Debatte über Jugendbande in Jena Jugendsozialarbeit: "Wir sind nicht die Feuerwehr"

Wie umgehen mit den Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die derzeit mit Straftaten und Pöbeleien in Jenas Innenstadt unangenehm auffallen? Polizei und Sozialarbeit haben alle Hände voll zu tun. Viele Bürger sind besorgt und Jenaer Politiker wollen eine härtere Gangart. Und nicht zu vergessen: Es ist Wahlkampf in Thüringen.

von Olaf Nenninger

Um das Problem aus der Welt zu schaffen, setzt die Jenaer Polizei auf die Zusammenarbeit aller beteiligten Institutionen. Am Freitagvormittag trafen sich Vertreter der Polizei, der Ämter, Staatsanwalt und Sozialarbeit, um eine gemeinsame Strategie im Umgang mit den auffälligen Jugendlichen aus Lobeda zu entwickeln. Jenas Polizei-Sprecherin Steffi Kopp sagte MDR THÜRINGEN, dass alle Institutionen an einem Strang ziehen. Jeder versuche das Beste zu geben.

Ein mehrstöckiges Gebäude.
Die Jugendstation in Jena Bildrechte: ARD.de

Zwischenzeitlich wurde auch das Personal in der Jugendstation um zwei Mitarbeiter verstärkt, damit die Ermittlungen gegen die Jugendlichen zügiger vorangetrieben werden können. In der Jugendstation Jena wird die polizeiliche und die staatsanwaltliche Arbeit gebündelt, um Verfahren auf Basis des Jugendstrafrechts schneller abschließen zu können. Kopp betonte ausdrücklich, dass auch dort jedes Verfahren trotzdem seine Zeit brauche. Es müssen Beschuldigte vernommen, Zeugen gehört, Ermittlungen durchgeführt werden. In vielen Fällen müssten vor den Befragungen auch Dolmetscher organisiert werden. 

Polizei will deutliche Präsenz zeigen

Mit Blick auf die warme Jahreszeit werden die "Problem-Jugendlichen" wieder stärker in der Innenstadt und im Paradies-Park unterwegs sein. Die Polizei will dort durch Streifen und eine deutliche Präsenz von Anfang an stören, damit aus den Treffen heraus keine Straftaten begangen werden können.

Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) wünscht sich mehr Unterstützung von der Landesregierung, gerade mit Blick auf präventive Maßnahmen. Die Stadt habe in der Folge der Flüchtlingskrise mehr geleistet als erwartet wurde, jetzt müsse der Freistaat etwas tun, so Schröter. Soll womöglich heißen: mehr Geld für Jugendsozialarbeit in Jena.

Zwei weitere Sozialarbeiter

Ein Mann mit Vollbart und Brille.
Marco Grundtner Bildrechte: ARD.de

Die Jugendlichen, die derzeit die Gemüter erhitzen, leben in Jena-Lobeda. Die meisten von ihnen sind Geflüchtete. In Jenas größtem Quartier mit 25.000 Einwohnern kümmern  sich zur Zeit zwei Streetworker um die Jugendsozialarbeit. Ab März kommen zwei weitere hinzu: eine Jordanierin und ein Syrer, um auch Jugendliche mit Fluchthintergrund besser einzubinden, so Marco Grundtner vom Fachdienst Jugend und Bildung der Stadt Jena.

Jugendsozialarbeit ist niedrigschwellig, es werden zumeist sportliche Angebote gemacht, die von allen Jugendlichen in Anspruch genommen werden können. Selbstverständlich immer freiwillig. Aus Grundtners Sicht reichen vier Sozialarbeiter, um in Lobeda arbeiten zu können. Bei Straftaten gerät aber auch die erfolgreichste Sozialarbeit an ihre Grenzen. "Wir sind nicht die Feuerwehr", sagt Grundtner. Es gehe vielmehr darum, Plätze positiv zu besetzen, um sie nicht "delinquent gewordenen Jugendlichen" zu überlassen. Sozialarbeit kämpft immer um Räume.

Eine Frau mit lila Haaren.
Lisa Almert Bildrechte: ARD.de

Lisa Almert macht das jeden Tag. Die Streetworkerin ist in Lobeda unterwegs, beiderseits der Stadtrodaer Straße. Sie kennt auch einige der Jugendlichen, die in Jenas Innenstadt durch Straftaten aufgefallen sind. Im alltäglichen Umgang erlebt sie diese als freundlich, auch wenn sie Schwierigkeiten haben sich zurechtzufinden. "Aber sie sind bemüht, einen Zugang zu finden", sagt sie. Die Jugendlichen orientieren sich aneinander. Von außen könne man darauf keinen Einfluss nehmen. Wichtig seien Gespräche, um neue Handlungsoptionen aufzuzeigen. Die Sozialarbeit zu zweit im Quartier sei mitunter schwierig, aber "stemmbar". Eine große Hilfe für Lisa Almert ist das dichte Netzwerk aus Kooperationspartnern in Lobeda.

Ein Mann steht auf einem Platz, im Hintergrund sind Gebäude.
Andreas Amend Bildrechte: ARD.de

Jenas Integrationsbeauftragter Andreas Amend beobachtet die Situation in Jena derzeit ganz genau. Und versucht die Wogen zu glätten. Die Innenstadt sei kein unsicherer Ort. "Es gibt keine No-Go-Areas", erklärt er mit Nachdruck. Das Problem sei eine kleine Gruppe von Jugendlichen, die Straftaten begehen. Das stehe in keinem Verhältnis zu den mehr als 2.800 Menschen mit Fluchterfahrung, die friedlich in Jena leben. Es könne keine Rede davon sein, dass die Integrationsmaßnahmen versagt hätten. Mit Blick auf die Forderungen vieler Bürger und Politiker nach einer härteren Gangart, verweist Amend auf den Rechtsstaat: "Es gibt Regeln und Gesetze, die für alle ungeachtet ihrer Herkunft gelten. Die Strafverfolgung ist eingeleitet worden und die betreffenden jungen Menschen müssen zur Verantwortung gezogen werden."       

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 23. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2018, 20:51 Uhr

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50 Kommentare

25.02.2018 19:46 Jerome 50

@Krause: Leute wie Sie sind Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen...

25.02.2018 16:50 D.o.M. 49

Top-Wahlkampfhilfe leisten die Jungs für den AfD-Bürgermeisterkandidaten. Unbezahlbar !

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