Thüringens AfD-Chef Björn Höcke spricht beim Wahlkampfabschluss seiner Partei auf dem Domplatz in Erfurt.
Björn Höcke auf dem Wahlkampfabschluss der AfD Thüringen. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Neue Studie zum Erfolg der AfD bei Thüringer Landtagswahl

Laut einer Studie des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena lassen sich die AfD-Landtagswahlerfolge nicht mit der wirtschaftlichen Lage der Wähler begründen. Das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft will die komplette Studie "Rechtsradikale Landnahme – Analyse des AfD-Wahlerfolgs zur Landtagswahl 2019 in den Thüringer Gemeinden" am Dienstag veröffentlichen.

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke spricht beim Wahlkampfabschluss seiner Partei auf dem Domplatz in Erfurt.
Björn Höcke auf dem Wahlkampfabschluss der AfD Thüringen. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Die AfD-Landtagswahlerfolge lassen sich der Studie zufolge nicht mit der wirtschaftlichen Lage der Wähler begründen. Mitautor Axel Salheiser sagte MDR THÜRINGEN, es habe sich kein statistischer Zusammenhang gefunden, dass sogenannte "Abgehängte" verstärkt die AfD gewählt hätten. Die Arbeitslosenquote spiele beispielsweise keine Rolle. Auch die sogenannte Gewerbedynamik, die das Verhältnis von Gewerbean- zu Gewerbeabmeldungen widerspiegelt, sei statistisch unerheblich.

Vergleich zum NPD-Ergebnis

Dr. Axel Salheiser, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft schaut während eines Interviews in die Kamera.
Axel Salheiser ist Mitautor der Studie des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die größte Erklärungskraft liefere dagegen der jeweilige Stimmenanteil, den die NPD zur Landtagswahl 2014 erhalten habe, so Salheiser weiter. Dort, wo die rechtsextreme Partei vor fünf Jahren viele Stimmen erhalten habe, habe 2019 die AfD besonders hohe Werte erreicht. Der statistische Zusammenhang sei deutlich. Außerdem hat der Studie zufolge die AfD auch dort profitiert, wo mehr Menschen als 2014 zur Wahl gegangen sind und somit der Anteil der Nichtwähler gesunken ist.

Auswirkung des Frauenanteils auf AfD-Ergebnis

Insgesamt haben die Autoren für 18 Faktoren überprüft, ob ein statistischer Zusammenhang zum AfD-Wahlergebnis besteht. Demnach hat sich außerdem gezeigt, dass mit höherem Frauenanteil und steigendem Seniorenanteil das AfD-Ergebnis niedriger ausgefallen ist. In Regionen mit schrumpfender Bevölkerung kann die AfD dagegen mehr Stimmen verbuchen. Allerdings haben diese Faktoren vergleichsweise geringe Bedeutung. Gar kein Einfluss zeigte sich bei der Höhe des Ausländeranteils in den Gemeinden.

Komplette Studie erscheint am Dienstag

Das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena will die komplette Studie "Rechtsradikale Landnahme - Analyse des AfD-Wahlerfolgs zur Landtagswahl 2019 in den Thüringer Gemeinden" am Dienstag veröffentlichen. Die Autoren haben nach eigenen Angaben für alle Gemeinden analysiert, inwieweit sich das Landtagswahlergebnis mit unterschiedlichen wirtschaftlichen, demografischen und politischen Merkmalen erklären lässt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2019, 08:57 Uhr

157 Kommentare

Micha der Patriot vor 3 Wochen

Werte Frau Stein, sie scheinen mir ziemlich jung und naiv zu sein! Ich selber habe fast mein halbes Leben in der DDR Diktatur gelebt und erlebt! Ich weiß also von was ich spreche und kenne es im Gegensatz zu Ihnen nicht nur aus Büchern oder von Hörensagen!

martin vor 3 Wochen

@map: Was Sie beschreiben wäre noch dadurch zu ergänzen, dass manche Betriebe auch aufgekauft und "abgewickelt" wurden, um deren Kundenstamm zu übernehmen.

Und Sie haben auch völlig Recht, dass es sich nicht nur um die Einzelfälle gehandelt hat, die in den Medien hochgekocht sind. Ich kann den Kampf der Kalikumpel nicht vergessen - vielleicht auch deshalb, weil meine beiden Großväter selbst Bergmänner waren.

Aber wenn wir ehrlich sind: Die meisten Betriebe wären einer internationalen Konkurrenz auf D-Mark-Basis nicht gewachsen gewesen. Über die nicht frei konvertierbaren Aluchips konnte eine künstliche Wettbewerbsfähigkeit erzielt werden - den volkswirtschaftlichen Preis dafür konnte die DDR aber irgendwann nicht mehr bezahlen.

martin vor 3 Wochen

@udo: Weshalb vertreten Sie die Auffassung, dass "Monazit" Andersdenkenden keine Meinung(säußerung) zugestehen würde? Sie schreibt doch ausdrücklich, dass sie öffentliche Auftritte ausdrücklich befürwortet. Oder bedeutet "Meinungsfreiheit" für Sie, dass einer geäußerten Meinung nicht widersprochen werden darf?

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