Frontansicht zweier Busse auf Straße
Die Busse der beiden Verkehrsgesellschaften Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Jena und Saale-Holzland-Kreis Jenaer Nahverkehr und JES Verkehrsgesellschaft wollen fusionieren

Die Verschmelzung der höchst unterschiedlichen Unternehmen soll die Angebote verbessern und neue Mobilitätskonzepte ermöglichen. Arbeitsplätze seien nicht in Gefahr. Durch die Fusion entsteht ein Verkehrsgroßunternehmen. Dadurch kommen sich auch Jena und der Saale-Holzlandkreis ein gutes Stück näher.

von Olaf Nenninger

Frontansicht zweier Busse auf Straße
Die Busse der beiden Verkehrsgesellschaften Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Deutlich spürbar ist das Tauwetter in den Beziehungen zwischen Jena und dem umliegenden Saale-Holzland-Kreis schon lange. Bei gemeinsamen Terminen liegen sich OB Thomas Nitzsche (FDP) und Landrat Andreas Heller (CDU) zwar nicht verliebt in den Armen, aber der Christdemokrat aus dem Landkreis ist dem Liberalen aus der Stadt doch stärker zugetan als seinem sozialdemokratischen Vorgänger Albrecht Schröter.

Politische Eiszeit adé

Auch wenn man die persönliche Chemie zwischen Führungskräften nicht überbewerten sollte, aber es tut sich was im oft schwierigen Verhältnis zwischen Jena und der Kreisverwaltung in Eisenberg. Allerdings wenn man Thomas Nitzsche nach ganz konkreten gemeinsamen Projekten fragte, hieß es immer ein wenig zurückhaltend: "Wir sind in vielen Gesprächen, aber noch ist es zu früh für Ankündigungen." Aber nun wird annonciert. Das erste gemeinsame Großprojekt macht sich auf den Weg. Und was gäbe es besseres, um das Zusammenwachsen zweier großer Gebietskörperschaften zu begleiten, als die Verkehrsinfrastruktur zu optimieren? Der Jenaer Nahverkehr und die JES Verkehrsgesellschaft wollen fusionieren. Vielleicht.

Erst einmal eine Absichtserklärung

Noch sind die gebrannten Kinder vorsichtig und belassen es einstweilen mit einer Absichtserklärung. Heißt: Stadt Jena, Landkreis und beide Verkehrsgesellschaften werden demnächst mit einer Beschlussvorlage durch die Fachausschüsse und Regionalparlamente tingeln. Erst wenn Stadträte und Kreistagsabgeordneten grünes Licht gegeben haben, kann die Verschmelzung beider Unternehmen in Angriff genommen werden. Auch wenn die Fusion nach einer vernünftigen Idee klingt, wird sie auf politischer Ebene sicher noch das ein oder andere Getriebe knirschen lassen.

Zwei Busse stehen dicht nebeneinander
Der Fahrplan: Zunächst reichlich Zwischenstationen in den kommunalpolitischen Gremien Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Momentan sind die administrativen Zuständigkeiten noch klar geregelt. Für ein Gemeinschaftsunternehmen müssen sie erst noch gefunden werden. Und spätestens wenn es ums liebe Geld geht (wer schießt wo zu, wie einigt man sich im Finanzausgleich des Verkehrsverbunds Mittelthüringen), könnte die derzeitige Harmonie zwischen Jena und Eisenberg auch wieder abkühlen. Dennoch, dem Entschluss, eine Fusion voranzutreiben, ging die Prüfung auch anderer Kooperationsmodelle voraus. Doch ein künftiges einheitliches Verkehrsunternehmen für Jena und den Saale-Holzlandkreis schien den Entscheidern die beste Option.

Jenaer Nahverkehr und JES - zwei ungleiche Partner

Jenaer Nahverkehr und JES Verkehrsgesellschaft (JES steht für Jena-Eisenberg-Stadtroda) arbeiten bereits seit ihren Gründungen eng zusammen – beispielsweise als Partner im Verkehrsverbund Mittelthüringen. Und doch sind sie höchst unterschiedlich aufgestellt. Der Jenaer Nahverkehr transportiert für ein städtisches Verkehrsunternehmen typisch mit wenigen Linien (zehn Bus- und fünf Straßenbahnlinien auf knapp 160 km) vergleichsweise viele Fahrgäste, nämlich mehr als 22 Millionen jährlich.

Ein umgekehrtes Bild ergibt sich bei der ländlich geprägten JES: 40 Buslinien, auf 3000 Kilometern und 1,5 Millionen Passagiere sind es hier im Jahr. So verschieden beide Unternehmen sind, so günstig ist die personelle Ausgangssituation für die Fusion auf der Führungsebene. Denn schon jetzt steht sowohl dem Jenaer Nahverkehr als auch der JES Andreas Möller als Geschäftsführer vor (in Jena ergänzt durch Steffen Gundermann als Co-Geschäftsführer).

Alle Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben

Gemeinsam müssen sie auch die dann rund 475 Mitarbeiter auf Kurs bringen. Bei allen Synergien, die ein gewichtiges Argument für die Verschmelzung sind, betonen aber beide Gesellschaften, dass künftig alle Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten bleiben sollen. Vielmehr will man sich in Sachen Service und Innovationskraft besser aufstellen.

"Wir möchten unseren Fahrgästen in Jena und der Region zukünftig besser aufeinander abgestimmte Mobilitätsangebote bieten. Gleichzeitig wollen wir für Jena und den Saale-Holzland-Kreis Partner bei der Entwicklung, Planung und Umsetzung neuer Mobilitätskonzepte sein", sagte Andreas Möller am Rande der Ankündigung der Absichtserklärung. Mit Blick auf die angekündigte Anschaffung dreier Elektro-Linienbusse in Jena könnte das bedeuten, dass man solche Formen der Mobilität künftig auch auf ausgewählten Strecken im Saale-Holzlandkreis sichten könnte.

Eine Straßenbahn auf dem Campus der Universität Jena.
Jena: Wenige Linien, viele Passagiere - Partner JES: Viele Linien im ländlichen Raum mit weniger Passagieren Bildrechte: imago/Bild13

Sicher ist aber, dass das neue Verkehrsgroßunternehmen die komplizierte Planung von Strecken und Takten zwischen Stadt und Land vereinfachen wird. Damit wäre ein erster wichtiger Schritt getan für das weitere Zusammenwachsen von Jena und dem Landkreis. Das löst nicht alle Probleme, aber die Wirtschaft und vor allem die Pendler werden es danken. Oder wie Landrat Andreas Heller es in schönstem Politikerdeutsch ausdrückte: "Im Mittelpunkt der Beschlussvorlage steht, Mobilität als Kernbestandteil der Daseinsvorsorge in einem gemeinsamen Verkehrsraum Jena-Saale-Holzland anzubieten."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 06. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2019, 19:56 Uhr

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