Lothar König
Lothar König war 29 Jahre lang Jugendpfarrer in Jena. Bildrechte: dpa

Antifa-Ikone im Kampf gegen Rechts Jenaer Jugendpfarrer Lothar König geht in Ruhestand

Seit 1990 ist Lothar König Jugendpfarrer in Jena, sein Auftreten gegen Rechts machte ihn bundesweit bekannt. Nun wurde er mit einem Gottesdienst in Jena verabschiedet. Offiziell endet seine Amtszeit am 30. September.

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

von Cornelia Hartmann

Lothar König
Lothar König war 29 Jahre lang Jugendpfarrer in Jena. Bildrechte: dpa

Lothar Königs Telefon klingelt in diesen Tagen besonders oft. Nicht nur, weil so viele Journalisten noch einmal mit ihm sprechen wollen. Lothar König koordiniert auch noch Renovierungsarbeiten in der Jungen Gemeinde, ist jeden Tag da. Aber nur bis zum Ende seiner Amtszeit, sagt er. Seiner Nachfolgerin wolle er nicht reinpfuschen.

29 Jahre lang war König Jugendpfarrer in Jena, sein Engagement habe ihn zu einer Ikone der Antifa gemacht - sagte mal ein Mitstreiter am Rande einer Demo gegen Rechts.

Lothar Königs größte Niederlage

Dass so viele Menschen mitzogen bei seinen Projekten, das sei immer eine große Freude für ihn gewesen, sagt König. Auf die Frage nach Niederlagen in seinem Leben fällt ihm sofort der Prozess in Dresden ein. Die dortige Staatsanwaltschaft hatte König vor sieben Jahren angeklagt, weil er bei einer Demonstration zu Gewalt aufgerufen haben soll. Drei Jahre später wurde das Verfahren gegen 3.000 Euro eingestellt.

Lothar König
Lothar König vor Gericht in Dresden: "Eine richtige fette Niederlage". Bildrechte: Norbert Millauer/dapd

Dass er dem zugestimmt habe, sei eine richtig fette Niederlage für ihn gewesen. Er hätte lieber einen Freispruch gehabt, aber er sei einfach fertig gewesen. Das Verfahren habe bis dahin schon 80.000 Euro gekostet. Er wollte einen Schlussstrich, wusste aber, dass er damit auch viele enttäuscht habe. Für die Verfahrenskosten seien Spenden aus ganz Deutschland gekommen, das wiederum sei eine große Erleichterung gewesen.

Auf die Frage, warum es derzeit so viel Protestwähler gibt, sagt König:

Demokratie ist anstrengend, ich glaube für 80 Prozent der Leute ist sie zu anstrengend.

Jeder Mensch müsse selber entscheiden, ob Religion oder Glaube etwas Wichtiges für sein Leben sei. Ihm gebe der Glaube Kraft: "Immer wieder, ich hänge oft genug durch, und das ist etwas, was mir Kraft gibt, und dass ich dann doch weiter mache, hat etwas mit dem Glauben zu tun."

"Wir haben keine Chance mehr"

Dann nennt er ein Beispiel: die Umweltzerstörung. "Ich sage, wir haben keine Chance mehr, die Atombomben und die Gewehre können wir zur Seite stellen, aber was wir mit der Schöpfung angerichtet haben, da haben wir keine Chance mehr". Und dann kommt das Aber: "Vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder, ein richtiges, so dass auch unsere Enkelkinder noch etwas von dieser Welt haben".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2019, 18:06 Uhr

12 Kommentare

Stealer vor 11 Wochen

Lothar ist schon eine Institution in Jena. Man musste nicht immer seine Meinung teilen, aber sein Engagement gegen Rechtsextremismus, Ausgrenzung und Vorurteile war immer konsequent. Es wird wohl nicht so viele Jugendpfarrer geben, die solch ein Arbeitspensum hatten, von Neonazis zusammengeschlagen wurden, mit oft ziemlich problematischen Jugendlichen zu tun hatten und von Spießbürgern verachtet und verleumdet wurden und so lange durchgehalten haben.

Gegner hatte er immer viele, aber es gibt einen Unterschied zwischen Gegnern und Feinden. Wessen Kind letztere sind, sollte klar sein, und so sollte man die Kommentare sowohl hier als auch anderswo lesen und einordnen.

Nawienn vor 11 Wochen

Vom MP Bodo, dem Großen, persönlich verabschiedet
in einer kirchlichen Veranstaltung ???
Nachtigall, ich hör die trapsen !!!
Wenn Jena nicht über die Intelligenz am Standort
verfügen würde,wäre es schon lange eine Außenstelle
von Scheibe -Alsbach.
Schönen Abend noch..

faultier vor 11 Wochen

Einer Ikone der Antifa einen Artikel zu widmen finde ich schon befremdlich ,er mag als Mensch ja ganz ok sein ,aber seine politischen Ansichten gerade im Bezug auf linksradikalität sind zu verachten ,Aufruf zu Gewalt (Anstiftung zu einer Straftat) da kam er noch gut weg mit 3000 Euro und nun ab in den Ruhestand.

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