Der neue OB von Jena, Thomas Nitzsche, vor der Tür des Rathauses.
Thomas Nitzsche, der neue OB von Jena, hatte die Stichwahl mit knapp zwei Dritteln der Stimmen gewonnen. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Serie Thomas Nitzsche - der neue OB von Jena

Der neue Rathaus-Chef in Jena ist ab 1. Juli Thomas Nitzsche. Er hat den Oberbürgermeisterstuhl für die Liberalen zurückerobert, nachdem mit Peter Röhlinger dort schon von 1990 bis 2006 ein FDP-Politiker regierte. Nitzsche hatte in der Stichwahl mit knapp zwei Dritteln der Stimmen den bisherigen Amtsinhaber Albrecht Schröter (SPD) deutlich hinter sich gelassen. Der 42-Jährige will nun frischen Wind in die Verwaltung bringen und kündigt auch einen neuen Politik-Stil an.

von Anke Preller

Der neue OB von Jena, Thomas Nitzsche, vor der Tür des Rathauses.
Thomas Nitzsche, der neue OB von Jena, hatte die Stichwahl mit knapp zwei Dritteln der Stimmen gewonnen. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Auch wenn es bis zum offiziellen Amtsantritt noch ein paar Tage sind, Thomas Nitzsche radelt schon fast täglich ins Rathaus Am Anger. Mit dem Fahrrad geht es einfach schneller in der oft staugeplagten Innenstadt, wie der promovierte Politikwissenschaftler sagt, der bis vor kurzem als wissenschaftlicher Referent in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek beschäftigt war. Von der Universität Jena hat er sich für vorerst sechs Jahre beurlauben lassen. Er habe Rückkehrrecht, so Nitzsche, plane aber, länger im Rathaus auf dem Chefsessel zu bleiben.

Noch nimmt er nur als Gast an der OB-Dienstberatung teil, begleitet den Noch-Amtsinhaber zu Terminen oder wie erst letzte Woche zu einem Besuch in der Partnerstadt Erlangen. Für Albrecht Schröter war es der Abschieds-, für Thomas Nitzsche der Antrittsbesuch. Nitzsche spricht von einem fließenden Wechsel. Sein Vorgänger beziehe ihn schon in vieles ein, alles laufe fair und transparent.

Blick aus der Luft auf das Stadtzentrum von Jena. Aus den Häusern ragt ein Komplex von Hochhäusern heraus. Dabei handelt es sich um den Jentower sowie um das alte Zeiss-Werk
Blick auf die Stadt Jena aus der Luft. Bildrechte: MDR/Jürgen Kolarzik

Als Beispiel nennt er das zentrale Projektmanagement, das noch unter Schröter auf den Weg gebracht wurde. Drei Mitarbeiter der Verwaltung sollen ab Juli die in Jena anstehenden Großbaustellen und alles was damit zusammenhängt, koordinieren. Ob der neue Uni-Campus auf dem Inselplatz, die geplante Bebauung des Eichplatzes, der Bibliotheksneubau oder die Großinvestition von Zeiss - auf die Jenaer kommt einiges zu.

Chaos zu verhindern, heißt die große Herausforderung für die Stadtverwaltung, aber auch für den Neuen auf dem Oberbürgermeistersessel, das weiß Nitzsche. Einen größeren Umbau der Verwaltung plant er nach eigener Aussage vorerst nicht, will auch mit dem bisherigen Leiter des OB-Büros und der Chefsekretärin weiter zusammenarbeiten.

Erst, so Nitzsche, wolle er alle Abläufe kennenlernen, bevor er Entscheidungen treffe. Ohnehin wird es Veränderungen geben, denn auch ein Wechsel der Beigeordneten steht an, die in Jena Dezernenten heißen. Insgesamt drei neue Dezernenten treten im September bzw. zu Jahresbeginn ihr Amt an. Nitzsche konnte in der letzten Sitzung des Stadtrats vor der Sommerpause seine Wunschkandidaten durchbringen.

Dafür musste er neue Mehrheiten finden, weil er auf die langjährige "Regierungskoalition" aus SPD, CDU und Grünen nicht mehr bauen kann. Kein Problem für ihn, sagte er. Er werbe ohnehin für ein neues Miteinander mit dem Stadtrat.

Natürlich sei es für eine Verwaltung mitunter leichter, den Stadtrat möglichst draußen zu lassen, die Probleme intern zu klären. Dieses Vorgehen kenne er nur zu gut aus jahrelanger Oppositionsarbeit und wolle es ändern. Deshalb auch sein Angebot an alle Stadtratsfraktionen, einen ehrenamtlichen Dezernenten zu benennen, der dann mit am Tisch sitzt bei der OB-Dienstberatung und frühzeitig in anstehende Themen und Probleme einbezogen ist.

Nach der Sommerpause kündigt Nitzsche dahingehend noch einmal Gespräche mit den Stadtratsfraktionen an. In den berühmten ersten 100 Tagen will er möglichst kleinere Wahlversprechen einlösen. Dazu gehören laut Nitzsche mehr Hundetoiletten in der Stadt. Ein Problem, das scheinbar vielen Jenaern in die Nase sticht, denn darauf werde er immer wieder angesprochen.

Außerdem will er neue Akzente im Umgang mit dem Umland setzen - und dabei mit der Nachbarstadt Apolda anfangen. Seit Jahren schon mühe sich die dortige Stadtspitze um eine Annäherung an die Großstadt Jena, werbe mit preiswerterem Wohnraum zum Beispiel für Studenten. In Apolda wohnen, in Jena arbeiten oder studieren. Beide Städte könnten davon profitieren, so Nitzsche. Doch funktioniere das nicht ohne eine bessere Verkehrsanbindung. Deshalb sollen schnellstmöglich Busse zwischen Jena und Apolda im 30-Minuten-Takt fahren.

Auch mit dem Saale-Holzland-Kreis wünscht sich der neue Jenaer OB künftig ein engeres Zusammenwachsen. Berührungspunkte gebe es genügend.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 25. Juni 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2018, 19:11 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

26.06.2018 22:27 Grosser Klaus 4

Wieder ein neuer Dezernent für Stadtentwicklung, der keine Ahnung von Stadtentwicklung hat,
Aber egal der neue OB Thomas Nitzsche kümmert sich um das allerwichtigste Problem, welches es in Jena gibt - die fehlenden Hundetoiletten.
Jena geht mit solch einem Oberbürgermeister wahrhaft glorreichen und goldenen Zeiten entgegen.

26.06.2018 19:35 Gino Erler 3

Ein Wahlversprechen war auch, die Ampeln der Schnellstraße zu reduzieren und sie wieder zu einer richtigen Schnellstraße zu machen.

Ich hoffe von den Hundetoiletten kommen auch welche in Winzerla und Lobeda an.

Mehr aus der Region Jena - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen