Mit einem Kapuzenmantel und einer gelben Mappe verdeckt der Angeklagte vor dem Landgericht Gera sein Gesicht.
Der angeklagte 24-Jährige verdeckte sein Gesicht, als er in den Gerichtssaal geführt wurde. Bildrechte: MDR/WichmannTV

Justiz Leiche im Koffer: Prozess um Mord in Jena hat begonnen

Im Januar dieses Jahres fanden Polizisten im Keller eines Mehrfamilienhauses in Jena die Leiche einer 87-Jährigen - versteckt in einem großen Koffer. Ursula P. starb eines gewaltsamen Todes. Seit Montag steht ihr mutmaßlicher Mörder vor dem Geraer Landgericht.

Mit einem Kapuzenmantel und einer gelben Mappe verdeckt der Angeklagte vor dem Landgericht Gera sein Gesicht.
Der angeklagte 24-Jährige verdeckte sein Gesicht, als er in den Gerichtssaal geführt wurde. Bildrechte: MDR/WichmannTV

Der Verhandlungssaal in Gera ist voll besetzt, als der Angeklagte hereingeführt wird. Verwandte und Bekannte von Ursula P. verfolgen den Prozess gegen den 24-Jährigen, der fünf Jahre lang mit der Seniorin Tür an Tür lebte. Den sie manchmal mit Geldbeträgen zwischen 50 und 100 Euro unterstützte, und der sie aus Habgier getötet haben soll - angeblich, um zu seiner Mutter nach Afghanistan zu reisen.

Gleich zu Beginn des Prozesses beanstandet die Verteidigerin, dass der Dolmetscher, der wie der Angeklagte Paschtu spricht, nicht allgemein vereidigt und deshalb nicht geeignet sei. Der Antrag wird erst zurückgestellt und dann zurückgewiesen. Während der Staatsanwalt die Anklage verliest, kämpft die Tochter von Ursula P. mit den Tränen. Ihre Mutter starb "an der Einwirkung stumpfer Gewalt", heißt es in der Anklage.

Vermisstenanzeige bringt Ermittlungen in Jena ins Laufen

Der Angeklagte, der 2011 als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland kam, schweigt zu den Vorwürfen, seine Anwältin hält eine sogenannte Eröffnungserklärung, in der sie die Anklage eine Hypothese nennt, die nicht bewiesen sei. Sie spricht von einer medialen Vorverurteilung ihres Mandanten und zeigt sich überzeugt, dass die Richter die Beweise vorurteilsfrei würdigen werden.

Ein Foto der getöteten Seniorin steht auf einem Tisch im Gerichtssaal.
Ein Foto der getöteten Seniorin während des Prozessauftakts am Landgericht Gera. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Dann wird der erste Zeuge gehört, ein 32-jähriger Kriminalbeamter aus Jena. Er erzählt, wie die Ermittlungen ins Laufen kamen. Ein Kollege hatte angerufen, der eine Vermisstenmeldung auf dem Tisch hatte. Erstattet hatte sie die Tochter von Ursula P., nachdem eine Bankmitarbeiterin bei ihr angerufen hatte. Bei der Bank der alten Dame war ein Überweisungsformular über 7.000 Euro eingegangen, auf dem die Unterschrift von Ursula P. ganz offensichtlich gefälscht war. Die Tochter fuhr daraufhin in die Wohnung ihrer Mutter, traf sie nicht an und erstattete die Vermisstenanzeige.

Polizei prüft Bankverbindung - Nachbar gerät unter Verdacht

Weil die Begleitumstände so waren, habe man sich sofort entschlossen, der Sache nachzugehen, sagt der Beamte im Zeugenstand. Noch im Büro habe man überprüft, auf wessen Konto die 7.000 Euro gehen sollten und sei dabei auf den Nachbarn der alten Dame gestoßen. In der Nacht habe sich der Polizeibeamte dann um einen Durchsuchungsbeschluss für dessen Wohnung gekümmert - und war anschließend zum Haus gefahren.

In der Wohnung der alten Dame fehlte der Inhalt von drei Sparschweinen, in der Wohnung des Tatverdächtigen war niemand. Allerdings hätten sie dort Mahnschreiben gefunden, die auf eine finanzielle Misere hindeuteten, so der Zeuge. Um 2 Uhr nachts fanden die Ermittler dann im Keller den Koffer mit der Leiche der alten Dame.

Prozess in Gera bis Januar angesetzt

Der Angeklagte wurde einen Tag später festgenommen - und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Bis zum Januar 2020 hat die Schwurgerichtskammer Termine angesetzt. Gleich zu Prozessbeginn hieß es, dass im Falle einer Verurteilung auch die sogenannte Schwere der Schuld in Betracht komme. In diesem Fall könnte der Verurteilte nicht - wie sonst bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe möglich - nach 15 Jahren auf Bewährung in die Freiheit entlassen werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2019, 20:13 Uhr

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