spielende Kinder im Garten der KiTa von Innopolis
Bereits 96 Prozent der Thüringer Kinder besuchen in den zwei Jahren vor der Einschulung eine Kita. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel

Kinderbetreuung in Thüringen Fachleute gegen zweites beitragsfreies Kita-Jahr

Der Weg für Millionengelder des Bundes für Thüringer Kindertagesstätten ist frei. Der entsprechende Vertrag wurde jetzt unterzeichnet. Eingesetzt wird das Geld für ein weiteres beitragsfreies Kita-Jahr. Erzieherinnen und Kita-Leiterinnen fordern stattdessen, in die Qualität zu investieren.

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von Grit Hasselmann

spielende Kinder im Garten der KiTa von Innopolis
Bereits 96 Prozent der Thüringer Kinder besuchen in den zwei Jahren vor der Einschulung eine Kita. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel

Das Land Thüringen erhält vom Bund 142 Millionen Euro für die Kinderbetreuung. Zur Vertragsunterzeichnung kam Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) vergangene Woche nach Erfurt. Fließen kann das Geld erst, wenn der Bund mit allen 16 Ländern Vereinbarungen über die Verwendung der Mittel getroffen hat.

Landtag muss noch abstimmen

Und um das Geld dann tatsächlich wie geplant verwenden zu können, muss noch das Thüringer Kindertagesbetreuungsgesetz geändert werden. Da steht jetzt auf der Tagesordnung der nächsten Landtagssitzung. Geplant sind die Einführung eines zweiten beitragsfreien Kitajahres, ein besserer Betreuungsschlüssel bei den Vier- und Fünfjährigen und ein besserer Mindestpersonalschlüssel.

Ziel der Beitragsfreiheit ist eigentlich, dass alle Kinder in den beiden letzten Jahren vor Schulbeginn eine Kindertageseinrichtung besuchen und so ein annähernd gleiches Bildungs- und Kompetenzniveau erreichen. Allerdings ist das in Thüringen bereits bei 96 Prozent der Kinder gegeben. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner, bezeichnet deshalb das zweite beitragsfreie Kita-Jahr auch als "durchsichtiges Wahlmanöver". Eine Qualitätsdebatte sei wichtiger als eine Kostendiskussion, so Tischner.

Viele Probleme werden nicht angegangen

Auch Erzieherinnen, Kita-Mitarbeiterinnen und Wissenschaftlerinnen sehen ihre Erwartungen an das Gesetz enttäuscht. Anke Mamat war selbst viele Jahre Kita-Leiterin und betreut jetzt die Kindereinrichtungen eines Jenaer Trägers. Sie kennt den Grund: "Viele pädagogische Fachkräfte resignieren, da ihre Arbeitsbedingungen wenig verbessert werden. Der dramatische Personalmangel, die nicht vorhandenen Ressourcen zur konzeptionellen Weiterentwicklung in den Kitas, der Aufbau von Vernetzungsstrukturen und der Transfer von Wissenschaft in die Praxis werden nicht angegangen."

Zum Schluss sitzen wir alle in der gleichen Suppe und haben alle die gleichen Probleme. Und es verändert sich nichts, das ist ja das Schlimme.

Kita-Leiterin aus Jena

Die Basis fühlt sich von der Politik nicht ernst genommen. Bestes Beispiel, so die Kita-Leiterin weiter, sei der Besuch von Ministerin Giffey im Kindergarten in Erfurt gewesen: "Genau zur Zeit der Mittagsruhe. Hätte sie das nicht bei der Planung berücksichtigen können?"

Deshalb soll jetzt eine Fachdebatte ausgelöst werden, die ganz Thüringen erfasst und zwar vor allem die Menschen einbezieht, die tatsächlich mit den Kindern arbeiten. Auftakt für dieses Bündnis wird ein Forum sein, das für alle Beteiligten und Interessierten offen ist. Erzieherinnen, Eltern, Gewerkschaften und auch Verwaltungsangestellte wollen, dass auch ihre Sicht auf die Situation in Entscheidungen einfließt.

Bündnis soll die Kräfte bündeln

Bereits seit Monaten bereitet eine Initiativgruppe dieses Forum am 30.10. in Erfurt vor. Immer wieder haben sich die 30 Wissenschaftlerinnen, Kita-Leiterinnen, Erzieherinnen und Vertreterinnen der Träger getroffen, um ein sinnvolles Programm zusammenzustellen. Das Thema: "Auf die ersten Jahre kommt es an! Was bedeutet Qualität und wie kann sie entwickelt werden?“ Und weil daran eben nur alle gemeinsam arbeiten können, soll am Ende ein Thüringer Bündnis für Kindheitspädagogik gegründet werden.

Das Interview mit zwei der Gründerinnen dieser Initiative:

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. September 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2019, 12:02 Uhr

1 Kommentar

Ralf vor 12 Wochen

Unter der Vorgängerregierung hat keiner der oben genannten Personen den Mund aufgemacht, da kam nichts, aber auch gar nichts.
Schon da hätte man viel mehr ausbilden müssen.

Jetzt stellt man sich hin und klagt über den Personalschlüssel, ohne anzugeben, wo die Erzieherinnen herkommen sollen. Der Markt ist leer gefegt und zwar komplett!! In der Regel kommt auf Stellenangebote keine einzige Bewerbung.

Die Personalsituation wird sich erst in den nächsten Jahren verbessern, soviel ist sicher.

Das Geld kann nicht in neues Personal gesteckt werden, weil es schlichtweg keines gibt.

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