Jena Jenoptik will Militärtechnik-Geschäft verkaufen

Jenoptik will mehr auf die Bereiche Laser, Messtechnik und optische Systeme setzen - und sich deshalb von seinem Militärtechnik-Geschäft verabschieden. Dieses Feld macht immerhin ein Fünftel des Gesamtumsatzes aus.

Fahnen mit dem Logo von Jenoptik, wehen am 28.04.2015 in Jena (Thüringen) im Wind vor einem Gebäude des Firmensitzes.
Jenoptik will sich von seinem Militärtechnik-Geschäft trennen. Bildrechte: dpa

Der Jenaer Technologie-Konzern Jenoptik will sich von seinem Militärtechnik-Geschäft trennen. Wie der Vorstand des TecDax-Unternehmens am Montag mitteilte, kann der Verkaufsprozess nach Zustimmung des Aufsichtsrats nun starten. Damit würde sich der Konzern etwa von einem Fünftel des Gesamtumsatzes verabschieden.

Nach Konzernangaben ist ein Komplettverkauf geplant. Der Vorstand sprach von sämtlichen Geschäftsanteilen des Tochterunternehmens Vincorion mit rund 800 Mitarbeitern. Sie sind nach Angaben des Unternehmens in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Bayern beschäftigt. In der Militärtechniktochter waren im vergangenen Jahr die Fertigung von Wehrtechnik sowie der mechatronische Bereich von Jenoptik zusammengefasst worden. Zur Wehrtechnik gehören Komponenten für Schützenpanzer und Kampfjets.

Jenoptik will sich auf Kerngeschäft konzentrieren

Zur Begründung hieß es, Jenoptik wolle sich auf sein Kerngeschäft mit Lasern, Messtechnik und optischen Systemen konzentrieren. Einnahmen aus der Trennung von Vincorion sollen in das Auslandsgeschäft vor allem in Amerika und Asien gesteckt werden.

Der Vorstand hatte bereits seit einiger Zeit signalisiert, dass eine Trennung von der Wehrtechnik nicht ausgeschlossen sei. Das Umsatzvolumen von Vincorion mit Produkten auch für die Luftfahrt- und Bahnindustrie lag im vergangenen Jahr nach Jenoptik-Angaben bei 166 Millionen Euro. Der Konzernumsatz betrug rund 835 Millionen Euro.

Militärtechnik-Geschäft von Jenoptik in der Kritik

Der neue Vorstandsvorsitzende der Jenoptik AG, Stefan Traeger (r), sitzt am 07.06.2017 in Weimar (Thüringen) während der Hauptversammlung des Technologiekonzerns auf dem Podium neben Finanzvorstand Hans-Dieter Schumacher.
Jenoptik-Vorstandschef Stefan Traeger Bildrechte: dpa

Das Militärtechnik-Geschäft von Jenoptik ist nicht unumstritten. Neben Rüstungsgegnern, die gegen das Geschäft protestieren, gibt es auch in der rot-rot-grünen Landesregierung Vorbehalte. Das Land Thüringen ist mit elf Prozent als größter Anteilseigner an dem börsennotierten Konzern beteiligt.

Von den rund 4.000 Jenoptik-Beschäftigten arbeiten etwa 790 in dem zum Verkauf stehenden Bereich. Die etwa 1.600 Thüringer Jenoptik-Beschäftigten in Jena, Eisenach und Triptis sind von den Verkaufsabsichten nicht betroffen. Angesichts von wachsenden Umsatz- und Gewinnzahlen hatte Jenoptik im März 2019 angekündigt, mehr Personal einstellen zu wollen.

Die Linksfraktion im Thüringer Landtag hat am Dienstag den Ausstieg der Jenoptik aus dem Rüstungsgeschäft begrüßt. Die Fraktions- und Parteivorsitzende der Thüringer Linken, Susanne Hennig-Wellsow, sagte, es sei richtig, dass Jenoptik durch den Verkauf der Militärtechnik-Sparte nicht länger ein Rädchen im Getriebe der Rüstungsindustrie sei. Weitere Konzerne sollten diesem Beispiel folgen.

Vertrag mit Stefan Traeger um fünf Jahre verlängert

Wie Jenoptik weiter mitgeteilt hat, ist der Vertrag mit Vorstandschef Stefan Traeger um fünf Jahre verlängert worden. Der 51-Jährige übernahm vor zwei Jahren das Amt. Jenoptik ist einer der wenigen eigenständigen Ost-Konzerne, der in einem der wichtigen Indizes der Frankfurter Börse gelistet ist.

Quelle: dpa, MDR THÜRINGEN/sr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 29. Juli 2019 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2019, 20:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

30.07.2019 09:04 D.o.M. 1

Damit keine falschen Vorstellungen aufkommen: Es geht hier um ein Firmensegment, dass nicht-optische Rüstungsgüter herstellt. Rüstungsgüter in Form optischer Komponenten oder Systeme werden selbstverständlich weiter produziert.

Mehr aus der Region Jena - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen

Feuerwehrautos vor einem rauchenden Haus 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei einem Wohnhausbrand in Riechheim ist am Montag ein Mann ums Leben gekommen. Nach Informationen der Feuerwehr wurden die Löscharbeiten durch einen Öltank erschwert. Der Schaden wird auf über 100.000 Euro geschätzt.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 27.01.2020 15:30Uhr 00:31 min

https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/arnstadt-ilmkreis/toter-brand-riechheim-ilm-kreis-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video