Glyphosat wird auf ein Feld gesprüht.
Glyphosat wird auf ein Feld gesprüht (Symbolfoto). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unkrautvernichter vor dem Aus Landwirte diskutieren Alternativen zu Glyphosat

Seit über 40 Jahren ist Glyphosat auf dem Markt. Es ist der weltweit meisteingesetzte Unkrautvernichter. Doch damit könnte ab 2023 Schluss sein. Über Alternativen wurde auf einer Tagung für Landwirte in Jena diskutiert.

von Anke Preller

Glyphosat wird auf ein Feld gesprüht.
Glyphosat wird auf ein Feld gesprüht (Symbolfoto). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Konferenzraum im Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum in Jena ist gut gefüllt. Mehr als 100 Landwirte und Vertreter von Behörden sind gekommen. Eine Umfrage unter den anwesenden Landwirten zeigt, dass sie einem möglichen Glyphosat-Verbot ab 2023 skeptisch gegenüber stehen. Sie sehen große Probleme auf sich zukommen und werden darin letztlich von den Landwirtschaftsexperten bestätigt.

Bis zu 5.000 Tonnen Glyphosat werden auch jährlich auf deutschen Feldern, aber auch in Gärten und Grünanlagen versprüht. Seit Jahrzehnten wird es jetzt eingesetzt. Damit könnte ab 2023 Schluss sein. Denn seit fünf Jahren ist das Herbizid in den Schlagzeilen. Zwar ist nicht belegt, ob es krebserregend für den Menschen ist. Laut einer im vergangenen Jahr in den USA veröffentlichten Studie soll Glyphosat für das weltweite Bienensterben verantwortlich sein.

Keine chemische Alternative

Broschüre zu Glyphosat des Landes Thüringen
Broschüre zur Minimierung von Glyphosat-Einsatz. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Ein anderer ebenso wirksamer und vergleichsweise preiswerter Wirkstoff wie Glyphosat ist nicht auf dem Markt. Es gebe keine chemische Alternative, sagt Reinhard Götz, der Referatsleiter Pflanzenschutz im Thüringer Landesamt für Landwirtschaft. Götz stellt erste Ergebnisse des Thüringer Glyphosat-Projekts vor. Die vor zwei Jahren gestartete "Minimierungsstrategie" sieht vor, den Glyphosat-Einsatz auf den Thüringer Feldern schon jetzt zu reduzieren. Wie?, dazu gibt eine im Rahmen des Projekts erarbeitete Broschüre Auskunft.

Auch zur mechanischen Unkrautbekämpfung als Alternative zum Glyphosat-Einsatz bekommen die Landwirte hier Tipps und Hinweise. Um Wurzelunkräuter wie Quecke oder den nach der Ernte wieder ausfallenden Raps zu bekämpfen, müssen die Felder umgepflügt werden. Und das mehrfach. Was für die Landwirte aufwendiger und am Ende auch teurer als die "chemische Keule" ist, so Götz. Vorgestellt werden auch dafür besonders gut geeignete Maschinen für die Bodenbearbeitung.

Neue Wege gehen

Doch diese alternativen Verfahren, stellt der Landwirtschaftsexperte Götz klar, sind von vielen Faktoren abhängig. Neben den Witterungsbedingungen spielen die Standorte der Betriebe und die richtige Technik eine Rolle. Götz berichtet auch von zwei Dauerfeldversuchen in Dornburg und Friemar zum reduzierten Glyphosat-Einsatz. In einem anderen Projekt werde an der Optimierung der Technik gearbeitet. Doch das alles sind nur Anregungen. Ein Patentrezept gibt es nicht.

Landwirte bei einer Tagung zu Glyphosat in Jena
Reinhard Götz, Experte für Pflanzenschutz und tätig im Thüringer Landesamt für Landwirtschaft. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Letztlich müsse jeder Landwirtschaftsbetrieb seinen Weg finden für die Zeit nach dem Glyphosat - und seine Arbeitsabläufe entsprechend verändern, so Götz. Viele Fragen der Landwirte bleiben auf der Tagung unbeantwortet. Auch wer die Kosten für die künftige Mehrarbeit trägt. - Nur in einem waren sich die meisten einig: Der Glyphosat-Ausstieg wird wohl kommen. Kaum einer glaubt, dass die bis Ende 2022 befristete Zulassung in Deutschland noch einmal verlängert wird.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 18. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 21:10 Uhr

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17 Kommentare

20.02.2019 20:50 Theodor Dienert 17

@16 martin, muss dir recht geben, das Verbot von Glyphosat kann nur die EU beschließen. Leider hat ja der CSU- Minister Schmidt seinerzeit in der EU für die Genehmigung gestimmt dieses Mittel weiterhin verwenden zu dürfen.
Ich hatte mir lediglich gewünscht, dass die Öko‘s mal ein Zeichen setzen und ihrem Dasein im Parlament eine Berechtigung erlangen.

20.02.2019 09:38 martin 16

@15 theodor: Auch wenn ich es nicht wirklich gern mache: Aber ich glaube, dass die Grünen in der Landesregierung an dieser Stelle nichts machen können, weil das Thema nicht zum Verantwortungsbereich der Bundesländer zählt. Allerdings: Sicher bin ich mir da nicht ....

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