Sensoren zur Lärmmessung werden im Rahmen eines Projektes für sechs Monate in Jena angebracht.
Die grauen Kästen enthalten Messinstrumente und sind mit einem kleinen Windrädchen ausgestattet. Bildrechte: MDR/Jürgen Kolarzik

Fraunhofer Institut Projekt "StadtLärm" will akustische Belästigung messen

In Jena ist am Dienstag der erste Sensor für ein neues Lärm-Mess-Projekt installiert worden. Mit dem Forschungsprojekt "StadtLärm" des Fraunhofer Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT soll sechs Monate lang der durch die Innenstadt verursachte Lärm gemessen werden.

von Jürgen Kolarzik

Sensoren zur Lärmmessung werden im Rahmen eines Projektes für sechs Monate in Jena angebracht.
Die grauen Kästen enthalten Messinstrumente und sind mit einem kleinen Windrädchen ausgestattet. Bildrechte: MDR/Jürgen Kolarzik

In Jena ist am Dienstag der erste Sensor für ein neues Lärm-Mess-Projekt installiert worden. Mit dem Forschungsprojekt "StadtLärm" des Fraunhofer Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT soll sechs Monate lang der durch die Innenstadt verursachte Lärm gemessen werden.

Der erste graue Kasten mit den Messinstrumenten und dem kleinen Windrädchen darauf wurde an einem Laternenmast am Wöllnitzer Oberhang befestigt, einem idyllischen Wohngebiet am Fuße der Kernberge gelegen. Doch das Blätterrauschen und Vogelgezwitscher wird oft gestört durch den Lärm von durchs Saaletal fahrenden Güterzügen, durch Baustellen oder durch Veranstaltungen in der Innenstadt.

Sensoren zur Lärmmessung werden im Rahmen eines Projektes für sechs Monate in Jena angebracht.
Im nächsten halben Jahr soll gemessen werden, wie laut es tatsächlich ist. Bildrechte: MDR/Jürgen Kolarzik

Der Lärm wird durch den Wind die Hänge nach oben getragen und ärgert dort die Anwohner. Diese beklagten sich bereits mehrfach bei der Stadt. Auch deshalb soll im nächsten halben Jahr durch die Lärmpegelmessung ein Überblick über die tatsächliche Belastung geschaffen werden.

"Viele Bürgerinnen und Bürger beschweren sich über hohe Lärmpegel in städtischen Wohngebieten. Das muss ernst genommen werden, denn städtischer Lärm ist mittlerweile für verschiedene gesundheitliche Beeinträchtigungen verantwortlich", erklärt Cornelia Bührer vom Dezernat Stadtentwicklung und Umweltschutz der Stadt Jena.

An dem wissenschaftlichen Projekt sind mehrere Thüringer Forschungs- und Entwicklungspartner beteiligt. Ziel ist subjektives Lärmempfinden in der Stadt vorherzusagen. Am Beispiel Jena sollen innerstädtische Lärmquellen analysiert, bewertet und die Ergebnisse anhand eines 3D-Modells veranschaulicht werden. Dieses Modell soll städtischen Behörden helfen, die Störwirkung von Lärmquellen einzuschätzen. Auf dieser Grundlage könnten etwa Veranstaltungen in Zukunft besser geplant werden.

Auch bei stadtplanerischen Aktivitäten, wie Umleitungen oder Baumaßnahmen können diese Ergebnisse helfen. Dafür werden noch diese Woche insgesamt 15 solcher Sensoren an verschiedenen Punkten rund um die Innenstadt angebracht, innerhalb und außerhalb der großen Parkanlage "Volkspark Oberaue". Das Gebiet ist umgeben von zwei Hauptstraßen sowie mehreren Straßenbahn- und Bahngleisen. Außerdem sind im Messbereich verschiedene Restaurants angesiedelt, und es finden regelmäßig Musik- und Sportveranstaltungen statt.

Sensoren zur Lärmmessung werden im Rahmen eines Projektes für sechs Monate in Jena angebracht.
Die Sensoren werden durch die Straßenlaternen mit Strom gespeist und sind außerdem mit einem Akku ausgestattet. Bildrechte: MDR/Jürgen Kolarzik

Die Sensoren werden durch die Straßenlaternen mit Strom gespeist und sind außerdem mit einem Akku ausgestattet. Sie übermitteln die Daten per SIM-Karte an einen zentralen Rechner.

Übertragen würde jedoch keine Sprache, sondern nur bereits im Sensor anonymisierte Lautstärkepegel, so Michael Selle von der Stadt Jena. Datenschutz stelle bei dieser Studie also kein Problem dar.

Nur die Art der Lärmbelastung würde erfasst, also ob die Geräusche von einem vorbeifahrenden Zug oder vom Jubel der Zuschauer einer Sportveranstaltung kommen würden.

Bislang wurden Beschwerden über eine zu große Lärmbelastung stichprobenhaft mit einer manuellen Geräuschpegelmessung durch Jenas Stadtverwaltung überprüft. Diese seien allerdings zeitaufwändig und unsystematisch und ließen so keine Modelle und Vorhersagen zu zukünftig geplanten Veranstaltungen ableiten.

Das Projekt kostet insgesamt rund eine Million Euro - zu 100 Prozent gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2018, 12:55 Uhr

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4 Kommentare

30.06.2018 00:21 part 4

Es ist heute schon zumeist wissenschaftlich erfasst wie Menschen auf verschiedene Arten von Lärm reagieren. Die S- Bahn neben dem Schlafzimmer im 10 - Minuten- Takt kann als weniger störend empfunden werden als plötzlich einmalig auftretende Geräusche außerhalb der Gewöhnung. Auf der Gegenseite wird auch daran gearbeitet bei Konzerten die Schallrichtung weitesgehend ausricheten zu können um nicht mit den Umweltberhörden in Konflikt zu geraten. Nur weshalb heute manche Schallschutzwände immer noch Glatt sind und keine Waffel- oder Wabenstrukturen aufweisen, erschließt sich mir nicht. Mit wenigen Optimierungen ließen sich so noch bessere Emissonswerte erzielen. Nicht vergessen werden sollte der Infraschall bei den Messungen, der wohl auch ausreichend Einfluß auf unser Wohlbefinden ausüben soll.

27.06.2018 09:09 Hannes 3

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Kahlaischen Straße, fünf Meter neben der Bahnstrecke eine Tempo 30 Zone einrichten. Wie blöd ist das denn?

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