es eskaliert, als es um die Vertragsverlängerung mit Trainer Volkan Uluc ging. Der damalige Präsident und Sportdirektor des Vereins, Lutz Lindemann, hatte ohne Gesellschafterbeschluss den Vertrag mit Uluc verlängert. Als das Damoklesschwert der Insolvenz über dem Verein schwebte, ruderte der Verein zurück. Duchâtelet drohte zwischenzeitlich mit dem Ausstieg aus dem Vertrag. Gleichzeitig kam der Investor aber seinen Verpflichtungen nach und überwies die angeforderten Kredite.

Aus dem operativen Geschäft hält er sich weitgehend heraus

Soweit die finanzielle Seite des Vertrages mit dem Belgier. Andere Befürchtungen haben sich aber ganz offensichtlich nicht bewahrheitet, nämlich die, dass sich Duchâtelet auch sportlich einmischt und zahlreiche belgische Spieler nach Jena delegiert. Zwar kamen in dieser Zeit mit Kenny Verhoene ein Belgier als Sportdirektor und mit Joe Coppens ein weiterer Landsmann als Torhüter nach Jena. Die Diskussionen zwischen dem damaligen Präsidenten Lutz Lindemann entschied der Belgier am Ende für sich. Mit dem Nachfolger Klaus Berka pflegt der Mann aus Belgien wohl ein entspanntes Verhältnis. Alles in allem hielt sich der Investor aber aus dem operativen Geschäft weitgehend heraus. Auch seine Besuche in Jena kann man vermutlich an einer Hand abzählen.

Es könnte aber sein, dass die in Zukunft häufiger werden. In diesen Wochen läuft ja immer noch die europaweite Ausschreibung der Stadt für ein neues Stadion und es ist nicht ausgeschlossen, dass auch hier Roland Duchâtelet mit im Spiel ist. Für ihn sind Fußballstadien nach eigenen Aussagen viel mehr als nur Sportstätten, in denen Männer am Wochenende 90 Minuten Fußball schauen. Er möchte, dass moderne Stadien alle Mitglieder einer Familie anziehen, dass sie zu Erlebnisorten werden für Groß und Klein, für Sportbegeisterte ebenso wie für Familien mit Kleinkindern. Dazu aber braucht es eine entsprechende Infrastruktur. Würde Roland Duchâtelet in Jena den Zuschlag zum Bau eines neuen Fußballstadions erhalten, könnte er seine Vorstellungen umsetzen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2019, 10:34 Uhr

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10 Kommentare

23.01.2019 01:45 Stealer 10

@Hinterwäldler: Okay, der Kommentar war gut, danke dafür.

@Rom1980: Zeiss fördert durchaus Projekte, halt nur keinen Profifußball bzw. insgesamt keine großen Sachen. Und klar, der Verein macht kostenlos Werbung, aber das ist ein zweischneidiges Schwert, für beide Seiten. Genug Leute ohne weitere Kenntnisse glauben, dass sich die Zeiss AG wie damals der VEB ein eigenes Fußballteam leistet und dirigiert. Was nicht immer gute Werbung war... . Auf der Vereinsseite ist der Name (wer denkt da schon außerhalb Jenas an die Person Carl Zeiß) vermutlich auch nicht immer hilfreich gewesen.

Allerdings denke ich, dass zumindest eine Förderung des Nachwuchses für Zeiss durchaus drin wäre.

22.01.2019 21:00 Chris aus Franken 9

Ich hätte mir vom mdr eine objektivere Betrachtung zu den Investitionen vom Herrn Duchâtelet gewünscht, als ihn über den grünen Klee zu loben. Es ist nicht alles Gold , was glänzt, mit Charlton Athletic hat er einen englischen Traditionsverein zu Grunde gerichtet, davon verliert man hier kein Wort...schade.

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