Masken-Pflicht wird stärker kontrolliert: Auslastung in Thüringer Regionalzügen steigt

Die Thüringer fahren wieder mit dem Zug. Doch die Masken-Pflicht wird nicht von allen befolgt. Deshalb kontrollieren Bahn und Polizei.

Ein Schaffner steht in einem Zug.
Schaffner Alexander Michel während der Fahrt von Halle (Saale) Hauptbahnhof nach Jena-Paradies. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Alexander Michel blickt auf dem Bahnsteig nach vorn, dann steigt er als letzter in den Zug. Es ist 11:07 Uhr in Halle (Saale), Hauptbahnhof. Der Regionalexpress 18 rollt pünktlich in Richtung Jena-Göschwitz. Eine Lok, drei nicht mehr ganz taufrische Waggons. Heute ist kein gewöhnlicher Tag für den Kundenbetreuer im Nahverkehr, denn er wird von zwei Kollegen der DB Sicherheit begleitet, im Hintergrund halten sich drei Bundespolizisten bereit.

Der Zug ist etwa zu einem Viertel besetzt. "Und die Leute verteilen sich in der Regel und sitzen nicht erst seit Corona lieber allein", sagt Michel. In der aktuellen Lage sei das Verhalten sogar sinnvoll. Er öffnet ein Fach in der Zugwand, stellt seinen Koffer hinein und öffnet ein weiteres Fach mit einem Telefon darin, nimmt den Hörer ab und begrüßt die Passagiere.

Der Gruß endet mit "Bitte achten Sie auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes", dann beginnt er seinen Rundgang. Ihm folgt Marco Eschke, Leiter für den Einsatzbereich Halle (Saale) bei DB Sicherheit.

Polizeipräsenz hilft - meistens reicht schon freundliche Ansprache

"Die Fahrscheine bitte", tönt es fröhlich durch den Zug. Einige Passagiere sind beeindruckt ob des großen Bahnhofs, der an diesem Mittwoch veranstaltet wird. "Aber ich finde es gut", sagt eine Frau. Sie sei am Bahnhof in Halle schon mehrfach belästigt worden, da sei die Polizeipräsenz doch eine gute Sache. So sieht das auch Karsten Täschner, Sprecher der Bundespolizei in Erfurt.

Mehrere Menschen steigen in eine Regionalbahn.
Kontrollen wie jene zwischen Jena und Halle sollen dabei helfen, dass sich Bahnfahrer um ihre Gesundheit im Zug keine Sorgen machen. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Allein die Gegenwart der Polizisten sei oft hilfreich und verhindere Eskalation, wenn jemand keinen Mund-Nase-Schutz trage. 71.000 Mal hätten Bundespolizisten im Bundesgebiet von 12. September bis 12. Oktober Menschen darauf angesprochen, berichtet er. Meist habe das geholfen.

Letztlich sollen Kontrollen wie jene zwischen Halle und Jena dabei helfen, dass sich Bahnfahrer um ihre Gesundheit im Zug keine Sorgen machen. Denn tatsächlich finden sich im Zug häufig Fahrgäste, bei denen die Maske unter der Nase hängt - oft unabsichtlich. "Das ist der Klassiker", sagt Kundenbetreuer Michel. Da reiche aber oft ein Hinweis.

Millionen Euro Einnahmen fehlen in den Kassen

Dass die Menschen Vertrauen fassen, ist für die Auslastung wichtig. Im Nahverkehr liege die Bahn in Thüringen inzwischen wieder bei etwa 80 Prozent, sagt DB-Regio-Sprecherin Susan Constantinescu. Im Frühjahr nach dem Aufkommen der Pandemie waren es auf manchen Zugstrecken nur noch zehn oder 20 Prozent. Das bestätigen auch die Erfurter Bahn und Abellio, die auf Thüringer Strecken unterwegs sind.

Letztere liegen nach eigenen Angaben auf ihren Strecken wieder bei etwa 90 Prozent Auslastung. Trotzdem fehlen bei mehr als 20 Millionen Fahrgästen pro Jahr im Bahn-Regionalverkehr Millionen Fahrgäste - und Millionen Euro Einnahmen. Das Land hat versprochen, Ausfälle in zweistelliger Millionenhöhe auszugleichen - die Anträge sind gestellt, Geld noch nicht geflossen.

Ein Mann steht mit verschränkten Armen vor einem Zug.
Geschäftsführer der Erfurter Bahn und Süd-Thüringen-Bahn, Michael Hecht.  Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Um das Sicherheitsgefühl zu verbessern und Züge wieder attraktiver als Autos zu machen, setzen alle Bahnbetreiber für die Kontrolle der Masken-Pflicht zusätzliches Sicherheitspersonal ein. "Diese kontrollieren stichprobenartig vor allem in der Hauptverkehrszeit", heißt es bei Abellio. Bei der Erfurter Bahn wünscht sich Geschäftsführer Michael Hecht eine stärkere Präsenz der Bundespolizei - er wisse aber auch, dass die nicht immer und überall sein kann, wenn es nötig ist. Aber: "Die anfänglich hohe Disziplin der Fahrgäste, wirklich Mund-Nasen-Schutz zu tragen, die hat merkbar nachgelassen", sagt Hecht.

Das sei ein Sicherheitsproblem für Fahrgäste und Personal. Zugbegleiter könnten das Problem nur ansprechen und gegebenenfalls Passagiere des Zugs verweisen - Daten erfassen oder Ämter informieren dürfen nur Polizisten. Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hatte angemahnt, Zugbegleiter dürften mit dem Problem nicht alleingelassen werden.

Probleme hängen oft mit Alkohol zusammen

Von DB Sicherheit ist im Zug zu erfahren, dass Probleme oft im Zusammenhang mit Alkohol auftreten. Sprich: Betrunkene fallen häufiger ohne Maske auf. In dem Zug von Halle nach Jena ist keine Bierflasche zu sehen, es ist später Vormittag. Alexander Michel ist inzwischen mit seinem Rundgang durch zwei Waggons fertig. Hier ist es bei Fahrkarten-Kontrollen geblieben. Sogar die Nasen waren alle bedeckt.

Ein Zug steht in einem Bahnhof.
Die Regionalbahn nach ihrer Ankunft in Jena-Paradies. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Nach einer Stunde ist die Fahrt nach Jena-Paradies zu Ende. Die Türen öffnen sich, Passagiere steigen aus und wieder ein. Die Tür geht zu, Alexander Michel fährt mit dem RE 18 weiter nach Süden - und auf dem Bahnsteig nehmen viele Fahrgäste erleichtert ihre Masken ab.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 25. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

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