Nachfolger gesucht Keine Hilfe von der Stadt für die Jenaer Tafel

von Olaf Nenninger

Die Situation der Jenaer Tafel ist nach wie vor brenzlig. Vor einem halben Jahr hatte Vereins-Chef Wilfried Schramm verkündet, das Haus zu schließen, wenn die Tafel von städtischer Seite keine Hilfe bekommt. Die größten Probleme: hohe Kosten und fehlendes Personal. Mehr als 40-Tausend Euro gibt der Verein im Jahr für Pacht, Unterhalt und Fuhrpark aus. Weniger als die Hälfte kommt aus dem Warenverkauf wieder rein. Nur über vereinzelte Zuwendungen vom Land, Vermietungen und Spenden kann das Defizit gedeckelt werden. Rund 70 freiwillige Helfer halten den Tafel-Betrieb aufrecht und versorgen 1.000 Menschen wöchentlich mit Essen und Kleidung.

Wilfried Schramm von der Tafel in Jena am Mikro
Wilfried Schramm Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aber das größte Problem liegt an der Spitze. Denn das Management - der Vorstand - ist überaltert. Wilfried Schramm und seine beiden Mitstreiter sind weit im Rentenalter. Dennoch muten sie sich immer noch eine ehrenamtliche 40-Stunden-Woche zu. Und hier begegnen sich Geld- und Personalmangel. Denn junge Nachfolger im Vorstand sind auch nach dem öffentlichen Hilferuf vor einem halben Jahr nicht in Sicht. Ein hauptamtlicher Geschäftsführer wäre da schon eine große Hilfe. Doch wovon soll der bezahlt werden? Schramm wollte die Pacht für das Tafel-Gebäude in Jena-Lobeda reduzieren, um davon einen Geschäftsführer zu bezahlen. Doch die Stadt lehnte das ab. Auch Bewerbungen bei Programmen für Langzeitarbeitslose verliefen im Sande.

"Vor der Wahl wurde uns von allen Seiten viel versprochen. Es gab zahlreiche Hilfsangebote, aber passiert ist nichts. Nur viel Wind", macht Schramm seinem Unmut bei MDR THÜRINGEN Luft. In besonderer Erinnerung ist ihm ein Treffen vor drei Monaten, bei dem sich zwei anwesende Dezernenten sehr wohlwollend geäußert haben sollen. Für den Vorstand der Tafel wirkte das wie eine vorhergenommene Zusage der Stadt, den Verein dauerhaft finanziell zu unterstützen.

Spenden und Sponsoring statt Stadt-Unterstützung

Bei der Stadtverwaltung sieht man das anders. Anfang Mai gab es ein erneutes Gespräch. Sozialdezernent Eberhard Hertzsch (parteilos) empfahl der Tafel, die eigene Unabhängigkeit aufzugeben und sich mit einem sozialen Träger zusammenzutun. Eine enge Zusammenarbeit mit einem Wohlfahrtsverband wie der Diakonie käme da in Frage. Klare Ansage in der Runde: Eine dauerhafte Förderung durch die Stadt wird es nicht geben. Einzelne Projekte könnten unterstützt werden, um der Tafel die ärgsten Sorgen zu nehmen. Das sei in der Vergangenheit auch schon gemacht worden. Vielmehr, so Hertzsch, müsse die Tafel deutlich mehr die Werbetrommel rühren, um Geld für Personal durch Spenden und Sponsoring zu bekommen.

"Seitdem haben wir, außer über die Presse, nichts mehr von Herrn Schramm gehört", stellt Eberhard Hertzsch ein wenig ratlos fest. "Aber wir würden uns freuen, wenn die Tafel wieder das Gespräch suchen würde. So war es ja auch vereinbart."

Zusammenarbeit mit Wohlfahrtsverband ist keine Lösung

Tafel in Jena
Die Tafel in Jena Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wilfried Schramm und sein Vorstandskollege Manfred Müller können mit dem Wunsch der Stadt nach mehr Eigeninitiative nicht viel anfangen. Aus Spenden lasse sich ein Geschäftsführer nicht bezahlen. Die Beiden wollen, dass die Position auch eine langfristige Perspektive hat. Und die Zusammenarbeit mit einem Wohlfahrtsverband sei für sie ebenfalls keine Lösung. Die Probleme würde auch dann weiterhin bestehen, denn auch gemeinnützige Unternehmen wie die Diakonie haben, so Müller, auch nicht das Geld, um mal eben Stellen bei der Tafel zu schaffen. Außerdem steht die Befürchtung im Raum, dass der Verein durch den möglichen neuen Partner nicht mehr so flexibel wie bisher arbeiten kann.

Für das drängendste Problem, nämlich eine junge Führung ins Haus zu holen, gibt es also noch immer keine Lösung. Wilfried Schramm will erst einmal weiter machen - im Mai hat er sich schweren Herzens wieder in den Vorstand wählen lassen. Resignation schwingt mit, wenn er sagt: "Wir sind immer noch genau da, wo wir vor sechs Monaten schon waren."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Juni 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2019, 20:37 Uhr

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12 Kommentare

20.06.2019 14:32 B 12

wieso gibt es den da keinen Nachwuchs das kann doch mal Merkel und ihre gesamten Konsorten aus Berlin jeweils 1 Monat mit arbeiten damit diese mal sehen was in D. so los ist außer nur ihre eigene abgesicherte in wohlstand Welt,
das sind Bürger die solchen alles zu verdanken haben , schlimm aber wahr, das können die gesamten feinen Herrschaften nicht außer den Bürger zu belügen, betrügen, abzuschröpfen das bringen diese mehr nicht !

20.06.2019 12:23 part 11

Würde der Staat die Tafeln in der BRD offiziell mit einem festen Budget fördern, so würde er eingestehen, das die Sozialleitungen hinten und vorn nicht reichen und künstlich klein gehalten werden. Tafeln sollen weiterhin nur einen Freiwillgendienst auf auf geringfügiger subsidiärer Basis darstellen. Ihre Existenz ist zwar erwünscht und gedultet, auch erfüllen sie eine Alibifunktion für unsere Sozialsystem, doch die Ursachen für die Existenz werden nicht angegangen im Bundestag, man braucht schließlich bis 2020 2 Milliarden Euro mehr für die Aufrüstung.

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