Letzter regulärer ICE München-Berlin durch das Saaletal läuft in den Bahnhof Jena-Paradies ein. Auf dem Bahnsteig schwenken Mitglieder und Sympathisanten des Bündnisses "Fernverkehr für Jena" Papiertaschentücher.
Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Lenkungsgruppe IC-Knoten Jena soll wieder Drehkreuz im Fernverkehr werden

Die Lenkungsgruppe IC-Knoten hat am Donnerstag ihre Arbeit aufgenommen. Denn die Stadt Jena soll mittelfristig wieder ein Drehkreuz im Schienen-Fernverkehr werden. In einem ersten Schritt wird die Bahn AG ab Ende 2018 auf der Mitte-Deutschland-Verbindung von Erfurt über Jena nach Gera den IC-Verkehr aufnehmen. Ab Ende 2023 sollen die Intercitys auch auf der Strecke Nürnberg-Jena-Leipzig fahren.

Letzter regulärer ICE München-Berlin durch das Saaletal läuft in den Bahnhof Jena-Paradies ein. Auf dem Bahnsteig schwenken Mitglieder und Sympathisanten des Bündnisses "Fernverkehr für Jena" Papiertaschentücher.
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Seit Dezember letzten Jahres sieht es in Jena relativ düster aus - zumindest, was die Anbindung an den Schienen-Fernverkehr betrifft. Weil die neue ICE-Trasse über Erfurt in Betrieb genommen wurde, fahren jetzt über Jena fast nur noch Nahverkehrszüge. Das soll sich künftig aber ändern: in Jena hat eine so genannte Lenkungsgruppe für einen IC-Knoten Jena die Arbeit aufgenommen. In dem Gremium sind Vertreter der Landesregierung, der Bahn AG, der Stadt Jena und der benachbarten Landkreise.

Albrecht Schröter
Albrecht Schröter Bildrechte: Stadtverwaltung Jena

Beim Auftakttreffen wurden vier Arbeitsgruppen gegründet. Sie sollen unter anderem klären, wie der künftige IC-Knoten Jena an den innerstädtischen und an den Regionalnahverkehr angebunden werden kann. Ein IC-Knoten erfordere erhebliche Investitionen in das Umfeld des Bahnhofes, etwa in den Bau neuer Straßenbahnverbindungen, sagt Albrecht Schröter, Oberbürgermeister von Jena.

Jena-Göschwitz oder Jena-Burgau?

Für den neuen IC-Knoten kommen nach Angaben Schröters nur zwei Standorte in Frage: der bereits bestehende Bahnhof Jena-Göschwitz und ein kompletter Neubau in Jena-Burgau. Bis Ende 2019 soll klar sein, auf welchen Standort die Wahl fällt. Göschwitz könnte laut Schröter voraussichtlich bis 2023 umgebaut werden. Ein Neubau in Burgau würde dagegen mehr Zeit in Anspruch nehmen, so der Oberbürgermeister. Die Bahnhöfe Jena-Paradies und Jena-West kommen aufgrund ihrer Lage im Stadtgebiet nicht als IC-Knoten in Frage.

Eckart Fricke
Eckart Fricke Bildrechte: Eckart Fricke

Eckart Fricke, Bahn-Konzernchef in Mitteldeutschland, erneuerte bei dem Treffen der Lenkungsgruppe das Versprechen, dass die Bahn AG ab Dezember dieses Jahres in einem ersten Schritt auf der Mitte-Deutschland-Verbindung von Erfurt über Jena nach Gera den Intercity-Verkehr aufnehmen wird. Zunächst mit drei Zugpaaren pro Tag. Ab Ende 2023 sollen dann auch wieder die Intercitys auf der Strecke Nürnberg-Jena-Leipzig fahren. Dann wäre Jena im Kreuzungspunkt dieser Züge.

Laut Fricke wird in den kommenden Jahren zudem die Mitte-Deutschland-Verbindung bis Gößnitz im Altenburger Land elektrifiziert. Die Arbeiten sollen 2028 abgeschlossen sein. Östlich davon bis nach Chemnitz hängt bereits eine Oberleitung über dem Gleis. Für den IC-Verkehr bedeutet das nach Angaben Frickes, dass die Züge in den kommenden Jahren bis Erfurt elektrifiziert fahren werden. Von Erfurt bis Gera werden die Intercitys dann von einer Diesellokomotive gezogen. Ab dem Jahr 2028 soll komplett elektrifiziert gefahren werden.

Mach's gut, ICE

Auf dem Bahnhof Jena-Paradies haben Mitglieder und Sympathisanten des Bündnisses "Fernverkehr für Jena" den letzten regulären ICE München-Berlin durch das Saaletal mit einer ironischen Demonstration verabschiedet.

Mitglieder und Sympathisanten des Bündnisses "Fernverkehr für Jena" verabschieden auf dem Bahnsteig des Bahnhofes Jena-Paradies den letzten regulären ICE München-Berlin durch das Saaletal.
Vor der Ankunft des ICE 1000 München-Berlin in Jena: Mitglieder und Sympathisanten des Bündnisses "Fernverkehr für Jena" zur Abschiedsdemo auf dem Bahnsteig des Bahnhofes Jena-Paradies. Demonstranten halten ein Transparent mit einer ICE-Zeichnung und dem Schriftzug "abgehängt" hoch. Auf dem Transparent aufgedruckt sind die Namen jener Städte, die durch die neue ICE-Strecke Leipzig/Halle-Erfurt-Nürnberg ihre Anbindung an den Bahn-Fernverkehr weitgehend verlieren. Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger
Mitglieder und Sympathisanten des Bündnisses "Fernverkehr für Jena" verabschieden auf dem Bahnsteig des Bahnhofes Jena-Paradies den letzten regulären ICE München-Berlin durch das Saaletal.
Vor der Ankunft des ICE 1000 München-Berlin in Jena: Mitglieder und Sympathisanten des Bündnisses "Fernverkehr für Jena" zur Abschiedsdemo auf dem Bahnsteig des Bahnhofes Jena-Paradies. Demonstranten halten ein Transparent mit einer ICE-Zeichnung und dem Schriftzug "abgehängt" hoch. Auf dem Transparent aufgedruckt sind die Namen jener Städte, die durch die neue ICE-Strecke Leipzig/Halle-Erfurt-Nürnberg ihre Anbindung an den Bahn-Fernverkehr weitgehend verlieren. Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger
Letzter regulärer ICE München-Berlin durch das Saaletal läuft in den Bahnhof Jena-Paradies ein. Auf dem Bahnsteig schwenken Mitglieder und Sympathisanten des Bündnisses "Fernverkehr für Jena" Papiertaschentücher.
Der ICE fährt ein. Bahnfans werden bemerken, dass es sich gar nicht um einen herkömmlichen ICE-Triebzug handelt, sondern um einen lokbespannten Zug, der früher als Metropolitan zwischen Köln und Hamburg verkehrte. Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger
 Letzter regulärer ICE München-Berlin durch das Saaletal läuft in den Bahnhof Jena-Paradies ein. Auf dem Bahnsteig schwenken Mitglieder und Sympathisanten des Bündnisses "Fernverkehr für Jena" Papiertaschentücher.
Winke, winke: Die Demonstranten schwenken Taschentücher zum Abschied. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mitglieder und Sympathisanten des Bündnisses "Fernverkehr für Jena" schwenken auf dem Bahnsteig des Bahnhofes Jena-Paradies Taschentücher für den letzten regulären ICE München-Berlin durch das Saaletal.
In Jena halten ab jetzt nur noch wenige Fernzüge auf der Nord-Süd-Verbindung. Morgens und abends kommt jeweils ein ICE aus Berlin an und fährt in die Gegenrichtung ab. Außerdem gibt es Mittags ein IC-Zugpaar, das zwischen Leipzig, Nürnberg und Karlruhe unterwegs ist. Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger
Darsteller der Kunstaktion "Bewegtes Land" verabschieden auf dem Bahnsteig des Bahnhofes Jena-Paradies den letzten regulären ICE München-Berlin durch das Saaletal.
Die "Rocco"-Darsteller der Kunstaktion "Bewegtes Land" aus dem Sommer 2017 waren auch am Start. Mit dem Projekt hatte das Künstlerduo Datenstrudel aus Berlin im Sommer entlang der Bahnstrecke Naumburg-Jena eine Performance für Zugreisende veranstaltet. Die "Roccos" lieferten sich Wettläufe mit den Zügen.

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Performance-Darsteller "Rocco" rennen auf dem Gegenbahnsteig des Bahnhofes Jena-Paradies.
Die "Roccos" rennen noch einmal gegen den Zug - und bringen Demonstranten und Reisende zum Schmunzeln. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Mitte-Deutschland-Verbindung wird vollständig elektrifiziert

Klaus Sühl, Staatsekretär im Thüringer Infrastrukturministerium, setzt große Hoffnungen in den IC-Knoten und die Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Verbindung. IIch bin sehr optimistisch, dass diese Linie aus dem Ruhrgebiet kommend irgendwann wieder in ICE-Qualität bis Dresden geführt werden kann", sagte Sühl. Der Staatssekretär geht davon aus, dass vom IC-Drehkreuz sowohl Jena als auch das Umland stark profitieren werden. Jena könne aufgrund seiner geografischen Lage sein Stadtgebiet kaum mehr erweitern. Neue Arbeitskräfte, die in dem Wirtschaftsstandort dringend benötigt würden, könnten daher nur aus den benachbarten Landkreisen kommen, so Sühl. Dafür schaffe der IC-Knoten samt einem neu abgestimmten Nahverkehr die Voraussetzungen.

Sühl geht davon aus, dass der neue IC-Knoten dem Land erhebliche Kosten bescheren wird. Der Bau des Bahnhofs, die Anbindung an den Nahverkehr, der Stadtumbau – all das werde teuer, sagte Sühl weiter. Die Voraussetzungen dafür seien zurzeit aber gut. Geld von Land und Bund stehe zur Verfügung. Fördermittel gebe es für den Städtebau, aber auch für den öffentlichen Nahverkehr.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 08. März 2018 | 18:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2018, 19:27 Uhr

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24 Kommentare

10.03.2018 17:14 ikarus 28003eic 24

Ich bin mal gespannt, ob die Vorhaben, Nordthüringen wieder in die „MDV“ einzubinden und unter Draht zu nehmen nicht stillschweigend unter den Tisch gekehrt werden. Dann wäre nach dem NeiTech-Zeitalter Schluss mit schnellen Verbindungen und die Region abgehängt. Es deutet ja schon einiges daraufhin...

10.03.2018 15:27 ICE-Freund 23

Das hatte ich noch vergessen: Großer Klaus und Hauptbahnhof Zentrum haben beide schon recht. Ein Hbf außerhalb des Zentrums bringt für Jena keinen Mehrwert und mit einem Bruchteil des Geldes alle drei Bahnhöfe und deren Umfeld zu optimieren wäre einfach nur sinnvoll. Vielleicht kann der MDR mal die Überschrift prüfen: Das Wörtchen"wieder" passt nicht so ganz, denn ein Drehkreuz im Fernverkehr war Jena noch nie.

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