Pandoa-App aus Jena Der Wettlauf um das Corona-Tracing

Corona-Tracing via App begreift die Bundesregierung als wichtigen begleitenden Beitrag im Kampf gegen die Pandemie. Nutzer könnten so zeitnah ihr eigenes Ansteckungsrisiko einschätzen. Im besten Falle generiert die App sogar anonymisierte Daten, mit denen Virologen Hotspots schneller erkennen können. Streit gibt es immer wieder um das beste technische Verfahren für eine Tracing-App und die Bedeutung des Datenschutzes.

Verschiedene Bildschirme, in denen gezeigt wird, wie die Oberfläche der App aussieht
Bildrechte: MDR/Marcel Roth

Nach langem Hin und Her scheint die Entscheidung gefallen: Die Bundesregierung setzt auf eine Corona-Tracing-App, für die Google, Apple, Telekom und SAP zusammenarbeiten werden. Bis man sich die App herunterladen und benutzen kann, wird es noch viele Wochen dauern.

Eine weitere wichtige Entscheidung: Die Bundes-Corona-App soll einen dezentralen Ansatz fahren. Heißt, die erhobenen Daten sollen nicht auf einem zentralen Server gespeichert werden, sondern nur auf den jeweiligen Geräten der Nutzer. Hält man sich in der Nähe eines anderen Nutzers der noch namenlosen App auf, dann sollen beide Handys über Bluetooth anonymisierte Kennungen austauschen.

Sollte jemand positiv getestet werden, dann trägt er das in seiner App ein und gibt diese Daten frei - meldet sich auf einem Server quasi als "infiziert". Wollen andere Nutzer wissen, ob sie einer infizierten Person begegnet sind, müssen sie die Daten aktiv vom Server abrufen. Der Abgleich - das Matching - geschieht dann nur auf dem Handy.

GPS-Methode oder Bluetooth

Hans Elstner, Chef der Jenaer IT-Firma rooom AG verfolgt bei seiner Corona-Tracing-App "Pandoa" einen ähnlichen, nämlich ebenfalls dezentralen Ansatz. Das Handy verfolgt die Bewegungsdaten allerdings über GPS. "Die werden aber nur gespeichert, wenn sich der Nutzer irgendwo eine Weile aufgehalten hat."

Auch bei Pandoa gilt: Der Nutzer muss eine Infektion in die App eintragen und seine Daten dann einmalig freigeben. Ein Server stellt sie allen anderen Pandoa-Apps zur Verfügung. Die jeweiligen Handys suchen dann nach Übereinstimmungen. Finden sie einen "Match", dann schlägt das Handy Alarm. "Der Nutzer weiß nun, dass er in der Vergangenheit in der Nähe eines Infizierten war und kann sich gegebenfalls testen lassen", erklärt Elstner.

Was der Nutzer nicht weiß und aus Datenschutzgründen auch nicht wissen soll: wo und wann er wem begegnet ist. Einzig die Region, also eine Stadt oder ein Dorf, können aus den Daten ausgelesen werden. So könnten Forscher schnell Corona-Hotspots identifizieren. Das geht mit Bluetooth nicht. Die GPS-Methode kommt dafür in Sachen Genauigkeit an ihre Grenzen. Mehr als zwei bis drei Meter sind nicht drin. Virologen gehen aber davon aus, dass man sich auf anderthalb Meter annähern muss, damit eine hohe Infektionswahrscheinlichkeit besteht.

Alltagstauglichkeit ist wichtig

Aber auch die von der Bundesregierung favorisierte Bluetooth-Technologie ist diesbezüglich nicht perfekt. "Bluetooth berechnet den Abstand zwischen den Geräten über die Signalstärke. Je stärker das Signal, desto näher ist man dran - so die Theorie. Aber wenn ich mein Handy in der Hosentasche habe, kann das die Signalstärke und damit auch die Abstandsmessung beeinflussen", erklärt Pandoa-Entwickler Hans Elstner.

Außerdem funktioniert die Technik nur, wenn die App bei Apples iPhones permanent im Vordergrund läuft. Der Nutzer müsste den Bundes-Corona-Tracer also ständig mit eingeschaltetem Bildschirm geöffnet haben. "Das ist nicht gerade alltagstauglich", gibt Elstner zu bedenken. "Aber wahrscheinlich lässt sich Apple da noch was einfallen." Jedoch muss auch Elstner zugeben, dass Bluetooth gerade in mehretagigen Gebäuden seine Vorteile ausspielen kann. Denn GPS kann nicht vertikal differenzieren. Befindet man sich also für eine Weile mehrere Etagen unter oder über einem Infizierten, würde Pandoa auch Alarm schlagen. Elstner plant daher für Pandora eine Koppelung von GPS und Bluetooth, um das Beste aus beiden Welten zu verbinden.

Der Thüringer Landesdatenschutzbeauftragte Lutz Hasse hat sich über Pandoa bereits informieren lassen. Auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN ließ er mitteilen, dass er der Jenaer App grünes Licht geben würde. Sichergestellt werden müsste aber, dass Dritte keine Rückschlüsse auf den Nutzer und seine persönlichen Daten erhalten dürfen. Hier müsse es eine vollständige Anonymisierung geben, so Hasse.

Politik soll Interesse bekunden

Trotz der jüngsten Entwicklungen in Sachen Bundes-Corona-App hält Hans Elstner an seiner Idee von Pandoa fest. "Es ist gerade viel Bewegung in der Diskussion. Vielleicht gibt es ja auch Raum für einen alternativen Ansatz. Google und Apple dürften Pandoa jedenfalls nicht als Konkurrenz begreifen, so dass damit auch auch der Zugang zu den jeweiligen App-Stores möglich wäre. Allerdings braucht es noch klare Interessensbekundungen der Politik an meinem Ansatz, damit die Weiterentwicklung auch Sinn macht".

Server-Betreiber noch offen

Bauchschmerzen könnten Datenschützer und Kartellbehörden aber angesichts der Hauptprotagonisten bei der geplanten Corona-Tracing-App des Bundes bekommen: da kooperieren Google und Apple - zusammen Marktführer in Sachen Handybetriebssysteme. Dazu kommt der Software-Riese SAP und der globale Telekommunikationsdienstleister Telekom. Auf seinem eigenen Blog zum Thema Corona-App lässt Google offen, wer die Server betreiben soll. Außerdem sollen zwar veraltete Nutzerdaten von der Auswertung ausgenommen werden, aber von einer endgültigen Löschung ist nicht die Rede. Das gibt der Spekulation Nahrung, dass es Google und Apple mit der dezentralen Lösung nicht ernst meinen könnten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03. Mai 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

adler123 vor 29 Wochen

Jetzt fangen die noch an zu spinnen....bin ja gespannt, wie weit die noch noch ihre Stilblüten treiben.:-)))

Erichs Rache vor 29 Wochen

Kann man keine Postkarten an die Bundesregierung schreiben, die die Bundesregierung, das BKA und die LKA´s dann auswerten?

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