Jena | Eisenach Mit Bach unterwegs von Salzburg bis Leipzig

Die kleinen Streifen schwarzen Kettenöls in ihrem Gesicht passen so gar nicht zu dem strahlend weißen Geigenkoffer auf ihrem Rücken. Das Fahrrad dunkel, die prall gefüllten Fahrradtaschen knallgelb: Franziska Strohmayr mag den Kontrast. Deshalb fährt sie auch mit dem Rad von Salzburg nach Leipzig. In den Kirchen auf der Route spielt die 29-jährige Violinistin Bach, Biber und Telemann. Kulturbiathlon nennt sie das: Die Verbindung aus Sport und Musik.

Geigerin Franziska Strohmayr fährt mit dem Fahrrad von Salzburg nach Leipzig
Die österreichische Violinistin Franziska Strohmayr fährt mit einem 300-Euro-Fahrrad von Salzburg über Jena und Eisenach nach Leipzig. Bildrechte: MDR/Franziska Strohmayr

Franziska Strohmayr versteht sich als Botschafterin. Seit dem 30. Juni ist sie für den Verein "Live Music Now" unterwegs. Gegründet 1977 von Lord Yehudi Menuhin, will die Organisation Musik an Orten zum Klingen bringen, wo sie sonst nicht erwartet wird. In Kindergärten oder Altersheimen zum Beispiel. Außerdem unterstützt Live Music Now junge Musiker am Anfang ihrer künstlerischen Karriere. Auch Franziska Strohmayr war Stipendiatin des Vereins. Jetzt will sie etwas zurückgeben. Mit dem Kulturbiathlon sammelt sie Spenden, die an die Ortsvereine von Live Music Now gehen.

Auch das Konzert in Jena ist für einen guten Zweck

"Jeder Besucher kann nach dem Konzert geben was er mag", erklärt die gebürtige Augsburgerin. Das Konzert in Jenas Stadtkirche St. Michael kommt dem Weimarer Ableger von Live Music Now zugute. Bisher hat sie fast 1200 Euro eingespielt. Das Geld bringt sie nach jedem Konzert sofort zur Bank. Mehr als 500 Kilometer auf dem Drahtesel liegen nun hinter ihr. Ob ihr Jenaer Auftritt so viel einbringen wird, ist allerdings fraglich. Denn die Kirchgemeinde hat, im Gegensatz zu den anderen Spielorten, keine Werbung für sie gemacht. Angeblich seien alle Mitarbeiter im Urlaub.

Nach dem Auftaktkonzert in Salzburg spielte sie im österreichischen Schärding, im bayrischen Regensburg und in Bayreuth. Nun stehen noch Eisenach und - schlussendlich - die Bachstadt Leipzig auf dem Programm. Und noch einige hundert Kilometer vor ihr.

Bach ist tolle Musik. Sie wird nie fad, weil man sie nie richtig kapiert.

"Kultur-Biathletin" Franziska Strohmayr

Zur Geige kam sie aus Protest, denn die wurde der kleinen Franziska anfänglich von den Eltern verboten. Zu laut, zu nervig. Trotzig setzte sie sich durch - und bereute ihre Entscheidung in den kommenden Jahren zutiefst. Erst im Zusammenspiel mit anderen Schülern fing die Geige an, ihr Spaß zu machen. "Es war Tschaikowski. Der hat ja viele schlechte Stücke geschrieben. Aber nach dem ich seine 4. Sinfonie spielen durfte, wollte ich unbedingt Geige studieren."

Auch mit Pannen kommt die Künstlerin zurecht

Nun hat sie einen Master für Violine vom Mozarteum in Salzburg - macht ihren Doktor in Musikwissenschaft. Natürlich gibt sie auch weiterhin Konzerte. Am liebsten mit ihrem Ensemble "Damenwahl". "Wir spielen Musik der 1920er und 30er. Swing, frühe Filmmusik und Operette. Das kommt bei den alten Damen sehr gut an", sagt sie verschmitzt. Aber jetzt muss Franziska Strohmayr erste einmal an ihren Etappenzielen gut ankommen. Denn während sich die meisten Radler für eine derartige Tour auf allerfeinstes Equipment setzen würden, hat sich Strohmayr drei Tage vor Start für die günstige Variante entschieden: "Ich bin in den Supermarkt und hab mir gedacht, ich brauch jetzt schnell ein Fahrrad. Das hat dann 300 Euro gekostet". Die Fahrradtaschen hat sie sich geliehen, die Sportkleidung kommt aus dem Outlet. Kurz vor Jena ist ihr dann die Schaltung auseinandergeflogen. "Die konnte ich aber reparieren", sagt Franziska Strohmayr und wischt sich mit einem Feuchttuch die Streifen schwarzen Kettenöls aus dem Gesicht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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