Prozess in Gera Mord an Rentnerin in Jena: Angeklagter bricht sein Schweigen

In Gera steht ein Mann vor Gericht, dem der Mord an einer Rentnerin in Jena zur Last gelegt wird. Zum Prozessbeginn hatte der 24-Jährige noch geschwiegen, nun äußerte er sich erstmals und schob einem Landsmann die Verantwortung zu.

Knapp ein Jahr nach dem Mord an einer Rentnerin in Jena-Winzerla hat der Angeklagte am Mittwoch sein Schweigen vor Gericht gebrochen. Dabei bestritt er, Hand an die Frau gelegt zu haben. Der Afghane sagte, er sei seit Längerem von einem Landsmann bedroht worden. Am Tattag sei dieser mit weiteren Männern in seine Wohnung gekommen. Dort sei er gerade im Gespräch mit der Nachbarin gewesen. Als sie die Wohnung verlassen wollte, habe der Mann sie an Armen und Hals gepackt und zu Boden gebracht. Später habe er helfen müssen, den in einen Koffer gestopften Körper nach unten zu tragen, sagte der Angeklagte.

Tote Rentnerin in Jena in Koffer entdeckt

Der Koffer war zwei Tage später im Keller des Hauses entdeckt worden. Die Anklage wirft dem nach Gerichtsangaben 24-Jährigen vor, seine damalige Nachbarin am 10. Januar 2019 aus Habgier getötet zu haben. Ziel sei gewesen, an das Vermögen der Frau zu gelangen. Dazu soll er versucht haben, 7.000 Euro von einem Konto der Seniorin auf sein Konto zu überweisen. Die 87-Jährige war laut Rechtsmedizin infolge stumpfer Gewalt gegen den Hals erstickt. Zudem sei ein Schal mindestens viermal um den Kopf der Seniorin geschlungen gewesen, sodass Nase und Mund verschlossen waren, hieß es.

Wurde Angeklagter von Landsmann unter Druck gesetzt?

Der Angeklagte selbst gab an, vor fast 22 Jahren in Afghanistan geboren zu sein und seit 2011 in Deutschland zu leben. Er habe sich von einem Landsmann 10.000 Euro geliehen, um seiner kranken Mutter in Afghanistan zu helfen. Der habe dafür Gegenleistungen wie Dienste als Drogenkurier verlangt und ihm Konsequenzen angedroht, sollte er sich widersetzen. Dass sei der Grund gewesen, warum er nach dem Tod der Nachbarin nicht zur Polizei gegangen sei, erklärte er. Stattdessen hatte er bei einem Bekannten Zuflucht gesucht und war schließlich von der Polizei in Erfurt festgenommen worden.

Mit einem Kapuzenmantel und einer gelben Mappe verdeckt der Angeklagte vor dem Landgericht Gera sein Gesicht.
Für den Prozess um den Jenaer Mord sind am Landgericht Gera weitere Termine bis Februar angesetzt. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/WichmannTV

Landgericht Gera will Mordfall aus Jena klären

Der Fall wird seit Oktober am Landgericht Gera verhandelt. Warum er denn erst jetzt aussage, wollte Richter Uwe Tonndorf wissen. Er habe sich auf Empfehlung seiner Anwälte bisher nicht geäußert - sich ihnen zuvor aber auch nicht so umfänglich offenbart, betonte der Angeklagte. Und warum musste die Seniorin dann sterben? Die Männer hätten wohl befürchtet, dass er ihr von den kriminellen Machenschaften erzählt habe, vermutete er. Außerdem habe sie durch die Begegnung in seiner Wohnung ihre Gesichter gesehen.

Die Befragung des Angeklagten soll am Freitag fortgesetzt werden. Dann soll nach dem Willen des Gerichts auch ein psychiatrisches Gutachten über den Angeklagten vorgestellt werden. Zudem hat die erste Strafkammer weitere Termine bis Anfang Februar anberaumt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. Januar 2020 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2020, 17:34 Uhr

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