Auf einer Treppe stehen mehrere junge Italinerinnen und Italiener.
Zuwachs für das Uniklinik-Team: die Krankenschwestern und -pfleger aus Italien. Bildrechte: MDR / Olaf Nenninger

Pflegenotstand Italienische Pflegekräfte für Uniklinik Jena

Im Uniklinikum Jena bahnt sich in einigen Bereichen ein Pflegenotstand an. Krankenschwestern und -pfleger aus Italien sollen einige Lücken schließen. Am Montag sind bereits 16 junge Krankenschwestern und -pfleger aus Italien in Jena begrüßt worden.

von Anke Preller

Auf einer Treppe stehen mehrere junge Italinerinnen und Italiener.
Zuwachs für das Uniklinik-Team: die Krankenschwestern und -pfleger aus Italien. Bildrechte: MDR / Olaf Nenninger

Die jungen Frauen und Männer stammen vorwiegend aus Süditalien, so wie Gaetano Refano. Der 23-Jährige kommt aus Sizilien und freut sich auf die Arbeit hier. In seiner Heimat, sagt er, habe er kaum eine Chance, einen festen Arbeitsplatz zu bekommen. Der aber werde ihm vom Uniklinikum Jena angeboten - sobald er erfolgreich die deutsche Sprache gelernt hat.

Diese Hürde hat Rosario Amendola schon genommen. Er gehörte zur ersten Gruppe von elf Italienern, die im Juni 2016 nach Jena kam. Inzwischen hat er einen festen Platz in einem Intensivpflegeteam, arbeitet in drei Schichten und fühlt sich angekommen. Am Anfang, sagt der 33-Jährige, sei es nicht leicht gewesen, so weit weg von Zuhause. Jetzt aber sei er stolz auf sich, es geschafft zu haben. Für seine Arbeit bekomme er viel zurück: Dankbarkeit von den Patienten und Anerkennung im Team.

Bewerbungsgespräche in Neapel

Mitarbeiter des Uniklinikums hatten Bewerbungsgespräche in Neapel geführt und die 16 jungen Frauen und Männer gezielt ausgewählt. Alle haben einen Bachelor, einen akademischen Abschluss in der Tasche. Künftig sollen sie auf den Intensivstationen für Erwachsene und für Kinder, auf der Frühgeborenenstation und im zentralen OP-Bereich arbeiten. Doch zunächst stehen zwei Monate Sprachintensivkurs auf dem Programm. Ab Mai wechseln sich dann Sprachunterricht und praktischer Einsatz am Klinikum ab.

Große Einsatzbereitschaft

Läuft alles nach Plan, haben die jungen Leute zum Jahresende ihren unbefristeten Arbeitsvertrag in der Tasche, sagt Kati Egerland, die Pflegedienstleiterin im Intensivbereich. Sie lobt die Einsatzbereitschaft der jungen Italiener. Ihr fröhliches "Buongiorno" und ihr Charme kämen auch bei den Patienten gut an. Auch deshalb lohne sich der ganze Aufwand. Von einer klassischen "Win-Win-Situation" spricht Arne-Veronika Boock, die Pflegedirektorin am Uniklinikum Jena. Beide Seiten profitierten.

Ausbildungsplätze sollen aufgestockt werden

Doch allein mit dem zusätzlichen Pflegepersonal aus Italien sind die Lücken nicht zu schließen, weiß auch Boock. Seit etwa drei Jahren sei es akut, fehlten immer mehr Schwestern und Pfleger auf den Intensivstationen - inzwischen auch in der Kinderklinik und im zentralen OP-Bereich. Durch die demographische Entwicklung geht die Schere immer weiter auseinander. Auch die eigene Ausbildung in Jena mit dem dualen Studiengang Pflege an der Ernst-Abbe-Hochschule und die deutschlandweite Werbung um Fachräfte, können den Bedarf nicht mehr decken. Von den rund 5.000 Beschäftigten am Uniklinikum Jena arbeiten 1.600 im Pflegebereich. 190 sind in Ausbildung. Laut Boock soll es bald noch mehr Ausbildungsplätze geben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGENJOURNAL | 19. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2018, 20:20 Uhr

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7 Kommentare

21.02.2018 13:44 Liberaler 7

Es positive Nachricht! Es braucht mehr Pflegekräfte, in Italien und Co, herrscht hoheJugendarbeitslosigkeit und bei uns Fachkräftemangel. Win-Win für beide Seiten. PS: Wer sich nicht von ausländischen Ärzten, Pflegern und Krankenschwestern behandeln lassen möchte, kann es ja bleiben lassen. Jeder ist da frei in seiner Entscheidung, die Konsequenzen trägt dann auch jeder.

21.02.2018 09:01 beyer 6

Gut das die ersten vier Kommentatoren weder Ärzte noch Pflegekräfte sind. Bei diesen Deutschkenntnissen...

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