Satellit über Weltmeer mit Vollmond im Hintergrund
Das MEV-1 soll ein Pannenhelfer im All sein. Technik aus Jena ist mit an Bord. Bildrechte: ESA

Jena-Optronik Pannenhilfe im All: Technik aus Thüringen hebt ab - Start im Livestream

Es ist ein überirdisches Projekt in internationaler Zusammenarbeit. Und mittendrin: ein Unternehmen aus Thüringen. Die Jena-Optronik GmbH stellt wichtige Teile für einen Roboter zur Verfügung, der sich im All um Satelliten kümmern soll - möglichst ohne menschliches Zutun.

von Astrid Mudra

Satellit über Weltmeer mit Vollmond im Hintergrund
Das MEV-1 soll ein Pannenhelfer im All sein. Technik aus Jena ist mit an Bord. Bildrechte: ESA

Die Reise des ersten "Mission Extension Vehicle" (MEV-1) beginnt an diesem Mittwoch. An Bord einer russischen Proton-Rakete soll der Roboter exakt 12:17 Uhr MEZ vom Kosmodrom im kasachischen Baikonur abheben. Im Orbit angekommen, wird er Satelliten auftanken, abschleppen und wieder auf Kurs zu bringen - Pannenhilfe im All. Auf diese Weise soll die Lebensdauer der künstlichen und teuren Erdtrabanten verlängert werden.

Technik aus Jena hilft Roboter-Satelliten bei Orientierung im All

Weißhaariger, älterer Mann mit Brille und blauen Augen schaut freundlich in die Kamera
Dietmar Ratzsch, Geschäftsführer bei Jena-Optronik. Bildrechte: MDR/Astrid Mudra

Das MEV-1 stammt vom amerikanischen Hersteller Northrop Grumman. Ausgerüstet ist es mit einem neuen Sensor und Kamerasystem des Thüringer Raumfahrtunternehmens Jena-Optronik. Die Teile sollen ermöglichen, dass der Roboter völlig autonom an Satelliten andocken kann. Wie Jena-Optronik-Geschäftsführer Dietmar Ratzsch mitteilte, enthalte die Sensorik aus der Saalestadt auch Elemente Künstlicher Intelligenz (KI). "Das sind ähnliche Sensoren, wie sie derzeit in der Automobilindustrie erprobt werden. Wir bringen sie jetzt schon in den Orbit. Das ist eine Premiere", sagte Ratzsch.

Mit dem Projekt beginne eine neue Ära in der Raumfahrt - hin zu autonom arbeitenden Vehikeln, die Satelliten reparieren oder ganze Raumschiffe im Orbit zusammenbauen können, erläutert Sebastian Dochow. Bei Jena-Optronik leitet er die Abteilung Lidar - englisch für "light detection and ranging", eine Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung.

Entwickler bei Jena-Optronik: Science-Fiction wird Realität

Mann mit Bart Haarnetz sitzt vor technischem Gerät
Entwickler Sebastian Dochow arbeitet an den Sensoren, mit denen sich die Service-Satelliten im All orientieren können. Bildrechte: MDR/Astrid Mudra

"Wir wissen nicht, was uns im All erwartet", sagt Dochow. Die Satelliten, die gewartet werden sollen, seien seit 15 Jahren im Weltraum. "Als die geplant wurden, bin ich noch zur Schule gegangen", berichtet der Entwickler. Was sich vor zehn Jahren noch nach Science-Fiction angehört habe, werde jetzt Realität. Der in Jena entwickelte Laser-Radar erkenne die Konturen dreidimensionaler Objekte - auch unbekannter Art - und ermögliche so ein vollautonomes Andocken im All.

Flotte von Satelliten soll Dienst im Weltraum tun

Weißes Schild vor blauem Himmel mit Wölkchen, Jena optronik
Für Jena-Optronik liegt die Zukunft auch im All. Bildrechte: MDR/Astrid Mudra

Die Jena-Optronik, ein Tochterunternehmen von Airbus Defence and Space, ist Weltmarktführer für sogenannte Lageregelungssensoren. Fast alle großen Weltraummissionen nutzen Sensorik aus Jena. Der größte Raumfahrtzulieferer in den neuen Bundesländern sieht die Weltraumlogistik als Zukunftsbranche. So plant Northrop Grumman gleich eine ganze Flotte von Service-Satelliten, im kommenden Jahr startet MEV-2. Mit den Pannenhelfern im All können auch defekte Satelliten umgeparkt, zur Erde befördert oder entsorgt werden. So soll dem wachsenden Problem von Weltraumschrott und möglichen Kollisionen im All begegnet werden - unter anderem mit Technik aus Thüringen.

Den Start der Rakete können Sie am Mittwoch (9. Oktober) ab etwa 12 Uhr im Livestream verfolgen: www.ilslaunch.com (englischsprachige Website)

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 07:48 Uhr

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