Hunde aus dem Tierheim Jena diskutiert über Abschaffung der Hundesteuer für "Langsitzer"

In Jena wird über einen Vorstoß der CDU-Fraktion zur Hundesteuer diskutiert. Wenn es nach der Union geht, soll die Stadt auf die Einnahmen durch die Hundesteuer verzichten, wenn der Hundeliebhaber einen "Langsitzer" aus dem Tierheim nimmt - also einen Hund, der länger als zwei Jahre im Tierheim war. Bringt das den Tieren etwas und wie sieht es in anderen Thüringer Städten aus?

Isabelle Fleck
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von Isabelle Fleck

Tierheimhund Mustang
Einige Städte in Thüringen erlassen bereits die Hundesteuer, wenn Hunde nach langer Zeit im Tierheim vermittelt werden können. Bildrechte: MDR/Katja Evers

Hundebesitzer in Jena zahlen für ihren ersten Hund 84 Euro Hundesteuer pro Jahr. Für den zweiten Hund sind es 96 Euro, für jeden weiteren 120 Euro. Im vergangenen Jahr hat Jena so 186.700 Euro Hundesteuer eingenommen. Hunde aus dem Tierheim sind bereits für ein Jahr von der Hundesteuer befreit. Das ist seit vielen Jahren so, erzählt eine Mitarbeiterin der Abteilung Gemeindesteuern.

Vorlage in Jena: "Steuerfreiheit für Langsitzer im Tierheim"

Nun überlegt die CDU-Fraktion: "Wenn eine Kostenfreiheit für 'Langzeitsitzer' zu einer Vermittlung führen kann, dann wäre das ein gutes Ergebnis für Tier, Tierheim und die Stadt Jena." Laut Vorlage für den Stadtrat gibt es im Jenaer Tierheim 21 ständige Hunde-Plätze. "Während junge und gesunde Tiere mehr oder weniger schnell vermittelt werden können, verbringen ältere, verhaltensauffällige oder kranke Tiere häufig Jahre oder ihr ganzes Leben als sogenannte Langsitzer im Tierheim.

Gerade bei kranken Tieren entstehen erhebliche Kosten, die ein Vielfaches der derzeitig erhobenen Hundesteuer betragen und schlussendlich von der Stadt getragen werden. Deshalb liegt eine Vermittlung der Tiere auch aus finanzieller Sicht im Interesse der Stadt." Die CDU-Fraktion rechnet damit, dass durch eine neue Regelung pro Jahr rund zwei "Langsitzer" vermittelt werden könnten. Der Stadt würden dadurch zwar rund 300 Euro Hundesteuer fehlen, andere Kosten aber erspart bleiben. Das Thema stand am Mittwochabend auf der Tagesordnung des Stadtrats, wurde zu Beginn der Sitzung jedoch an den Finanzausschuss verwiesen.

Das sagt das Tierheim Jena

Juliane Köber findet es "grundsätzlich eine sehr nette Idee. Hier wurde mitgedacht. Leider müssen wir aber auch sagen, dass uns das Ganze in der Vermittlung leider nicht viel helfen wird." Die Ursache für die schlechten Vermittlungen seien nicht die Steuern der Stadt Jena, sondern meistens das "Problemverhalten der Tiere" - oder der passende Mensch zum Tier.

Stellvertretende Tierheimleiterin in Jena, Juliane Köber
Die stellvertretende Tierheimleiterin in Jena, Juliane Köber. Bildrechte: MDR/Katja Evers

Köber kümmert sich mit ihren Kollegen im Tierheim Jena beispielsweise um Maxel, Ida und Mustang. Maxel war ein ungewolltes Geschenk und hat seine Besitzer überfordert. Er lebt im Tierheim Jena, seit er acht Monate alt ist. Einige Male hatte er die Chance auf ein neues Zuhause, kam dort im Alltag aber nicht klar. Ida kommt aus dem Ausland, ist verspielt, witzig und gehorsam, sie ist gut erzogen, kann aber mit kleinen Kindern nichts anfangen. Mustang ist ein zurückhaltender, misstrauischer Hund, dem manche Situation von einer Sekunde zur anderen Angst machen kann - dann wird er aggressiv.

"Wir haben mit unseren Tieren keine Probleme", sagt Juliane Köber. Aber viele Hunde-Interessenten suchten "etwas Junges, etwas Einfaches. Und wir haben hier bei uns eben überwiegend "Problemfelle" sitzen, also Hunde, die sich unüberlegt angeschafft worden sind, deren Besitzer unerfahren waren, die alt oder krank sind. Alle diese Hunde haben eine Vorgeschichte".

Hund Maxel gibt Pfötchen
Maxel war ein ungewolltes Geschenk und hat seine Besitzer überfordert. Bildrechte: MDR/Katja Evers

So ist es in Mühlhausen

Hundebesitzer in Mühlhausen zahlen für den ersten Hund 75 Euro Hundesteuer, für den zweiten 150 Euro, für jeden weiteren 200 Euro. Laut Pressestelle Mühlhausen hat die Stadt im Jahr 2019 insgesamt 205.000 Euro Hundesteuer eingenommen. Hunde aus dem Tierheim sind zunächst ein Jahr von der Hundesteuer befreit.

Tierheimleiter Jan Weingart sagt: "Eine tolle, eine gute Sache." In Mühlhausen ist es egal, wie lange ein Hund zuvor im Tierheim war. Im Jahr nach der Vermittlung wird keine Hundesteuer fällig. "Doch wer ein Tier nach Hause holen will, sollte es nicht an der Steuer festmachen", so Weingart. Dennoch könnte es "ein Anreiz" sein, wenn die Hundesteuer nach der Vermittlung überhaupt nicht mehr gezahlt werden muss.

Ein Jahr hundesteuerfrei in Erfurt

1,1 Millionen Euro Hundesteuer hat die Stadt Erfurt 2019 eingenommen. Für den Ersthund werden 108 Euro pro Jahr fällig, für den Zweithund 132 Euro, für jeden weiteren 156 Euro. "Sitzt" ein Hund im Tierheim wird keine Hundesteuer fällig, nach der Vermittlung ist auch er ein Jahr von der Hundesteuer befreit.

Warnschild im Tierheim (im Hintergrund Hund Ida)
Ida aus dem Tierheim in Jena ist gut erzogen, kann aber mit kleinen Kindern nichts anfangen. Bildrechte: MDR/Katja Evers

Viele angehende Herrchen und Frauchen wissen das allerdings nicht, erzählt Anika Philippeit. Die Tierpflegerin aus dem Tierheim Erfurt sagt: "Viele wissen nicht, dass es eine Ermäßigung gibt. Sie freuen sich dann über diesen Bonus - aber für die Vermittlung ist es nicht entscheidend." Den Jenaer Vorschlag für lebenslange Hundesteuerfreiheit findet Philippeit "eine sehr gute Sache als Dankeschön, dass man die Tierheime unterstützt", aber auch hier glaubt sie: "kein Einfluss auf die Vermittlung". Sie und ihre Kollegen bringen pro Jahr am Standort in Erfurt-Schwerborn zwischen 40 und 50 Hunde und ihre neuen Besitzer zusammen.

Seit 1996 sind Tierheimhunde in Hildburghausen ein Jahr "steuerfrei"

Hildburghausen hat im vergangenen Jahr 47.000 Euro Hundesteuer-Einnahmen verbucht. Für den ersten Hund werden in Hildburghausen 72 Euro fällig, für den zweiten sind es 102 Euro, für jeden weiteren 144 Euro. Drei bis fünf Hunde pro Jahr vermittelt das Tierheim. Diese Tiere sind im ersten Jahr von der Steuer befreit. Dafür muss der neue Besitzer den Nachweis vorlegen, dass er im Tierheim eine Schutzgebühr für das Tier gezahlt hat, so Gisela Schmidt aus der Finanzverwaltung.

Dies sei eine "Aufwertung für den Tierschutz, Lob und Anerkennung für den Tierbesitzer", sagt Monika Hahn vom "Tierheim am Wald" in Hildburghausen. Egal wie lang das Tier im Tierheim saß, könne das ein kleiner Anreiz sein, die Hundesteuer von rund 70 Euro zu sparen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 18. Februar 2020 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2020, 18:39 Uhr

1 Kommentar

part vor 6 Wochen

Der Stimmenerkauf über die Hundesteuer läuft ja nun seit Jahren über fast alle Parteien hinweg, die dies als heißes Eisen betrachten. Das nun aber die CDU noch kurzfristiger denkt erschreckt mich schon. Mit einer drastischen Erhöhung dieser Sondersteuer, die einst eingeführt wurde um die Zahl der Hunde zu begrenzen, würde auch die Zahl der Problemhunde in den Tierheimen sinken. Nebeneffekte wären saubere Innenstädte, weniger Gesundheitsgefährdung und Lärmbelästigung. Was die Orts- CDU hier vorschlägt ist nicht nachhaltig durchdacht und der grundfalsche Ansatz.

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