Nach Mord an einem Studenten in Jena Opferanwälte bezweifeln Schuldunfähigkeit des Täters

Es ist ein Verbrechen, das erschüttert. Im August 2018 erschlägt ein 24-jähriger Student aus Vietnam einen Kommilitonen. Danach zerteilt er die Leiche, wirft die Teile in die Saale und versteckt sie im Stadtgebiet. Das Landgericht Gera ordnete jetzt die Unterbringung des Täters in der geschlossenen Psychiatrie an. Der 24-Jährige ist nicht schuldfähig - aber gefährlich.

Es sei wohl die schlimmste Vorstellung, die Eltern haben können. Sie schicken ihr Kind in ein sicheres Land zum Studieren und müssen es in einer Urne nach Hause holen. Das sagte Rechtsanwalt Christian Stünkel zu Beginn des Prozesses. Stünkel vertritt die Eltern des 24-jährige Germanistikstudenten aus China, der so furchtbar zu Tode kam.

Der Prozess begann im Februar als so genanntes Sicherungsverfahren, das heißt die Staatsanwaltschaft ging schon bei Anklageerhebung davon aus, dass der Täter den Mord im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat. Eine Psychiaterin hatte in ihrem vorläufigen Gutachten diese Sicht bestätigt. Der Student leide an einer schizophrenen Erkrankung. Deshalb sei seine Fähigkeit, sein Handeln zu steuern und das Unrecht seines Tuns einzusehen, während des Mordes nicht vorhanden gewesen.

Internetsuche lässt planvolles Handeln vermuten

Daran hatten die Anwälte des Opfers erhebliche Zweifel. Der Beschuldigte, so heißt der Täter in einem Sicherungsverfahren, habe vor und nach der Tat im Internet gezielt nach Begriffen gesucht, die eher auf ein planvolles Handeln schließen ließen. So hatte ein Ermittler herausgefunden, dass der 24-Jährige schon im Dezember nach Begriffen wie "Mordrate Deutschland", "wie werde ich ein Meisterverbrecher", "ungelöste Tötungsdelikte" gesucht hatte. Kurz vor dem Mord interessierte sich der 24-Jährige dann dafür, wie die Polizei Beschuldigte befragt, wieviel Morde in Deutschland nicht aufgeklärt werden und wieviel Kraft nötig sei, um jemandem den Schädel einzuschlagen. Das Opfer starb durch wuchtige Hammerschläge.

Nach der Tat finden sich dann Suchbegriffe wie Tauchen in Jena, Müllentsorgung Jena, und auch die aktuellen Polizeimeldungen hatte der Beschuldigte mehrfach abgefragt. Die Anwälte der Opferfamilie hatten angesichts dieser Ermittlungsergebnisse große Zweifel an der Schuldunfähigkeit des Täters. Zumal der 24-Jährige sein Opfer mit einem präparierten Paket regelrecht in eine Falle gelockt hatte. Und anschließend auf den Namen des Kommilitonen im Internet bestellte.

TV-Serie als Vorbild?

Ist jemand, der so planvoll vorgeht, wirklich schuldunfähig? Die Nebenklagevertreter sagten nein und forderten ein zweites psychiatrisches Gutachten, doch das Gericht lehnte den Antrag ab. Zudem forderte die Nebenklage, alle Prozessbeteiligten sollten sich die Serie Hannibal Lecter anschauen. Zeugen hatten ausgesagt, dass sich der Beschuldigte für diese Serie interessierte, in der ein Mörder, die Organe seiner Opfer isst. Die Anwälte sahen Parallelen zum Jenaer Mord: die Leber des Opfers wurde nie gefunden. Hatte sich der 24-Jährige an dieser Serie orientiert? Die Psychiaterin sagte nein, das Gericht lehnte auch diesen Antrag der Nebenklage ab.

Eigentlich waren noch drei weitere Verhandlungstage geplant, doch dann ging es ganz schnell. Am 28. Juni wurde plädiert und nach einer kurzen Beratung auch das Urteil verkündet. Die Schwurgerichtskammer des Geraer Landgerichts war von der Schuldunfähigkeit des 24-Jährigen überzeugt und ordnete deshalb seine Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie an. Der psychiatrischen Sachverständigen zufolge ist der Mann unbehandelt gefährlich, weitere Taten sind wahrscheinlich. Nebenklagevertreter Christian Stünkel hatte abweichend vom Staatsanwalt eine Verurteilung wegen Mordes bei eingeschränkter Schuldfähigkeit beantragt. Man erwäge, Revision beim Bundesgerichtshof einzulegen, sagte der Anwalt auf Nachfrage.

Der einzige, der wirklich weiß, was passiert ist, sagte nichts. Der 24-Jährige, der die Tat begangen hat, schwieg während des gesamten Prozesses.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. Juni 2019 | 20:00 Uhr

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