Gerahmtes Bild von Ramona K..
Im Mordfall Ramona K. gibt es neue Erkenntnisse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ungeklärter Mordfall in Jena 76-Jähriger als neuer Verdächtiger im Fall Ramona K.

Gerahmtes Bild von Ramona K..
Im Mordfall Ramona K. gibt es neue Erkenntnisse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im über 20 Jahre alten Mordfall Ramona K. aus Jena hat die Polizei am Dienstag in Erfurt-Süd einen neuen Tatverdächtigen festgenommen. Der 76-jährige Willfried M., der aus Jena stammt und in Mühltroff in Sachsen leben soll, wurde am Mittwochvormittag am Amtsgericht Gera dem Haftrichter vorgeführt. Inzwischen sitzt er in einer JVA. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm einen sogenannten Verdeckungsmord vor. Er soll Ramona K. umgebracht haben, um eine andere Straftat zu verdecken. Die Sonderkommission "Altfälle" bei der Landespolizeiinspektion Jena hatte den Mann seit Juli 2018 im Visier. Er gilt als "dringend tatverdächtig", hat bislang jedoch kein Geständnis abgelegt.

Neuer Verdächtiger Willfried M.

Wie Andreas Gerstberger, der Leiter der "Soko Altfälle", in einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag mitteilte, war Willfried M. nach einer 15-jährigen Haftstrafe wegen Sexualstraftaten mit anschließender und später aufgehobener Sicherungsverwahrung unter Führungsaufsicht. Er war immer wieder wegen schweren sexuellen Missbrauchs, auch von Kindern, und Vergewaltigung verurteilt worden, zuletzt 1999 in Schweinfurt.

Der Verdächtige sei am Freitag vergangener Woche mit einem Haftbefehl konfrontiert worden und habe daraufhin sein Handy abgeschaltet und weggeworfen, so Soko-Leiter Gerstberger. Der Verdächtige habe sich kreuz und quer im Bundesgebiet bewegt, immer beobachtet von der Polizei. Der sei gelungen, eine "Vielzahl an Sachen dokumentieren zu können, die noch nicht Gegenstand der Öffentlichkeit waren - die nur ein Tatbeteiligter wissen konnte". Er habe geholfen, den Sachverhalt nachzuprüfen, habe sich geäußert und Fakten gezeigt, die alle dokumentiert und nachgeprüft werden. In der Pressekonferenz sprachen die Ermittler von "hochinteressanten taktischen Abläufen", die allerdings erst in der Hauptverhandlung präsentiert werden sollen. Die Ermittler gehen davon aus, dass Willfried M. und Ramona K. sich kannten. M. sei in allen Sokos "Gegenstand der Ermittlungen" gewesen und "recht weit oben geführt" worden, weil er in der Gegend wohnte und kein Alibi hatte. Das hätte aber auch für den ersten Tatverdächtigen gegolten, einen Mann aus Erfurt.

Erster Tatverdächtiger aus Erfurt

Ein anderer Tatverdächtiger, der bereits im September festgenommen wurde, soll nichts mit dem Mord an Ramona zu tun haben. Allerdings soll er nach Informationen von MDR THÜRINGEN weiter in Untersuchungshaft bleiben, da ihm andere Straftaten vorgeworfen werden. So habe er einem Mithäftling erzählt, dass bei einer seiner Taten 1997 "eins auf der Strecke geblieben" sei. Das teilten die Beamten bei der Pressekonferenz mit. Bei Durchsuchungen hatten die Ermittler nach eigenen Angaben Filme sichergestellt, in denen der heute 56-Jährige Frauen Narkosemittel gibt und sie anschließend vergewaltigt. Ursprünglich sollte der Mann Ende Dezember 2018 aus der Haft entlassen werden. Mit den neuen Beweismitteln bleibt er weiter im Gefängnis.

180 Ordner

Hauptsachbearbeiter Sven Opitz erklärte, der Fall umfasse 180 Ordner. Nicht alle Unterlagen seien lesbar gewesen, nur ein Teil sei schon digitalisiert gewesen. Die Ermittler hätten die Akten digitalisiert und eine Vielzahl Spuren erneut untersucht. Dabei hätten auch die Rechtsmedizin Jena und das Landeskriminalamt Erfurt geholfen. Ziel sei gewesen, aus "schon untersuchten Spuren noch das Quäntchen Hinweis" herauszubekommen, was durch neue Methoden möglich sei.

Zurück zum Anfang

Ansatz der Ermittler sei gewesen, zurück zum Ursprung, zum Anfang zu gehen, so Hauptsachbearbeiter Sven Opitz. Aus den Tausenden Personen, die in den Akten auftauchen, wurden 30 näher "untersucht". Von diesen 30 seien zwei Tatverdächtige herausgestochen.

Einsatzkräfte am abgesperrtem Fundort im Wald
Einsatzkräfte am abgesperrtem Fundort im Wald, 1997 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit Zeit und Personal "akribisch" ermitteln

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) dankte den Ermittlern der Sonderkommission "Altfälle". Es sei beruhigend zu wissen, dass sich Täter auch nach über 20 Jahren nicht sicher fühlen könnten. Die Erfolge der Soko machten deutlich, dass es sich lohne, auch scheinbar unlösbare Fälle nicht aufzugeben und mit unkonventionellen Methoden und neuer Technik weiter nach Lösungen zu suchen, so Maier. "Akribie und Geduld" hätten geholfen, die Straftaten aufzuklären, hieß es bei der Pressekonferenz. Die Beamten könnten sich Zeit für die Fälle nehmen und seien nicht von "heißen" Fällen belastet. Außerdem könnten sie Methoden nutzen, die es damals noch nicht gab.

Familie wünscht Ruhe

Dienstagabend hatte die Familie von Ramona K. von den neusten Erkenntnissen erfahren. In einem "intensiven Gespräch" habe die Mutter darum gebeten, dass die Familie nicht kontaktiert wird. Ihre damals zehnjährige Tochter Ramona K. war im August 1996 in Jena vermisst gemeldet worden. Ein halbes Jahr später, im Januar 1997, wurde ihre Leiche in einem Wald bei Eisenach gefunden. Zur Aufklärung dieses und zweier weiterer Fälle von vermissten Kindern aus den 1990er Jahren hatte die Polizei Jena die Sonderkommission "Altfälle" gegründet. Hintergrund für die Gründung war die DNA-Spur des mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt an der im Herbst 2016 gefundenen Leiche von Peggy K. Diese stellte sich später als Trugspur heraus.

Die Soko "Altfälle" konnte dann im März vergangenen Jahres ihren ersten Erfolg vermelden. Die Beamten nahmen den Mörder der 1991 getöteten Stephanie D. fest. Er wurde vom Landgericht Gera zu lebenslanger Haft verurteilt. Bisher noch keinen Durchbruch gibt es im Fall des 1993 in Jena ermordeten Bernd B. Der damals Neunjährige wurde am Saaleufer erdrosselt gefunden. Trotz intensiven Ermittlungen konnte bisher kein Tatverdächtiger gefunden werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 30. Januar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 06:51 Uhr

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7 Kommentare

01.02.2019 09:29 martin 7

@blumenfreund: Selbstverständlich werden in unserem Rechtsstaat auch Verbrecher nach Verbüßung Ihrer Strafe wieder freigelassen - außer es wurde Sicherungsverwahrung angeordnet. Dann kommen sie erst wieder frei, wenn die Gutachter die Meinung vertreten, dass von den Tätern keine neuen Verbechen zu erwarten sind.

Im hier vorliegenden Fall erfolgte die Tat nach Auffassung der Staatsanwaltschaft und Ermittlungen der Polizei bereits vor der vorigen Verurteilung und steht damit auch nicht automatisch im Widerspruch zur Einschätzung der Gutachter.

31.01.2019 13:45 Blumenfreund 6

@Theo: Erst richtig lesen, und dann schreiben!

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