Ein Mann wirft ein Kantholz über den Zaun.
Der verurteilte 26-Jährige beim Spiel Carl Zeiss Jena gegen 1860 München. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Krawalle in Jena Bewährungsstrafe und Stadionverbot für Fußballrowdy

Schwere Ausschreitungen überschatteten den Klassenerhalt von Carl Zeiss Jena am letzten Drittliga-Spieltag. Ein 26-Jähriger verletzte zwei Polizisten mit einem Holzblock. Das Amtsgericht Jena verurteilte den Mann jetzt.

Ein Mann wirft ein Kantholz über den Zaun.
Der verurteilte 26-Jährige beim Spiel Carl Zeiss Jena gegen 1860 München. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Amtsgericht Jena hat einen Schweizer Fußballrowdy zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Nach Krawallen rund um das Drittliga-Spiel zwischen Carl Zeiss Jena und 1860 München verurteilte das Gericht den 26-Jährigen nun wegen gefährlicher Körperverletzung. Außerdem erhielt er eine Stadionsperre in Deutschland für vier Jahre. Zudem muss er 4.000 Euro Schmerzensgeld an zwei Polizisten zahlen.

Der Schweizer hatte im Mai in Jena mit einem neun Kilogramm schweren Kantholzblock nach Polizisten geworfen. Zwei Beamte wurden dabei verletzt. Außerdem soll er eine Metallstange über den Zaun geschleudert haben. Im Prozess am Mittwoch entkam er nur knapp einer Gefängnisstrafe. Kurz nach Beginn der Verhandlung zogen sich die Richterin, der Staatsanwalt und die Verteidigerin zurück. Sie handelten einen Deal aus, nach dem der Angeklagte nicht ins Gefängnis muss.

In der Schweiz bereits vorbestraft

In der Begründung hieß es von der Richterin, dass der Mann bereits am ersten Tag geständig war. Außerdem war er bereit, ein aus Sicht der Richterin angemessenes Schmerzensgeld zu zahlen. Die rund einmonatige Untersuchungshaft solle für ihn außerdem ein Zeichen gewesen sein, nicht wieder straffällig zu werden. In der Schweiz ist der Mann bereits mehrfach vorbestraft. Die letzte Vorstrafe liegt allerdings bereits mehrere Jahre zurück.

Fußballrowdy nach Krawallen in Jena im Gerichtssaal
Der Angeklagte im Gerichtssaal - umgeben von Polizisten. Bildrechte: MDR/Oliver Gussor

Mit im Gerichtssaal saß außerdem eine Dolmetscherin, da der gebürtige Lausanner nur Französisch spricht. Neben Angehörigen waren im Saal mehr als zehn Polizisten anwesend, um den Prozess abzusichern. Die Polizei hatte mit Protestaktionen Jenaer Fans gerechnet. Die Fanszene aus Jena ist mit der des Eishockeyclubs in Lausanne befreundet, zu der der Angeklagte gezählt wird.

22 Polizisten in der vergangenen Saison verletzt

Bei den schweren Krawallen im Drittliga-Spiel zwischen Carl Zeiss Jena und 1860 München wurden insgesamt 14 Beamte verletzt. In der kompletten abgelaufenen Saison erlitten nach Polizeiangaben insgesamt 22 Beamte Verletzungen. Das sind so viele wie seit Jahren nicht mehr. Zum Vergleich: In der Saison zuvor waren neun Polizisten betroffen.

Thüringenweit beziffert die Polizei die Zahl sogenannter Problemfans, die potenziell gewalttätig sind, auf etwa 650. Die meisten davon bewegen sich im Umfeld des FC Rot-Weiß Erfurt und des FC Carl Zeiss Jena. Hooligans und Ultras gebe es aber auch beim FSV Wacker Nordhausen und bei der BSG Wismut.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Juni 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2019, 20:53 Uhr

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45 Kommentare

28.06.2019 19:30 martin 45

@44 frank: Das Verdrehen von Äußerungen überlasse ich gern Ihnen - das scheinen Sie gern zu üben.

Und ja: Ein Polizist sollte rechtsstaatliches Verständnis haben, selbst wenn er mit einem Kantholz beworfen wird. Auch das wird in der Ausbildung trainiert.

Ich schrieb übrigens nicht, dass ein härteres Urteil keine Wirkung hat, sondern lediglich die wissenschaftliche Hauptmeinung, dass bei emotionalen Taten die negative Generalprävention i.d.R. keine Wirkung entfaltet.

Aber wenn eine komplexe Wirklichkeit für Sie eine Überforderung darstellen sollte, so dass sich Ihre Gehirnwindungen verdrehen, dann sollte Sie vielleicht bevor Sie solche Antworten schreiben die Suchmaschine Ihres Vertrauens zur "negativen Generalprävention" mal anwerfen oder bei Wikipedia im Kap. 3.1 der Strafzwecktheorie einen ersten Eindruck erhaschen. Oder war der Satz jetzt zu komplex für Sie?

28.06.2019 18:27 Frank 44

@martin: Ein Polizist sollte rechtsstaatliches Verständnis haben, wenn er mit Kanthölzern beworfen wird, schließlich ist der Täter emotional gesteuert und ein hartes Urteil hätte keine Wirkung...? Wow, das ist mal eine verdrehte Weltanschauung.

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