Ein Sinfonieorchester spielt auf einer Bühne neben einem Mann, der ein Schild hochhält, während die Zuschauer auf Smartphones tippen.
Die "HörProbe" mit Jenaer Schülerinnen und Schülern Bildrechte: Jenaer Philharmonie / Uta Trillhose

Deutschlandpremiere Jenaer Philharmonie spielt Smartphone-Konzert

Es ist der wohl aufregendste Konzertabend der Jenaer Philharmonie in dieser Spielzeit: Die Deutschlandpremiere von "Geek Bagatelles" am Donnerstag. Im Werk des Franzosen Bernard Cavanna - vor zwei Jahren in Paris uraufgeführt - spielt das sonst gern aus dem Konzertsaal verbannte Smartphone als modernes "Instrument" mit.

von Anke Preller

Ein Sinfonieorchester spielt auf einer Bühne neben einem Mann, der ein Schild hochhält, während die Zuschauer auf Smartphones tippen.
Die "HörProbe" mit Jenaer Schülerinnen und Schülern Bildrechte: Jenaer Philharmonie / Uta Trillhose

Die Botschaft ans Publikum lautet: Mitbringen ausdrücklich erwünscht! Neben dem Orchester tritt immer wieder ein Smartphone-Chor in Aktion. Den bilden 20 Jenaer Berufsschüler. Ihren Einsatz haben sie seit Montag mit Pierre Bassery geprobt - dem extra aus Frankreich angereisten Dirigenten des Smartphone-Chores. Wer aus dem Publikum den Chor unterstützen will, muss sich vor Konzertbeginn eine spezielle App auf sein Handy laden. Bestimmte Bewegungen des Handys erzeugen bestimmte Töne. Die Einsätze und Anweisungen kommen von Dirigent Bassery. Bei der "HörProbe" am Mittwoch, zu der über 300 Schülerinnen und Schüler geladen waren, klappte das schon ganz gut.

Zwei QR-Codes, die zur App führen, mit der man sich als Zuschauer am Smartphone-Konzert der Jenaer Philharmonie beteiligen kann.
Hinter diesen QR-Codes versteckt sich die App zum Konzert. Bildrechte: Jenaer Philharmonie

Das Smartphone-Konzert basiert auf Beethovens 9. Sinfonie. Komponist Bernard Cavanna hat Melodiefragmente aus dem letzten Satz in sein Stück einfließen lassen. Bruchstückhaft wie aus weiter Ferne erreichen sie die Zuhörer. Schillers berühmter Text "Ode an die Freude" ist reduziert auf das Wort "Freude". Freude, Freude, soll das Publikum auf Basserys Zeichen enthusiastisch in den Raum schreien. Die Schüler waren begeistert dabei. Ob das Donnerstagabend so gut klappt, bleibt abzuwarten.

Ein Mann steht neben einem Orchester auf einer Bühne und hält ein Schild hoch, auf dem das Wort Freude steht.
Der Leiter des Smartphone-Chores, der Franzose Pierre Bassery, gibt Anweisungen ans "mitspielende" Publikum. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Kulturelles Erbe trifft auf digitalisierte Welt. Ulrich Kern, der Dirigent des Abends, sieht darin einen wichtigen Impuls, der von Jena ausgeht. Cavanna schaffe es mit seinem Stück, sagte Kern MDR THÜRINGEN, die eng mit dem Smartphone verbundene junge Generation zu erreichen. Im besten Fall gelinge es auch, sie wieder in den Konzertsaal zu locken.

Das Donnerstagskonzert der Jenaer Philharmonie, das unter dem Motto "Evolution der Klänge" steht, spannt einen noch viel weiteren Bogen. Auf das Anfangsstück von Haydns "Schöpfung" folgt "Baba", ein Konzert für Tidldibab - auch Neandertalflöte genannt. Die aus einem Bärenknochen vor vermutlich 60.000 Jahren gefertigte Flöte gilt als das älteste bekannte Musikinstrument. 1995 war sie in einer Höhle in Slowenien gefunden worden. An die Flötentöne schließt sich ein Musikstück mit eingespielten originalen Walgesängen an. Das Smartphone-Konzert setzt den Schlusspunkt der Hör-Experimente mit Dirigent Ulrich Kern und den Musikern der Jenaer Philharmonie. 

Tickets sind an der Abendkasse noch zu haben. Das Konzert beginnt am Donnerstag um 20 Uhr im Volkshaus Jena.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 21. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2018, 08:17 Uhr

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